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Kultur im Norden Der Traum des armen Mädchens
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10:12 22.02.2018
Die Kieler Inszenierung verbindet Dornröschen und Andersens Mädchen mit den Schwefelhölzern (hier mit Shori Yamamoto als Prinz). Quelle: Foto: Olaf Struck/hfr

Dort drinnen sucht der Prinz nach einer Braut, während die junge Frau im Schnee zu erfrieren droht. Sie ist zu Tode erschöpft, schläft ein und träumt sich hinein in diese glanzvolle Welt. Was bei Hans Christian Andersen tragisch endet, geht in der Ballett-Komposition des Kieler Choreografen Yaroslav Ivanenko gut aus, denn das Mädchen überlebt. Ivanenko kombiniert den Dornröschenstoff des Tschaikowsky-Balletts raffiniert mit Andersens Märchen und erschafft damit inhaltlich neue Möglichkeiten. Die Lübecker Premiere im Großen Haus endete mit Jubel für „Die schlafende Schöne“.

Termine

Märchenballett von Yaroslav Ivanenko mit Solisten, Corps de ballet des Ballett Kiel; Statisterie; Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck

Weitere Vorstellungen: 24. Februar, 2. März, 10. März

Dauer ca. 2,5 Stunden, eine Pause

Theaterkasse: Telefon 0451 / 399 600

Die große Leistung war das gelungene Zusammenspiel aus klassischem und modernem Tanz, aus einem schlichten, aber eindrucksvollen Bühnenbild (Lars Peter), das auf Lichteffekte (Martin Witzel, Kevin Sock) setzte, und verspielten, farbenfrohen Kostümen (Heiko Mönnich).

Die Geschichte verläuft auf verschiedenen Ebenen. Im Vordergrund der Bühne gibt es den Rahmen, das arme Mädchen mit den Schwefelhölzern, das am Rande der Gesellschaft steht, von allen vergessen. In der Mitte der Bühne ist alles heiter und leicht. Hier trifft sich die angesehene Gesellschaft und schaut sich „Dornröschen“ im Theater an: Man blickt in den hinteren Bereich der Bühne wie durch ein Passepartout auf eine Szenerie – Theater im Theater entsteht. Raffiniert wird es, wenn die drei Ebenen beginnen ineinanderzufließen, wenn die gute Fliederfee und die böse Fee Carabosse die Grenzen von Wirklichkeit und Traum, von Schein und Sein verwischen. Das frierende Mädchen wird zu Dornröschen, die wunderschöne Liebesgeschichte nimmt ihren Lauf. Am Ende allerdings liegt das Mädchen so zerlumpt und frierend im Schnee wie zu Beginn.

Die tänzerische Leistung des Kieler Ensembles war hoch. Dornröschen/Aurora wurde von Keito Yamamoto getanzt. Anmutig war sie und hatte eine ausgefeilte Technik, mit der sie federleicht auf die Spitze ging. Für ihren Part setzte Ivanenko in großen Teilen die Original-Choreografie von Marius Petipa aus dem Uraufführungsjahr 1890 ein. Als zweite weibliche Hauptrolle überzeugte die Fliederfee (Maiko Abe). Auch sie zeigte eine technisch wie musikalisch reife Darbietung. Wie ein Samurai-Krieger wirkte Carabosse, getanzt von Yat-Sen Chang Oliva. In seinem Part vermischte Ivanenko klassisches Ballett mit modernen Elementen. Die Eleganz blieb, aber sie wurde ruckartiger, schroffer, wilder – neue Gesten ersetzten das bekannte Repertoire. Auch Ausstrahlung und Können des Prinzen (Shizuru Kato) waren beeindruckend. Sein Part stand in der Ballett-Tradition des klassischen Tanzes.

Würdevoll waren Johannes und Caroline Kritzinger als König und Königin. Die kurzen solistischen Auftritte der jungen (Lotte Gerl) und mittleren Aurora (Sophie-Linh Effenberger) zeigten, dass auch bei den Nebenrollen mit Freude und Akkuratesse gearbeitet wurde. Das gesamte Ensemble spiegelte diesen engagierten Geist. Von den Solisten bis zu den Statisten gab es diese Spielfreude, die als Ganzes das Stück trug.

Fliederfee und Dornröschen tanzten in kurzen Tellerröcken, die üppig mit Tüll unterlegt waren. Diese beiden Kostüme waren besonders gelungen – die Fee in einem strahlenden Pink, Dornröschen in Weiß

mit Blumendruck in Rottönen. Auch das Kostüm der bösen Carabosse unterstrich die Diabolik der von einem Mann getanzten Figur: weite schwarze Hosen und ein bodenlanger schwarzer Mantel, darunter ein transparentes schwarzes Shirt – zum Fürchten gerade in der Bewegung.

Unter der musikalischen Leitung von Jan-Michael Krüger spielte das Philharmonische Orchester Lübeck souverän einen tanzbaren Tschaikowsky, der trotz seiner festen Rhythmik mal verspielt, mal opulent daherkam. Viel Applaus erhielt Carlos Johnson für seine berührenden Violin-Soli.

Cornelia Schoof

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