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Kultur im Norden Doro Pesch live in der Kulturwerft Lübeck: „Alkohol habe ich nie getrunken“
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Doro Pesch live in der Kulturwerft Lübeck: „Alkohol habe ich nie getrunken“
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15:33 18.11.2019
55 Jahre und kein bisschen leise: Doro Pesch hat kein Problem damit, zweieinhalb Stunden über die Bühne zu wirbeln – am Dienstag in Lübeck. Quelle: dpa
Lübeck

Als eine der wenigen Frauen beweist die nur 1,54 große Doro Pesch nun schon seit 35 Jahren, dass die Metal-Szene keine Männerdomäne ist. Im LN-Gespräch ist sie absolut freundlich und zugewandt und freut sich sehr auf das Konzert im Norden.

Sie sind am Dienstag in Lübeck – ist das Neuland für Sie?

Nein, einmal war ich schon dort. Ich bin ja total gerne im Norden. Und ich habe gehört, dass es wunderschön sein soll, wo wir spielen.

In einer ehemaligen Werfthalle, jetzt ist dort ein Recyclingunternehmen. Da stehen auch viele Lastwagen. Das wird Sie an die Kindheit erinnern.

Ja, total, ich bin in einem Fuhrunternehmen aufgewachsen, das ist so romantisch. Ich wollte ja immer LKW-Fahrerin werden, aber dann ist die Musik rasch an die erste Stelle getreten.

Wie kam die Musik in Ihr Leben?

Als ich drei Jahre alt war, habe ich einen Song gehört, der hat mich total begeistert, das war „Lucille“ von Little Richard. Der hatte so viel Energie, den habe ich jeden Tag auf dem Plattenspieler gehört. Mein Vater war auch sehr musikalisch, hat super Klavier gespielt und gesungen und viel Musik gehört.

Und dann kam der Glamrock.

Ja, ich hab mit zwei Jungs, die meinem Vater geholfen haben, die Bravo gelesen, wir haben Sweet, T. Rex, Slade und Suzi Quattro entdeckt. All die Langhaarigen haben mich total begeistert. Die beiden Jungs, so elf und zwölf Jahre, waren dann im Spiel meine Manager und ich habe gesungen. Da war schon abzusehen, dass ich zumindest eine laute Stimme habe, und die Nachbarn haben gedacht, ich werde bestimmt Opernsängerin. Aber das war nicht so meins. Obwohl ich mit Klassik aufgewachsen bin.

Wann hatten Sie Ihre erste Band?

Mit 15. Ich wusste gar nicht, dass wir Heavy Metal machen, wir haben einfach das gespielt, was uns gefallen hat. Ich hatte dann mehrere Bands, aber mit Warlock ging die Karriere dann so richtig los.

Hatten Sie schon immer so lange blonde Haare?

Ja, ich war auch erst zwei oder drei Mal beim Friseur. Ich hab danach immer geheult, weil die zu viel abgeschnitten haben, also habe ich das dann nur noch selbst gemacht.

Färben Sie auch selbst?

Ja, da habe ich Routine. Wenn dann mal ein freier Tag ist, geh ich auch mal zum Profi, aber eigentlich mach ich das selbst.

Zwischen New York und Wacken

Dorothee „DoroPesch wurde 1964 in Düsseldorf geboren. Dort begann auch ihre Karriere – zunächst in Underground-Metal-Bands, dann wurde sie mit der Band Warlock international bekannt. 1988 löste sich die Band auf, seitdem macht sie alleine Musik. 1986 zog die Sängerin nach New York. Seit 1993 tritt Doro in Wacken auf.

Die Boxerin Regina Halmichist eine ihrer besten Freundinnen, für die sie einige Songs schrieb, darunter der bekannte „Fight, She’s Like Thunder“.

Das Konzert beginnt heute um 20 Uhr in der Kulturwerft Gollan, es gibt an der Abendkasse noch Karten für 40 Euro.

Als Jugendliche waren Sie todkrank, wie haben Sie die Zeit überstanden?

Ich hatte eine Lehre angefangen und wollte Grafikerin werden. Da habe ich gemerkt, dass irgendwas mit der Lunge ist, ich war bei vielen Ärzten, aber sie haben nichts gefunden. Dann kam die Diagnose Lungentuberkulose im Endstadium. Ich war lange in Krankenhäusern, viele Mitpatienten haben das auch nicht überlebt. Ich fing an zu beten: Lieber Gott, mach, dass ich hier rauskomme, dann werde ich die Menschen glücklich machen. Wie durch ein Wunder habe ich es geschafft. Es war wie Schicksal – zwei Wochen später hatte ich meine erste Band. Ich hatte wahnsinnig viel Energie und Power.

