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Kultur im Norden „Die Ukulele bringt Leute zusammen“
Nachrichten Kultur Kultur im Norden „Die Ukulele bringt Leute zusammen“
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20:42 11.03.2013
Immer in feinem Zwirn: das Ukulele Orchestra of Great Britain. Gegründet wurde die Truppe im Jahr 1990. Quelle: VA
Lübeck

Lübecker Nachrichten: Begeisterte Fans, volle Konzerthäuser, Millionen von Klicks auf Ihrem Youtube-Kanal — als Sie 1990 zur Band kamen, hätten Sie sich da träumen lassen, so einen Erfolg zu haben?

Jonty Bankes: Als wir damals anfingen, war es quasi unmöglich, eine Ukulele in einem Musikladen zu bekommen, ohne ausgelacht zu werden. Jetzt treffen wir überall auf Gruppen, die sich an uns orientiert haben, was wirklich eine große Ehre ist. In New York gibt es eine Band, die nennt sich „The Ukulele Orchestra of Great Brooklyn“. Das sind drei junge Mädchen, die gemeinsam singen und spielen und wirklich lustig sind. Die Ukulele bringt Leute einfach zusammen.

LN: Sie touren das ganze Jahr über. Geht man sich da nicht irgendwann auf den Wecker?

Bankes: Wir sind in dieser Besetzung seit 1990 zusammen und geben rund 130 Konzerte im Jahr. Das sind rund 200 Tage auf Tour. Wir verbringen mehr Zeit miteinander als mit unseren Ehepartnern und Familien. Und natürlich streiten wir auch mal. Aber wir finden immer einen diplomatischen, demokratischen und fairen Weg, Unstimmigkeiten zu beenden, ohne uns umzubringen.

LN: Sie sagen, dass ein guter Song sich auch auf der Ukulele spielen lässt. Hören Sie neue Musik anders als früher?

Bankes: Ja, klar. Wir hören viel Musik und überlegen dann: Würde das zu uns passen? Wie könnte man das umsetzen? Wessen Stimme passt am besten? Und dann testen wir es. Momentan probieren wir ein paar Lady Gaga-Songs und einen alten Black Sabbath-Titel aus. Lustigerweise mögen gerade die Deutschen die alten Black Sabbath-Lieder.

LN: Sie sind schon überall auf der Welt aufgetreten. Gibt es eigentlich einen Unterschied beim Publikum?

Bankes: Die Reaktion des Publikums ist fast überall gleich. Manche brauchen allerdings etwas länger, unseren Humor zu verstehen, besonders, wenn es keine englischsprachigen Länder sind. Es gibt aber auch noch andere Unterschiede. In Skandinavien zum Beispiel wird zwischen den einzelnen Liedern nicht geklatscht. Die Leute sitzen still und stumm und hören zu. Und wenn das Konzert zu Ende ist, drehen die komplett durch. Im Gegensatz zu Deutschland. Als wir 2011 das letzte Mal in Lübeck gespielt haben, sind die Leute ausgerastet, sobald wir die Bühne betreten hatten.

LN: Wie war es denn, bei den BBC-Proms dabei zu sein?

Bankes: Das war ein besonderes Erlebnis und hat uns eine große Resonanz in der Welt der Klassik gebracht, was an sich schon bemerkenswert war. Ich finde ja, wenn acht Freunde auf der Bühne sitzen und zur Freude aller Musik machen und sich plötzlich in der Royal Albert Hall wiederfinden, inmitten einer BBC-Übertragung und 1000 Leute da sind, die alle eine Ukulele mitgebracht haben und man gemeinsam ein Stück von Beethoven spielt, ist das schon unglaublich. Das hätten wir uns vor 20 Jahren nicht träumen lassen.

Erster Auftritt in einem Pub
Jonathan „Jonty“ Bankes, seit rund 20 Jahren Mitglied des Ukulele Orchestra of Great Britain, spielt dort die Bass-Ukulele, die eigens für ihn gebaut wurde. Mit seiner tiefen Stimme rundet der Brite zudem den Gesang der Band ab. In Lübeck hat er eine Art Heimspiel — schließlich wurde Ehefrau Franca Graffitti-Bankes in der Hansestadt geboren. Wenn er nicht gerade mit den „Ukes“ auf Tour ist, lebt er mit seiner Ehefrau in Hamburg.
Neben Bankes gehören fünf weitere Herren und zwei Damen zur Gruppe. 1990 hatten sie in einem englischen Pub ihren ersten gemeinsamen Auftritt. Inzwischen füllen Jonty Bankes, Dave Suich, Peter Brooke Turner, Hester Goodman, George Hinchliffe, Richie Williams, Kitty Lux, Will Grove-White mit ihren Bonsai-Gitarren die Oper in Sydney genauso wie die Carnegie Hall in New York. Sie spielen auf ihren handlichen (meist viersaitigen) Instrumenten Rock, Pop, Jazz und Klassik. So kann es sein, dass der Abend mit Tschaikowsky beginnt und mit Nirvanas „Teenage Dirtbag“ endet.
Das Konzert in der MuK beginnt heute um 20 Uhr. Karten bei den Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse (23 bis 46 Euro).

Interview: Majka Gerke