Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Eine Reise zum Planeten Tschechow
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Eine Reise zum Planeten Tschechow
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:27 13.03.2013
Von Liliane Jolitz
Klaus Hemmerle Quelle: hfr
Lübeck

Das Theater sei eine Zeitmaschine, sagt Klaus Hemmerle, „erfunden, um am Zeitrad zu drehen“. Die Zeit spielt auch eine wichtige Rolle in dem Stück, das der Regisseur am Theater Lübeck inszeniert: Anton TschechowsOnkel Wanja“. Darin geht es um vertane Zeit, um vergeudete Zeit und um die Zeit, die einem bleibt.

Anton Tschechow, 1860 geboren, schrieb das Stück um das Jahr 1896 herum. Zeit sei für ihn besonders bedeutsam gewesen, sagt Hemmerle. Denn als „Onkel Wanja“ entstand, habe der tuberkulosekranke Autor bereits gewusst, dass er kein langes Leben haben werde. Tschechow starb im Alter von 44 Jahren in Badenweiler.

Onkel Wanja“ spielt in einer Umgebung, die ihm sehr vertraut ist: auf einem Landgut in Russland. Das Gut wird von Sonja und ihrem Onkel Wanja (verkörpert von Varia Linnéa Sjöström und Thomas Schreyer) aufopferungsvoll bewirtschaftet. Ihr Leben verläuft geregelt und vorhersehbar, bis Besuch eintrifft. Professor Serebrjakow (Sven Simon) und seine junge Ehefrau Elena (Ingrid Noemi Stein) können sich das Leben in der Stadt nicht mehr leisten und lassen sich deshalb auf dem Gut nieder, das einst der ersten Ehefrau des Gelehrten gehört hat. In dem unterhaltsamen Stück ringen die Protagonisten schwer mit ihrer Langeweile, der Suche nach Sinn, und mit dem Streben nach Liebe. Außerdem geht es um Umwelt- und Naturschutz, auch um Profitstreben. Um existentielle Dinge also, die zeitlos und weder an einen Ort noch an eine Zeit gebunden sind. „Es gibt einen Planeten Tschechow. Auf den muss man sich begeben“, sagt der Regisseur.

Er hat das Stück in die Gegenwart geholt. Die Kleidung, die Sprache der Protagonisten, die Musik stammen aus dem Hier und Jetzt. Vieles andere aber bleibt vage und unbestimmt. Das Stück vertrage nicht alle möglichen Ideen, die man haben könne, sagt der Regisseur.

Für Hemmerle ist „Onkel Wanja“ eine Provokation. Mit dem Stück will er dem Publikum die Frage stellen, ob es glücklich sei. Wer aber eine Anleitung oder zumindest Anregung sucht, wie ein besseres Leben möglich ist, wird sie hier nicht finden. Tschechow, Arzt von Beruf, nehme den Standpunkt des Diagnostikers ein, sagt Hemmerle: „Aber er gibt keine Antworten.“

„Premiere: Freitag, 15. März, 20 Uhr, Kammerspiele

liz

Sven Simon feiert sein 30-jähriges Jubiläum am Theater Lübeck. Noch immer ist Schauspieler sein Traumberuf.

Jürgen Feldhoff 13.03.2013

Die stimmgewaltige Schottin wurde bei ihrem Tourauftakt frenetisch gefeiert.

13.03.2013

Das schleswig-holsteinische Landestheater punktet mit Goethes selten gespielter Utopie „Stella“.

11.03.2013