Und sie haben richtig losgelegt: gesungen, gerockt, geraucht, Alkohol. Hatten Sie nicht Angst, wieder krank zu werden?

Also Alkohol habe ich nie getrunken, höchstens zu Silvester. Auch keine Drogen genommen. Die Jungens in der Band haben immer Party gemacht und ich habe sie dann nach Hause gefahren. Ich fühle ja mich immer verantwortlich.

Aber Sie haben geraucht nach der schweren Lungenkrankheit.

Ja, meine Eltern haben sich auch viele Sorgen gemacht. Aber es war damals die Kultur, es gehörte dazu, man fühlte sich stark und unbezwingbar. Ich habe es aufgegeben, als ich 1986 nach Amerika gegangen wird. Der Manager hat mich ein bisschen unter Druck gesetzt, in Amerika war das damals schon ein wenig verpönt.

Doro live in Lübeck

Das Konzert am Dienstag, 19. November, beginnt um 20 Uhr in der Kulturwerft Gollan in Lübeck.

Es gibt noch Karten für 40 Euro an der Abendkasse.

Warum sind Sie nach Amerika gegangen?

In den Achtzigern war es echt das Land der Freiheit, man konnte Träume wahr werden lassen. Da waren die besten Produzenten und Tonstudios.

Und wie empfinden Sie die Stimmung jetzt unter Präsident Trump?

Der Ton ist rau geworden, das Gefühl von Freiheit ist weg, es sind harte Zeiten. Es ist nicht mehr so fröhlich. Aber ich bin ja auch oft in Deutschland und international unterwegs.

Weggehen ist kein Gedanke?

Nein, ich fühle mich ja als Weltbürger, die Band ist international. Ich brauche nicht viel. Im Tourbus fühle ich mich am meisten zu Hause.

Ist das nicht zu unbequem? Sie sind jetzt 55 und versprühen immer noch so viel Energie und wirbeln mehr als zwei Stunden über die Bühne. Was ist Ihr Rezept?

Die Fans! Wenn ich die sehe und spüre, dann geht es ab. Da geht man aus sich heraus.

Halten Sie sich denn irgendwie fit?

Ich bin ein großer Fan von Kampfsport, ich habe mit Thaiboxen angefangen, habe lange Zeit Wing Chun gemacht und mache es immer noch. Ich bin ja auch ziemlich klein und finde es gut, wenn man sich zur Wehr setzen kann oder auch rechtzeitig weglaufen. Das würde ich auch jedem empfehlen, das gibt einem mehr Sicherheit und Kontrolle.

Und haben Sie ein Mittel für die Stimme?

Ich habe meistens Lutschbonbons im Mund, viel Trinken ist auch wichtig auf der Bühne. Jetzt in der Kälte vielleicht ein Tee mit Ingwer. Aber meine Stimme ist eigentlich immer da. Auch wenn ich mal heiser bin - auf der Bühne geht es dann wieder.

Hatten Sie eigentlich mal Gesangsunterricht?

Ja, zu Anfang, als wir die ersten Platten gemacht hatten, dachte ich, ich müsste das mal richtig lernen und habe schweineteuren Unterricht genommen. Nach einem Jahr haben dann viele gemeint: Eh Doro, was singst du da, kannst du nicht singen wie vorher? Das war viel geiler. Die Power und der Dreck in der Stimme waren weg. Dann habe ich aufgehört mit dem Unterricht und wieder aus dem Bauch heraus gesungen. Mit Power und Herz.

Was werden Sie in Lübeck mit Power und Herz singen?

Wir spielen alle Highlights und natürlich Songs vom aktuellen Album „Forever warriors, Forever United“ und haben auch jede Menge Überraschungen, die man nicht erwartet. Ehrlich gesagt, freue ich mich total auf den Norden, ich liebe diese Mentalität.

Wie ist die denn?

Sehr tiefgründig. Ich nehme ja viele Platten in Hamburg auf und mag die Verlässlichkeit und Gewissenhaftigkeit. Das sind Sachen, die ich total schätze, ich bin halt auch ein ernsthafter Mensch und sehr genau, wenn es um Musik geht. Insofern bin ich auch norddeutsch.

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