Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Warum das Rudelsingen so viel Spaß macht
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Warum das Rudelsingen so viel Spaß macht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 26.05.2019
Rudelsingen – alle gemeinsam, keiner einsam mit falschen Tönen! Quelle: Der Norden singt
Lübeck

Noch sitzen sie, die rund 500 Menschen, die an diesem Abend ins ausverkaufte Kolosseum gekommen sind. Vorwiegend Frauen, vereinzelt auch Männer, jeden Typs und jeder Altersgruppe, die darauf warten, dass es losgeht. Hier noch einen Schluck Sekt, da noch einmal Wasser zum Spülen. Dann kommt Niels Schröder auf die Bühne. Er begrüßt das Publikum, bekommt einen riesigen Applaus und macht zunächst ein, zwei, drei Aufwärmwitze. Das alles wirkt wie ein eingespieltes Ritual, wie eine Verabredung zwischen Freunden, die sich regelmäßig treffen, um einem gemeinsamen Hobby nachzugehen. Nur ist es in diesem Fall nicht Skat oder Squash spielen – sondern Singen.

Und ja, als der Chorleiter „Moin Moin Lübeck“ anstimmt – die Hymne, mit der es immer losgeht, wenn es heißt „Der Norden singt“, gibt es kein Halten mehr. Wie auf Kommando reißt es die Menge aus den Stühlen; sie klatscht, brüllt, brummt, grölt, singt, jubelt, pfeift, trällert, kurz: dreht durch. Anders lässt sie sich einfach nicht beschreiben, diese Stimmung, die so euphorisch ist, dass man meinen könnte, hier tritt gleich ein Superstar auf. Und irgendwie ist es auch so. Nur steht der Star nicht auf der Bühne sondern ist ein jeder Besucher selbst, denn hier können alle singen – vor allem die, die es nicht können. Ganz ohne Hemmungen. Und das beeindruckt am meisten.

Chorleiter Niels Schröder ist mit „Der Norden singt“ in vielen Städten unterwegs, in Lübeck gibt es die Veranstaltung seit 2016 regelmäßig im Kolosseum. Quelle: Maria Heggemann/ Der Norden singt

Keine Erfahrungen – aber Spaß

„Wir sind zum zweiten Mal dabei“, sagen zwei Damen in der ersten Reihe. Beim ersten Mal sei es so toll gewesen, dass sie sich gleich nach der Veranstaltung Karten fürs nächste Mal gekauft haben. Ob sie singen können? „Nö.“ Ob sie Spaß haben? „Und wie.“

Faszination Singen – kaum jemand wird diese Lust nicht kennen. Sei es zu Hause vor dem Spiegel mit Haarbürste als Mikrofon, auf einer beschwingten Feier oder im Auto, wenn der Lieblingssong läuft . . . irgendwann und irgendwo singen wir alle. Und irgendetwas scheint daran so faszinierend, dass Singen im Rudel, gemeinsames Grölen – oder wie auch immer man das nennen mag – mit einer professionellen Band und Songs aus den Bereichen Rock, Pop, Rock’n’Roll, Charts, Evergreens immer mehr Menschen in seinen Bann zieht.

„Die hohe Anzahl der Leute, die ansteckende Stimmung und die Offenheit des Projekts machen diese Sing-Veranstaltungen so besonders“, sagt Maleen Täger. Sie ist in der Projektorganisation von „Der Norden singt“ – dieses Event bringt regelmäßig mehrere tausend Menschen in ganz Norddeutschland zum gemeinsamen Singen zusammen. In Lübeck besteht der „Chor Für Alle“ seit 2016 und findet regelmäßig im Kolosseum statt: „Der Spaß, bei dem in dieser Größenordnung jede Hemmschwelle fällt, ist nicht nur universell, sondern auch ansteckend“, sagt Täger.

Ansteckende Stimmung

Eingefleischte Rudelsinger werden auch die legendäre „Grölgruppe“ des Theater Combinale kennen, die nach einem ähnlichen Konzept funktioniert und ziemlich schnell ausverkauft ist, sobald ein Termin bekanntgegeben wird. „Es macht einfach Spaß, unter mehreren hundert Singenden zu sein, insbesondere dann, wenn kein Leistungsdruck besteht“, sagt Täger über den Erfolg solcher Veranstaltungen.

