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Kultur im Norden Lübeck, Hollywood, Lübeck
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21:07 25.10.2018
LN-Redakteurin Petra Haase Quelle: Wolfgang Maxwitat
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Lübeck

Zehn Filme, eintausend Euro – so fing das alles mal an 1956. Eine Hand voll Filmenthusiasten besorgte sich Kinofilme aus Skandinavien und zeigte sie ein verlängertes Wochenende lang. „Alles Ehrenamtler“, erinnert sich der „Vater der Filmtage“, Rolf Hiller (Seite 12). Inzwischen ist aus diesem Herzensprojekt einiger Kinofans das einzige Festival weltweit geworden, das sich auf die Präsentation von Filmen aus dem Norden und Nordosten Europas spezialisiert hat, das Zehntausende Gäste aus dem In- und Ausland anzieht und für etliche Filmemacher schon ein grandioses Sprungbrett war. Beim ersten Filmfest 1956 lief „Ein Abend der Gaukler“ von Ingmar Bergman (1918-2007) – der schwedische Regisseur war damals noch gänzlich unbekannt. Inzwischen gilt er als Regie-Ikone, und zu seinem 100. Geburtstag verbeugen sich die Nordischen Filmtage vor ihm mit einem Bergman-Spezial (Seite 2).

Oder Bille August. 1982 war er in Lübeck noch als Kameramann mit „Wie vergewaltige ich einen Mann“ vertreten, 1987 dann als Regisseur mit „Pelle, der Eroberer“. Mit diesem Film nahm er zwei Jahre später den „Oscar“ entgegen – der Däne war in Hollywood angekommen. Und in diesem Jahr ist er zurück in Lübeck mit seiner brillanten Verfilmung des dänischen Romanklassikers „Lykke Per“ (Hans im Glück). Auch der Schwede Lasse Hallström („Die Kinder aus Bullerbü“) begann seine internationale Karriere in Lübeck, ebenso wie Aki Kaurismäki („Der Mann ohne Vergangenheit“).

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Das Gespür für Regie-Talente haben die Macher der Filmtage nie verloren.„Lübeck ist für mich immer ein Test, ob meine Filme auch außerhalb von Finnland verstanden werden, ob sie universell sind. In Lübeck hatte ich tolle Diskussionen mit dem Publikum. Die Meinung von normalen Kinogängern ist mir wichtiger als die von Kritikern“, sagt der finnische Regisseur Klaus Härö im Interview (Seite 3). Zwei Mal hat er bereits den Publikumspreis gewonnen, den ältesten Preis des Festivals, in diesem Jahr zum 40. Mal von den Lübecker Nachrichten gestiftet.

Doch man muss gar nicht die großen Namen und Superlative bemühen. Die Nordischen Filmtage leben durch ihre Vielfalt, durch die neuen, spannenden, oft auch skurrilen Einblicke in fremde Lebens-Welten. Im Vergleich zu 1956 ist das Festival ein anderes geworden – mit 199 Spielfilmen, Dokus, Kinderfilmen, Serien, mit 360-Grad-Kino, Ausstellungen und Events. Eines allerdings ist wie damals geblieben: Die Liebe der Organisatoren, der Teilnehmer und der Besucher zu Filmen und die familiäre Atmosphäre.

Petra Haase