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Kultur im Norden Ein Sommernachtstraum – so schön war die Museumsnacht in Lübeck
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21:26 02.09.2019
Mitglieder der Wan Fu Kung Fu Schule aus Hamburg führten im St.Annen-Museum den chinesischen Löwentanz auf. Quelle: Felix König
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Lübeck

Im wunderbaren Ambiente des Füchtingshofs hatte das Günter Grass-Haus eine „barocke“ Festtafel mit silbernen Kerzenleuchtern und Blumendekor aufgebaut. Gut ein Dutzend Besucher durfte zeitgleich daran Platz nehmen, die übrigen lauschten stehend der Rezitation von Nina-Mercedés Rühl und Rachel Behringer vom Theater Lübeck. Die Schauspielerinnen trugen Passagen aus „Das Treffen in Telgte“ von Grass und „Tyll“ von Daniel Kehlmann vor, passend zur jüngst eröffneten Ausstellung.

Museumsnacht – die Bilanz

46 338 Besucher kamen  am Sonnabend zur 19. Lübecker Museumsnacht. Für Hans Wißkirchen, den leitenden Direktor der Lübecker Museen, ist das – mit einem leichten Plus zum Vorjahr – ein schönes Ergebnis. Der laue Sommerabend trug dazu bei, das Motto „Inside – Outside“ wörtlich zu nehmen und die zahlreichen Außenevents zu besuchen. „Dadurch konnten sich die Museen auch nach außen weithin gut sichtbar einem anderen, jüngeren Publikum als Hotspot präsentieren“, Hans Wißkirchen zog eine erfreuliche Bilanz für die Museumsnacht 2019.

Grass-Haus-Leiter Jörg-Philipp Thomsa erläuterte Hintergründe, auch zum Ort: Johann Füchting, Stifter des 1639 während des Dreißigjährigen Krieges eingeweihten Wohnhof-Idylls für mittellose Witwen, machte mit eben diesem Krieg gute Geschäfte.

Literatur und Musik standen im Hof zwischen Grass-Haus und Willy-Brandt-Haus auf dem Programm. Ein Zeitsprung aus der Barockzeit in den Sommer des Jahres 1969: Die Amerikaner erforschen den Mond, ein gebürtiger Lübecker wird Bundeskanzler. Der Autor und Astrophysiker Ulrich Woelk las aus seinem Roman „Der Sommer meiner Mutter“, der in eben jenem Jahr spielt. Ein eher heutiger Sound kam von den Youngbloods, drei junge Singer-Songwriter aus Kanada mit Gitarren und reichlich Melancholie im Gepäck.

Am Sonnabend stieg Lübecks 19. Museumsnacht – mit mehr als 100 Einzelveranstaltungen und viel Gelegenheit zum kulturellen Austausch. Schaut euch das kulturelle Highlight der Stadt in unserer opulenten Bilderstrecke an.

Mittelalter-Feeling beim Hansemuseum

Zu den beliebtesten Acts der Museumsnacht 2019 gehörte eindeutig die Bademodenschau im Garten zwischen Behnhaus und Overbeck-Pavillon. Jugendliche Laienmodels führten vor begeisterten Zuschauern Strandbekleidung aus hundert Jahren „vom Badekleid bis zum Burkini“ vor – das passte perfekt in die Stimmung dieses lauen Sommerabends. Doch auchWer sich nicht einfach nur unterhalten lassen wollte, wurde an vielen Stellen fündig, zum Beispiel im Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung. Stipendiaten präsentierten dort unter dem Motto „Fake or Fact?“ ihre Forschungsergebnisse. Oder im Buddenbrookhaus, wo sich im Gewölbekeller Projekte zur Nachhaltigkeit vorstellten, während oben die neue Ausstellung „Ins Blaue – Natur in der Literatur“ entdeckt werden konnte.

Bis tief in die Nacht hinein tauchten die Besucher zwischen den angeleuchteten Gemäuern des Hansemuseums ins Mittelalter-Feeling. Vor dem Beichthaus tummelten sich wohlhabende Kaufleute neben einfachen Markttreibenden und Söldnern. Der erste Vereinsvorsitzende des Hansevolks, Sören Gehrken, ging prächtig gewandet ganz in seiner Rolle als reicher Kaufmann auf. Die Besucher konnten live verfolgen, wie Gehrken sein gekapertes Schiff in Gestalt der „Lisa von Lübeck“ wiederfindet. Dieses hatte sich während des Krieges ein anderer Kaufmann unter den Nagel gerissen … Das historisch verbürgte, in der bevorstehenden Sonderausstellung „Störtebeker & Konsorten“ behandelte Ereignis lehre uns, dass Kaufleute auch Seeräuber waren, so Gehrken. Das Lutopia Orchestra, bestehend aus dem Ehepaar Antonia und Toni aus Ostholstein, verbreitete mit seiner originellen Mischung aus Blues, Rock und Polka einen besonderen Zauber auf der Dachterrasse.

Schlager und Popsongs in der Katharinenkirche

Währenddessen tobte im Inneren des Museums der „Comic-Battle“ zwischen den vier jungen Comic-Zeichnern Leni, Matze, Arne und Jana. Zum Thema „Helden“ und „Schurken“ mussten sie sich in verschiedenen Wettbewerbsrunden flink was einfallen lassen. Auch das Publikum durfte Vorschläge machen, und so fand unter anderem auch US-Präsident Donald Trump seinen Weg auf das Zeichenpapier – als Comicfigur sicher keine schlechte Wahl. Die idyllisch beleuchteten Innenhöfe und Gärten der Museen schufen eine entrückte Atmosphäre in dieser Sommernacht. In der farbig ausgeleuchteten Katharinenkirche sorgte die Grölgruppe des Theater Combinale mit dem gemeinsamen Singen von Schlagern und Popsongs für eines der Highlights des Abends. Nur wer vorab auf einen Blick in die Ausstellung von Doris Salcedo erhaschen wollte, die am Sonntag eröffnet, wurde eventuell enttäuscht – die Arbeiten der Possehl-Preisträgerin waren noch in großen Kisten verpackt. Dem Sommernachtstraum aber tat das keinen Abbruch.

Im LN-Liveticker können Sie die Museumsnacht nacherleben

Von Oda Oertel, Sabine Spatzek und Schabnam Tafazoli