Hier geht’s lang zum Singen

„Der Norden singt – Lübeck“ findet mit Ausnahme der Sommerferien einmal im Monat, im Kolosseum, statt. Die Teilnahme ist unverbindlich, eine Anmeldung ist nicht notwendig. Infos und Tickets gibt es unter www.lübeck-singt.de und bei der Konzertkasse im Hause Hugendubel (Königstr. 67A) erhältlich. Nächster großer Termin: Das Lübecker Sommersingen am 2. Juni in der MuK – die Veranstaltung ist bereits restlos ausverkauft, ab Herbst geht es dann wieder im Kolosseum weiter.

Die Grölgruppe des Theater Combinale ist ebenfalls ein heiß begehrtes Sing-Event, das vier Mal im Jahr stattfindet und relativ früh ausverkauft ist. „Brummer und Wohltöner verschmelzen zu einem Gesamtkunstwerk, das sich hören lassen kann und Spaß macht es auch noch“, so das Combinale-Team. Nächster Termin: Sonntag, 26. Mai – Chancen auf Karten gibt es auch hier so gut wie nicht mehr, aber mehr Infos fürs nächste Mal auf der Seite des Theaters.

Das Publikum im Kolosseum singt sich an diesem Abend durch ein buntes Repertoire aus Welthits von Queen und Michael Jackson und heimischen Songs von Herbert Grönemeyer und Mark Forster. Über der Bühne hängt eine riesige Leinwand mit dem Songtext und Betonungshilfen. Den Rest übernimmt Chorleiter Schröder, der mit viel Humor und Unterhaltung selbst den unbegabtesten Sänger im Saal abholt und ins Geschehen integriert. Dazu gibt es nebenbei noch etwas Musikgeschichte und Notenerläuterung. „Gib mir mal ein Fis“, ruft er dem Keyboarder rüber, stimmt den nächsten Song an – und das Publikum springt wieder von den Stühlen, nachdem es sich für einen Moment zwischen den Liedern gesetzt hatte.

Es gibt Stücke an diesem Abend, die teilt Niels Schröder mehrstimmig ein, in Ober-, Haupt- und Unterstimme – und das Publikum ist dabei. Es gibt Balladen, Klassiker und sogar ein Rockn’ Roll-Medley – und das Publikum ist dabei. Nichts schreckt die Menge ab, es wird aus voller Kehle bei jedem Lied aufgestanden und gesungen. „Singt das mal ein bisschen fieser“, sagt Schröder bei „The Show must go on“ von Queen. „Das wird den Sound positiv beeinflussen, Ihr werdet es sehen.“

Zwei professionelle Backgroundsängerinnen unterstützen die gut zweistündige Veranstaltung und mit Niels Schröder stehen noch fünf weitere Musiker auf der Bühne, Schlagzeuger, Bassisten und Keyboarder, alle Mann hochkarätig, mit viel Erfahrung und Humor.

Das Zusammenspiel ist ein ansteckender Spaß, Schiefsingen wird hier weder gehört noch komisch beäugt. Und nach zwei Stunden Euphorie, guter Laune und sogar einigen Gänsehautmomenten endet der Abend mit einem gemeinsamen „Freude schöner Gotterfunken“ in der Rockversion – und einer Erkenntnis, die einen erst am Ausgang einholt, wenn das Erlebte kurz gesackt ist: Man hat in den vergangenen zwei Stunden an genau nichts anderes gedacht außer an das Singen.

Wellness für Geist und Kehle.

Schabnam Tafazoli

Kultur im Norden Classical Beat Festival - Wassermusik in St. Jakobi

Wasser in allen Aggregatzuständen ist das Thema des Classical Beat Festivals 2019. In St. Jakobi brachte der norwegische Jazz- und Experimentalmusiker Terje Isungset Gletschereis zum Klingen – begleitet von der kristallenen Stimme der Sängerin Maria Skranes.

25.05.2019

„Zwischen den Meeren“ heißt das dritte Album von Jeden Tag Silvester. Mit einem Release-Konzert stellten die vier Musiker aus Bad Oldesloe die neuen Songs ihren Fans in der Lübecker MuK vor – es wurden zwei Stunden Wohlfühl-Party mit Freunden, die begeistert mitsangen.

25.05.2019

Demokratie und Republik müssen verteidigt werden. Das Reichsbanner hat es in der Weimarer Republik gezeigt. Eine Ausstellung im Europäischen Hansemuseum beleuchtet seine Geschichte.

24.05.2019