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Kultur im Norden Der mit Cartoons singt und spricht
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18:10 22.02.2018
Piero Masztalerz muss seinen Platz auf der Bühne stark verteidigen.
Piero Masztalerz muss seinen Platz auf der Bühne stark verteidigen. Quelle: Foto: Olaf Malzahn
Lübeck

Wenn die multiplen Persönlichkeiten eines Mannes plötzlich halbwegs real werden, kann das schon mal spannend werden. Piero Masztalerz kann davon buchstäblich ein Lied singen. Der preisgekrönte Cartoonist und Stand-up-Comedian aus Leidenschaft veröffentlicht seine Illustrationen regelmäßig in verschiedenen Medien.

Doch nun ist Masztalerz einen Schritt weiter gegangen und hat aus seinen gezeichneten Geschichten kleine Filmchen gemacht, die so geschickt in die Show eingebaut sind, dass daraus ein Dialog wurde.

Dass ihm die Comics dabei fast den Rang abliefen, machte die Sache umso lustiger. „Ich zeichne immer Arschlöcher und bin mein bestes Vorbild“, scherzte er.

Eigentlich wollte Piero Masztalerz die Eröffnung seiner Live Cartoon Show auf dem Theaterschiff selbst bestreiten. Doch eines seiner Cartoons war schneller. „Isch bine Piero Masztalerz“, säuselte das gezeichnete Männchen mit Zauselbart und italienischem Akzent. „Sie sinde doch DJ Bobo, oder?“, fragt es frech. Er selbst sei ja eher Zauberer, meint Zauselbart und ballerte erst einmal zwei Tauben ab, die er vorher kunstvoll aus der Jacke gezaubert hatte.

Nur mit Mühe kann sich da der „echte“ Masztalerz behaupten. „Wenn ich schon aussehe wie ein Musiker, muss ich auch singen“, sagte er. Dann besang er seine Ukulele, spielte einen selbstgeschriebenen Protestsong und ein Lied für seine Mutter. „Sie ist heute hier und hat gesagt, wenn ich zu viel über sie erzähle, geht sie“, sagte Masztalerz. Doch davon ließ er sich nicht abhalten. „Meine Mutter postet manchmal Kack-Emojis unter meine Instagrammbilder“, plaudert er aus. Doch auch Schlager hatten es ihm angetan. So trällerte er mit Inbrunst und nicht immer tonsicher Roland Kaiser oder Wolfgang Petry und hatte dazu jeweils einen passenden Clip gezeichnet, der den Text ganz anders interpretierte.

Lustig waren auch seine Zeichnungen, mit denen das Publikum Titel bekannter Filme erraten sollten. So wie bei der Zeichnung mit dem Opa im Garten, der mit seiner Flinte gerade einem Langohr den Kopf weggeschossen hat. „Das ist einfach: Keinohrhasen“, erklärt Masztalerz. Die skurrilen Figuren in den oft gesellschaftskritischen oder politischen Illustrationen kommen oft nicht gut dabei weg. Piero Masztalerz hält gerne den Finger drauf und zeigt, wie er Situationen bewertet. Egal, ob es um Religion geht, das Gesundheitswesen oder den Alltag von Ehepaaren. Das kann er dann auch richtig gut. Das Publikum im nur halbvollen Theaterschiff bedankte sich dann mit reichlich Applaus für die rund 90 Minuten Show.

Majka Gerke