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Kultur im Norden Ein „Clash-of Culture“ in der MuK
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13:20 06.04.2019
Pianist Bertrand Chamayou spielte mit links – und ließ das Spiel mit einer Hand wie beidhändig klingen. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Lag es an dem eher dürftigen Programm, dass das jüngste Symphoniekonzert des NDR in der MuK am Freitag Abend so schütter besucht war? Wobei Ravels düsteres Klavierkonzert pour la main gauche und Rimski-Korsakows romantischer Schmachtfetzen „Scheherazade“ jeweils als „Beifang“ zu einem großen Werk der symphonischen Literatur geeignet gewesen wäre. So aber … 

Vielleicht gut ein Drittel der Plätze war also unbesetzt geblieben, als der chinesische Dirigent Long Yu ans Pult des Elbphilharmonie Orchesters trat. Yu ist Chefdirigent des Shanghai Symphony Orchestras und befleißigt sich einer Kooperation mit den NDR-Musikern. Hier setzte er sich zu Beginn mit der Orchesterskizze „Wu Xing“ (Die fünf Elemente) für seinen Landsmann Qigang Chen ein, die trotz gelegentlicher Pentatonik weniger dem fernöstlichen Kulturkreis verpflichtet ist als den Klangtableaus zeitgenössischer Orchestermusik westlicher Prägung. Hier waren überwiegend Einflüsse der französischen Musik um die Wende zum 20. Jahrhundert zu vernehmen, die gemeinhin etwas oberflächlich als „impressionistisch“ gekennzeichnet wird, und Chens Lehrer Olivier Messiaën zu vernehmen, die den zweiminütigen Petitessen atmosphärisch dichte Wirkungen verliehen.

Danach erklang Ravels selten zu hörendes Klavierkonzert für die linke Hand, das 1929/30 entstand. Als Gast verpflichtet war der junge französische Pianist Bertrand Chamayou, der mit beherztem Zugriff vergessen ließ, dass es nur die linke Hand ist, die Ravels kompakt klingenden Klaviersatz realisiert. Entstanden war das Werk für Paul Wittgenstein, den Bruder des Philosophen. Jener hatte im Gemetzel des 1. Weltkriegs den rechten Arm verloren – und so mag die verhangene Grundhaltung von Ravels Konzert durchaus auch diesen Zusammenhang mit zu evozieren. Zuletzt spielte das Elbphilharmonie Orchester Rimski-Korsakows bekannte Sinfonische Suite „Scheherazade“ mit hörbarer Freude an den suggestiven Klangwirkungen dieser opulenten symphonischen Dichtung, die den Märchen aus 1001 Nacht nachempfunden ist.

Dieter Kroll

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