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Kultur im Norden Eine „Liebesgabe“
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18:09 20.12.2018
Museumsleiterin Dagmar Täube zeigt die „Liebesgabe“ von Hans Kemmer, entstanden wahrscheinlich um 1530. Das Werk, das nun im St Annen-Museum zu sehen ist, war eine Auftragsarbeit des Lübecker Kaufmanns Johann Wigerinck. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Mit der „Liebesgabe“ kehrt eine Auftragsarbeit des Kaufmanns Johann Wigerinck, in London bei Sotheby’s ersteigert für einen sechsstelligen Betrag, zurück in die Hansestadt. Damit ist nun das siebte von 27 bisher bekannten Werken des Lübecker Malers Hans Kemmer im St. Annen-Museum zu sehen.

„Für uns ist das wie ein Sechser im Lotto“, sagt Museumsleiterin und Mittelalterexpertin Dagmar Täube. „Das ist ein schönes Weihnachtsgeschenk für die Lübecker. Sie müssten aber auch kommen, um es zu sehen.“ Das um 1530 entstandene Bild sei gewissermaßen heimgekehrt. Ermöglicht wurde dies dank der testamentarisch verfügten Spende von Georg Bartsch. Der Preis für das kostbare Kleinod entsprach laut dem Leiter der Lübecker Museen Dr. Hans Wisskirchen dem unteren Bereich des Schätzwertes von 200 000 bis 300 000 englischen Pfund (222 000 bis 333 000 Euro).

Das Gemälde zeigt ein Paar, das sich unter einem Baum niedergelassen hat, der Mann bietet der Frau einen Ring an: die „Liebesgabe“. Als Kontrast zu sonst üblichen Verlöbnisbildern dieser Zeit, hat sich der Lübecker Kaufmann Johann Wigerinck von Hans Kemmer in dieser romantischen Szene malen lassen, inszeniert in einer idyllischen Landschaft mit einer Burg und einem Pferd im Hintergrund. Er übergibt den Ring wahrscheinlich an seine spätere zweite Ehefrau Agneta, Tochter des Ratsherrn Johann Kercking.

Die Freude über das mittelalterliche Werk mit Renaissance-Anklängen hat gleich mehrere Gründe: Zum einen ist das Museum das einzige Haus, das mit nun sieben Werken über eine so große Sammlung des wahrscheinlich um 1495 in Lübeck geborenen Malers verfügt. Das Bild sei eine „hervorragende Ergänzung“, erklärte Täube, zumal es sich in einem sehr guten Zustand befinde. Das weltliche Motiv mit der romantischen Szene – „fast wie eine Theaterkulisse“ – bilde einen Gegenpol zu den Schnitzaltären. Damit ermögliche es eine ganzheitliche Sicht auf das Mittelalter.

Vor allem aber stehe es in einem Geflecht von Beziehungen zu Lübeck. „Es gibt viele spannende Fäden, die sich mit dem Bild verknüpfen“, sagt die Museumsleiterin; immerhin habe Kemmer hier gelebt und gearbeitet. Seinen Auftraggeber Johann Wigerinck, der als Kaufmann über Handelsbeziehungen bis zum Hause Fugger verfügte, kann man auch in Kemmers Arbeit „Christus und die Ehebrecherin“ entdecken, als Johannes, der Lieblingsjünger Jesus’. Er wurde zudem von Jacob van Utrecht porträtiert, der wie Wigerinck zur Leonhardsbruderschaft gehörte. Wigerinck hatte als Mitglied des 64er Ausschusses 1530 die Einführung der Reformation in Lübeck mit durchgesetzt. Für viele Maler hatte das zunächst eine wirtschaftliche Krise zur Folge, immerhin fielen Themen wie die Heiligenverehrung nun weg. Hans Kemmer nutzte wie viele seiner Kollegen die Möglichkeit, eine Malerwitwe heiraten, um eine Werkstatt zu erlangen und profitierte offensichtlich von privaten Aufträgen. So habe er sich einen großen Hausstand an der Königstraße leisten können; „in bester Wohnlage“, wie Dr. Dagmar Täube betonte.

Vor dem Erwerb der „Liebesgabe“ hatte Kemmer-Kenner Christoph Emmendörfer das Bild begutachtet und sieht es als eigenständiges Werk Hans Kemmers an. Farbgebung und Figurentypen, heißt es von Seiten des Museums, könnten auf dessen Gesellenjahre bei Lucas Cranach hinweisen. Gelegenheiten zu solchen Käufen seien sehr selten, betonte Dr. Hans Wißkirchen. Aus dem Nachlass von Georg Bartsch stünde noch Geld zur Verfügung, daher hoffe er auf weitere bedeutende Funde. Das Team spiele vage mit dem Gedanken, eine Ausstellung zu Hans Kemmer zusammenzustellen, „aber das ist keine einfache Sache“.

Zunächst stünde dem Museum etwas anderes Neues ins Haus, kündigte Wisskirchen als Überraschung an und deutete auf den verschlossenen Türbogen im Gröninger Altar-Raum: „Diese Tür wird am 18. Januar geöffnet.“

Margitta True

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