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Kultur im Norden Ein langweiliger „Don Giovanni“
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17:18 11.05.2019
Eine Oper mit Comedy und Slapstick-Einlagen – das Publikum schien von der neuen „Don Giovanni“- Inszenierung am Lübecker Theater wenig angetan. Quelle: Olaf Malzahn
Lübeck

 An Mozarts „Don Giovanni“ sind schon viele Regisseure gescheitert. Es erfordert viel handwerkliches Geschick, um die komplexen Charaktere glaubhaft und im Einklang mit der Musik auf die Bühne zu bringen. Und es erfordert tiefes Verständnis für die Verzahnungen von Text und Musik, um an dieser Oper nicht zu scheitern. Martina Veh, deren Inszenierung am Freitag Premiere am Theater Lübeck hatte, mangelt es an diesem Verständnis.

Dieser Inszenierung mangelt es an vielen Aspekten, die „Don Giovanni“ so reizvoll machen. Martina Veh wollte die Geschichte des Frauenhelden und Abenteurers aus Sicht der Frauen erzählen – sagte sie zumindest im Vorgespräch. Aber gerade die Frauengestalten blieben äußerst blass. Selten aber hat man derart überhöhte männliche Protagonisten erlebt. Aus dem eigentlich recht einfältig beschriebenen Don Ottavio macht sie einen Action-Helden, Leporello darf in den Fußstapfen seines Herrn wandeln – das ist gegen den Gehalt von Partitur und Libretto inszeniert.

Unsinnige Handlung

Martina Veh, so sagte sie zumindest, wollte „Don Giovanni“ auch nicht umschreiben – sie tat es dennoch. Denn nicht der Hallodri bringt den Komtur um, sondern dessen eigene Tochter Donna Anna. Konflikte zwischen Vater und Tochter sind zwar keine Seltenheit, weder im richtigen Leben noch in der Oper. Aber Don Giovannis schreckliches Ende ist untrennbar verbunden mit der Ermordung des Komturs.

Wenn die Regisseurin wenigstens eine ernst zu nehmende Begründung für diesen Handlungswechsel geliefert hätte, könnte man mit dieser Volte leben. Aber wie so häufig in dieser Inszenierung bleibt auch dieser Gedanke ohne Folgen. Nichts wird stringent weiter verfolgt, alle Spuren führen ins Nichts der Belanglosigkeit.

Dabei hat die Grundidee, die Handlung in einer psychiatrischen Klinik spielen zu lassen, etwas für sich. Alle Akteure sind gefangen, in ihren Zwängen und Wünschen, in ihren Leidenschaften und ihren Ängsten. Das kann man mit einer überdimensionalen Gummizelle gut bebildern (Bühne: Momme Hinrichs). Aber auch die Klinik-Idee bleibt Stückwerk, sie wird nicht ernsthaft weiterverfolgt.

Musikalisch hat dieser „Don Giovanni“ jedoch viel zu bieten. Quelle: Olaf Malzahn

Stattdessen versucht die Regisseurin, die Oper zurück in das zu verwandeln, was sie zu ihrer Entstehungszeit war, nämlich zu einer Komödie. Die Späße und Slapstick-Einlagen, die sie immer wieder einstreut, haben mit Komödie jedoch nicht viel zu tun.

Es ist billige Comedy, die nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass dieser „Don Giovanni“ über weite Strecken ganz einfach nur langweilig ist. Was auch an den nichtssagenden Kostümen von Julia Katharina Berndt liegt. Martina Veh vergibt fast alle Chancen, die Libretto und Partitur bieten, übrig bleibt ein Sammelsurium von Einfällen und Ansätzen, denen Konsequenz und Stringenz fehlen.

Tolle musikalische Darbietung

Musikalisch hat dieser „Don Giovanni“ jedoch viel zu bieten. Dirigent Andreas Wolf führte das Orchester in raschen Tempi durch die beiden Akte. Dass dabei die Bläser einige Male viel zu laut spielten, störte den guten Gesamteindruck kaum. Wolf begleitete die Sänger geschickt und einfühlsam, gab ihnen Raum zum Atmen.

Dass auf der Bühne krawalliert wurde, als zu Don Giovannis Ständchen eine zarte Gitarre aus dem

Orchestergraben erklang, ist nicht dem Dirigenten anzulasten.

Andrea Stadel als Zerlina setzte den stimmlichen Glanzpunkt des Abends. Sie sang die Partie des zwischen ihrem Verlobten und dem Groß-Verführer hin- und hergerissenen jungen Mädchens mit großem Engagement und Präzision. Darstellerisch war Andrea Stadel ebenso überzeugend. Emorfia Metaxaki (Donna Anna) klang im ersten Akt leicht indisponiert, steigerte sich aber im Verlauf. Ein wenig gehemmt zu Beginn klang auch Wioletta Hebrowska als Donna Elvira, sie bot im zweiten Akt aber auch eine große Leistung.

Buh-Rufe für das Regie-Team

Johann Hyunbong Choi macht viel aus der Titelpartie. Er war ein lässiger Don Giovanni mit sicher geführter Stimme, dem man den Verführer durchaus abnahm. Alexander James Edwards als Don Ottavio sang eher zurückhaltend, Taras Konoshchenko als Leporello sang und spielte, dass es eine reine Freude war. Mario Klein als Masetto und der kurzfristig eingesprungene Szymon Chojnacki als Komtur gestalteten ihre Rollen vorzüglich. Der von Jan-Michael Krüger einstudierte Chor agierte spielfreudig, wie man es von ihm gewohnt ist.

Am Ende gab es großen Applaus für Sängerinnen, Sänger und den Dirigenten. Das Regie-Team um Maria Veh wurde heftig ausgebuht – eine verständliche Reaktion des Publikums. Und was bleibt von diesem „Don Giovanni“? Die Erkenntnis, dass auch eine unausgegorene Inszenierung Mozart nicht zerstören kann.

Weitere Termine in dieser Spielzeit: Sonntag, 19. Mai, 16 Uhr; Freitag, 31. Mai, 19.30 Uhr; Sonntag, 2. Juni, 19.30 Uhr; Donnerstag, 20. Juni, 19.30 Uhr Tickets: Theaterkasse 0451/399600

Von Jürgen Feldhoff

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