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Kultur im Norden Die Ostsee im Wandel der Zeiten
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18:00 26.05.2019
Nicht nur zu Hansezeit war die Ostsee Nordeuropas Zentrum für den Austausch von Waren, Wissen und Kulturgütern. Quelle: kfh
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Kiel

Die Ostsee ist nur ein kleines Meer, ganze 400 000 Quadratkilometer groß und gerade einmal 459 Meter tief. Das ist nichts im Vergleich zu Ausdehnung und Tiefe der großen Ozeane (im pazifischen Marianengraben geht es bis zu in 11 000 Meter tief hinab). Dennoch ist das Mare Baltikum seit Tausenden von Jahren ein Zentrum des wirtschaftlichen und kulturellen Austauschs in Nordeuropa.

Ein Fluten und Wogen, Kommen und Gehen

Der Lebensraum rund um die Ostsee ist bewegt und geprägt von fortdauernder Veränderung. Es ist ein Fluten und Wogen, Kommen und Gehen und Ineinanderfließen – des Wassers, der Menschen und der Zeitläufe. Nicht einmal das Land umfasst die Ostsee in klaren, unveränderlichen Konturen als fester Boden unter den Füßen. Die Küstenlinien haben sich im Verlauf der Geschichte dieses Meeres stetig verändert.

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Martin Krieger, Direktor der Professur für Geschichte Nordeuropas an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Kulturraum im Wandel zu beschreiben. Vom Zeitalter des Eises, als riesige Gletscher das Land bedeckten und bei ihrem Rückzug eine Spur der Steine hinterließen, riesige Findlinge, aus denen in der Jungssteinzeit gewaltige Hügelgräber errichtet wurden; von den Beutezügen der Wikinger über die Hochzeit der Hanse bis ins digitale Zeitalter und zu den Herausforderungen und Chancen der Zukunft reicht seine elf Kapitel umfassende Betrachtung des Ostseeraumes.

Buch-Tipp

Der Autor Martin Krieger ist Professor für die Geschichte Nordeuropas an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. „Die Ostsee. Raum – Kultur – Geschichte“ erschien im Reclam Verlag, 296 Seiten, 65 Abbildungen, 7 Karten; 39 €

Der Historiker stellt dabei den Menschen in Beziehung zu Land und Meer in den Mittelpunkt. „Inwieweit gelang es ihm, sich an diese besondere Umwelt anzupassen? Inwieweit nutzte er das Wasser, an welcher Stelle erlangte er die politische oder militärische Gewalt darüber? In welchen Fällen überdehnte er seine Macht und zerstörte damit seine Lebensgrundlage?“, fragt Martin Krieger in seinem Vorwort. Dass der Norden schon früh besiedelt war, dass einen Austausch von Rohstoffen, Waren und Wissen gab, daran lassen archäologische Funde keinen Zweifel.

Bernstein als Handelsgut

Schon in der Bronzezeit (1700 – 500 v. Chr.) müssen die Menschen hochmobil gewesen sein, um Kupfer und Zinn über den Seeweg und die Flüsse an die Ostseeküste zu bringen, der Ostseeraum erlebte eine kulturelle Blütezeit. Die Eisenzeit brachte – mit deutlicher Verzögerung – die Kunst der Eisenverhüttung und des Schmiedens in den Norden. Hier nutzte man einen eigenen Schatz, den Bernstein, als begehrtes Handelsgut für den Warentausch.

Siedlungsschwerpunkte wuchsen an den Mündungsgebieten der größeren Flüsse, Handelsplätze und Herrschersitze entstanden, verbunden mit einer stärkeren Hierarchisierung der Gesellschaft. Eine schwere Klimakrise, möglicherweise durch einen Vulkanausbruch im Jahr 536 n. Chr. der den Himmel über viele Monate verdunkelte, setzte der Entwicklung jedoch abrupt ein Ende.

Hier schlägt das Herz Nordeuropas

Aber schon in der Wikingerzeit ab 800 nach Chr. war die Ostseeregion kein isolierter Raum mehr – in den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich das Mare Baltikum zum Herz Nordeuropas, zu einem Zentrum des Austausch von Waren, Wissen, Ideen und Kulturen – aber auch zu einem Schauplatz von Kriegen und des Ringens um die Vorherrschaft auf der Ostsee.

Martin Kriegers Bilanz und Prognose ist dennoch hoffnungsfroh: „Einmal mehr zeigt sich, dass die Ostsee immer noch das ist, als was sie vor Tausenden von Jahren in die Geschichte eingetreten ist: ein Meer der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Interaktion und ein Kommunikationsraum.“

Regine Ley

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