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Kultur im Norden Im festen Griff der Grooves
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17:25 03.06.2019
Turkish Psych Folk aus Amsterdam: Das sechs-köpfige Ensemble Altin Gün mit fröhlicher Funk-Fusion auf der Bühne am Helgen. Quelle: Foto: jazzarchiv
Hamburg

Discokugeln hängen an den riesigen Blohm+Voss-Kränen, Durchmesser: locker ein Meter. Pendeln sanft im warmen Spätfrühlingswind. Der Standort ist trefflich gewählt, denn die Bühne Am Helgen ist so was wie die Groove-Box des neunten Elbjazz-Festivals, das am Wochenende rund 30.000 Besucher zum Hamburger Hafen pilgern ließ.

Ein Meister des Grooves ist zweifellos Manu Katché. Der weltbekannte Drummer aus Paris, der mit seiner Virtuosität und seinem Einfühlungsvermögen Alben von Peter Gabriel, Sting, Dire Straits oder Jan Gabarek veredelt hat, schöpft am Sonnabend beim Elbjazz ausschließlich aus seinem aktuellen Album The Scope. Polyrhythmisch flottiert er mit seinem Quartett zwischen Latin-Jazz, Jazz-Rock, Acid-Jazz, Blues, Funk, Dub und Techno. Und weil Katché „très sympathique“ ist, kriegt er die üppig herbeigeströmte Menge sogar zum Mitsingen.

Sonniger Mix aus Funk, Rock und türkischer Volksmusik

Klassischen Soul liefern dort am späten Abend J. P. Bimeni & The Black Belts. Bimeni, der aus der Königsfamilie von Burundi stammt und als 15-Jähriger wegen des Bürgerkriegs nach Großbritannien flüchtete. Sein bewegtes Leben packt der 41-jährige Newcomer in die emotionalen Deep-Soul-Songs seines Debütalbums, singt mit kraftvoller Stimme fordernd funky Free Me, barmt in der Ballade I Miss You oder covert mit seiner starken Band forsch den Klassiker Keep On Runnin’ von Spencer Davis Group. Und weil Bimeni auch noch ein talentierter Showman ist, bringt er sein Publikum heftig in Wallung.

Am Tag zuvor hatte Altin Gün hier die Besucher tanzen lassen. Erst 2018 hat die niederländisch-indonesisch-türkische Band aus Amsterdam ihr Debütalbum „On“ veröffentlicht, und ihr Name, der Goldene Sonne bedeutet, ist Programm: Der sonnige Mix aus Funk, Rock und türkischer Volksmusik macht gute Laune und fährt in die Beine. Die Klangfunken dieser fröhlichen Funk-Fusion flogen bis in die benachbarte Schiffbauhalle, wo unterdessen das Jazzquartett ADHD aus Island aufhorchen ließ.

Songs, die aufblühen wie ein Feuerwerk am Nachthimmel

Die ungewöhnliche Formation mit den Brüdern Oskar und Omar Guojonsson an Saxofon und E-Gitarre entwickelte mit ihrem hypnotischen Sound eine fesselnde Magie. Die vier Musiker ließen ihre Songs aufblühen wie ein Feuerwerk in Slow Motion den Nachthimmel, wechselten Stimmung, Farbe, Rhythmus und spannen ihr Auditorium in ein meisterlich verknüpftes Klanggewebe ein, dem keiner entkam, der die Schiffbauhalle betreten hatte.

Es zählt seit jeher zu den Stärken des Elbjazz-Festivals, dass auf Genregrenzen nichts gegeben, sondern viel mehr auf die Klasse der Acts geachtet wird. Newcomer wie der Lübecker Bandleader und Trompeter Michel Schröder mit seinem Large Ensemble lassen auf der Bühne für die Young Talents vor der Elbphilharmonie aufhorchen. Die Besucher pendeln – groß ist die Qual der Wahl – zwischen dem Gelände von Blohm+Voss und dem anderen Elbufer mit Shuttlebussen, Elbfähre und zu Fuß durch den Alten Elbtunnel.

Und während am Sonnabend Randy Brecker mit der NRD Bigband, Sophie Hunger und Tower of Power auf der Hauptbühne das Publikum wie Magneten anziehen, begeistern drüben, in der Elbphilharmonie, Weltklasse-Pianist Jason Moran, das Julia Hülsmann Quintet mit Beatles Songs; und der 90-jährige Saxofonist Benny Golson entfacht mit seinem Quartet einen regelrechten Begeisterungssturm: Elbjazz 2019 mit einem furiosen Finale.

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