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Kultur im Norden Dieter Macks „Ical“: Uraufführung in Lübeck
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17:17 29.04.2019
Dieter Mack hat sich bei seiner Komposition auch von den Klängen des indonesischen Gemalan inspirieren lassen. Quelle: *Presse Foto Nord - Olaf Malzahn
Lübeck

Dieter Mack ist seit 2003 Professor für Komposition an der Musikhochschule Lübeck. Die musikalische Biografie des gebürtigen Pfälzers ist äußerst vielschichtig. Er begann als Schlagzeuger in einer Rockband, wechselte dann zu den Keyboards. Mit seiner Band spielte er Tanzmusik, aber auch psychodelische und elektronische Stücke. Bis Dieter Mack 1978 in Kontakt mit balinesischer Musik kam – das war die große Wende.

„Heute interessiere ich mich nicht mehr für Elektronik“, sagt der Komponist, dessen groß angelegtes Werk „Ical“ für Orchester und Chor beim Brahms-Festival uraufgeführt wird. „Aber die Musik von Gruppen, die mich damals begeistert haben und die heute niemand mehr kennt, die mag ich immer noch.“ Das waren Bands wie Van der Graaf Generator oder Popopl Vuh, Pioniere der elektronischen Musik und eines Genres, das man heute World Music nennt – diesen Begriff gab es Anfang der 1970er Jahre noch nicht.

„Mein Stück ,Ical‘ lässt sich nicht in diese Schublade packen“, sagt Dieter Mack. „Es ist auch viel zu einfach gedacht, meine Musik als europäischen Abklatsch von balinesischer Gemalan-Musik zu hören. Ich komponiere Klänge auf meine Weise.“

Dieter Mack am 30. April „Zu Gast bei Brahms“

Am Dienstag 30. April um 19 Uhr lädt das Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck (MHL) zu einer weiteren Veranstaltung seiner Reihe „Zu Gast bei Brahms“ ein. Auf dem weißen Sessel in der Villa Brahms nimmt diesmal der Komponist Dieter Mack Platz.

Im Gespräch mit dem Leiter des Brahms-Instituts Professor Wolfgang Sandberger gibt der Komponist und MHL-Professor Dieter Mack Einblick in seine Arbeit, einen Rückblick auf seine bald zu Ende gehende Lehrtätigkeit und spricht über seine zukünftigen Pläne. Im Mittelpunkt steht „Ical“, Macks fulminantes Werk, das im Rahmen des Brahms-Festivals am Sonntag, 5. Mai um 19 Uhr in der Musik- und Kongresshalle Lübeck uraufgeführt wird. Welchen Einfluss die balinesische Musik, Wolfgang Amadeus Mozart und der französische Impressionismus auf sein Werk haben, gehört zu den spannenden Fragen des Abends. Im Anschluss an das Gespräch erklingt Musik aus der Feder des Komponisten für Violoncello und Saxophon, interpretiert vom Künstlerehepaar Imke Frank und Rico Gubler, Präsident der MHL.

Die Reihe „Zu Gast bei Brahms“ stellt in loser Folge Persönlichkeiten aus dem Musikleben vor. In den vergangenen Jahren haben unter anderem Ton Koopman, Manuela Uhl, Daniel Sepec, Rico Gubler und im Rahmen einer Ausstellungseröffnung auch der Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil auf dem weißen Sessel in der Villa Brahms Platz genommen. Wolfgang Sandberger gelingt es dabei stets, seinen Gästen spannende und überraschende Details aus ihrem Musikerleben zu entlocken. Im Rahmen des Konzertes ist auch die aktuelle Ausstellung des Brahms-Instituts „Neue Bahnen – Schumann und Brahms“ geöffnet, die anlässlich des 200. Geburtstags von Clara Schumann um einen Schwerpunkt zur Pianistin, Komponistin und lebenslangen Brahms-Freundin ergänzt wurde. „Zu Gast bei Brahms“ findet in der Villa Brahms am Jerusalemsberg 4 statt. Der Eintritt ist frei.

Musikalische Vorbilder hat Dieter Mack natürlich: „Wichtig für mich waren und sind Ravel und Debussy, was die Erweiterung der Klangmöglichkeiten angeht“, sagt er, „und Mozart in Bezug auf die formale Gestaltung von Musik. Wichtig ist mir aber auch Duke Ellington, ein Klang-Magier ersten Ranges. Nehmen Sie einfach die 1943er Aufnahme von ,Caravan‘ – hier hat Ellington mit kleinsten Mitteln aus einer banalen Melodie etwas Geniales erschaffen, indem er die schärfste Dissonanz, die kleine None, in die Bassstimme des Bläsersatzes legt, zum Baritonsaxofon.“

Das Wort „Ical“ (ausgesprochen Itschal) stammt aus dem Indonesischen und bedeutet Abgrund, Leere, aber auch Weite und Unbegrenztheit. „Es ist kein eindeutiger Begriff“, sagt Dieter Mack, „er symbolisiert auch die enge Verbundenheit der Indonesier mit der Natur.“ Geschrieben hat er das groß besetzte Werk 2014/15, der Anspruch vor allem an den Chor ist sehr groß. Deshalb zerschlugen sich Aufführungspläne in Basel und in der Ukraine – gut für Lübeck. „Ich setze die menschliche Stimme wie ein Instrument ein, wie die Instrumente in Gruppen geteilt. So entstehen Klänge, die ich Mixturen nenne. Diese können vierteltönig abgestuft sein, sie passen nicht in das herkömmliche Dur-Moll-Schema. Meine Musik dreht sich um Zentraltöne, daraus ergeben sich harmonische Felder. Das ist keine Tonalität, aber eine Tonigkeit. Und vor allem Klang. Transzendentes geschieht einfach in meiner Musik.“

Für Dieter Mack haben Klänge eine Aura, sie bestehen aus der Verbindung von Rhythmus und Harmonie. „Rhythmus setzt sich beim Zuhörer fest und erhöht den Wiedererkennungswert der Musik. Und Harmonie erzielt psychische Wirkung.“ In „Ical“ ist Dieter Mack wie bei einem Baukasten vorgegangen, sagt er. Es gibt im Hintergrund Klammern, die fast unbemerkt Zusammenhänge schaffen. Zwei „symbolische“ Akkorde verbinden die sieben Abschnitte der Komposition, vier Melodien sind den Stimmen zugeordnet und treten immer wieder in anderen Konstellationen mit den verschiedensten Instrumenten in Erscheinung. Umfangreiches Schlagwerk sorgt für eine formale Gliederung – und hier kommt dann tatsächlich die balinesische Gong-Musik ins Spiel.

Und wie soll sich der Zuhörer auf dieses Werk vorbereiten? „Am besten überhaupt nicht“, sagt der Komponist. „Man muss nur Neugier mitbringen und darf nichts erwarten. So kann man unvoreingenommen hören.“

Mehr über das Brahms-Festival lesen Sie hier

Jürgen Feldhoff

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