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Kultur im Norden Emeli Sandé auf Seelenfang
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08:27 13.03.2013
Emeli Sandé in der Großen Freiheit 36. Quelle: Imago
Hamburg

„Do you recognize me? — erkennst du mich?“, erkundigt sich Emeli Sandé in der Eingangszeile von „Heaven“, dem Opener ihres ausverkauften Konzerts in der Großen Freiheit 36. Eine Frage rhetorischer Natur, möchte man meinen, wenn man den frenetisch aufbrandenden Jubel im berühmten Kiezclub vernimmt. Einen Tag nach ihrem 26. Geburtstag startet die Schottin mit den platinblonden, ondulierten Haaren ihre Deutschlandtour in der Hansestadt und wird gefeiert wie eine der ganz Großen.

Erst seit 2009 ist die Tochter einer Engländerin und eines Einwanderers aus Sambia offiziell im Musikgeschäft. Das Anfang 2012 erschienene, gerade in erweiterter Version neu veröffentlichte Debüt „Our Version of Events“ ist das einzige Album, auf das die charismatische Sängerin zurückgreifen kann. Dass die zweifache Gewinnerin des Brit Awards dennoch wie ein alter Hase im Showgeschäft wirkt, liegt nicht nur an der großen Musikalität, sondern auch am unprätentiösen Auftritt der Sängerin, deren Stimme irgendwo zwischen Aretha Franklin, Tina Turner und Joss Stone angesiedelt ist.

Die Schottin schrieb ihren ersten Song im Alter von elf Jahren, studierte aber zunächst einige Semester Medizin, bevor die BBC durch einen Nachwuchswettbewerb auf sie aufmerksam wurde. Vor dem weltweiten Durchbruch schrieb Sandé Songs für Cheryl Cole und Tinie Tempah, tourte mit Alicia Keys und arbeitete mit Rappern wie Chipmunk und Professor Green zusammen — letzterer hatte mit der Urversion von „Read all about it“ eine Nummer-eins-Single.

Fast ein wenig züchtig und hochgeschlossen und wie ein Relikt der Motown Ära wirkt die Sängerin, als sie in weißer Bluse und im schwarzen Rock auf der Bühne steht. Mit strahlendem Lächeln wünscht sie allen eine wunderschöne Zeit mit ihren Songs zwischen balladeskem Soul („Clown“), beschwingtem Pop ( „Next to me“), Trip Hop „Heaven“, „Daddy“) und einer Prise Calypso.

Zugegeben, sie mögen ein wenig platitüdenhaft wirken, die Heile- Welt-Botschaften von den wundervollen, in uns allen wohnenden Seelen, vom kleinen Mann, der seine Stimme erheben möge, vom ersehnten Blick hinter die äußere Fassade des Menschen, dem Bedürfnis nach ein wenig Wärme. Gut gemachter Pop hingegen war immer ein steter Quell kitsch-affiner Botschaften. Wenn er so handgemacht und aufrichtig rüberkommt wie bei der stimmgewaltigen 26-Jährigen, sollte man sich nicht beklagen. Immer wieder präsentiert Sandé, die auf ihren Rufnamen „Adele“ als Künstlernamen verzichtete, um der Verwechslungsgefahr mit der gleichnamigen Kollegin zu entgehen, spezielle Akustikversionen ihrer Songs zwecks besserem Textverständnis. „Break the law“ ist eine Botschaft an die Schwester, „Suitcase“

ein fragiles Kunstwerk über eine vom Liebhaber verlassene Frau.

Die seit Jahren mit einem Meeresbiologen liierte Chanteuse scheint derlei Herzschmerz zumindest derzeit nicht ausstehen zu müssen und wirkt mehr als ausgeglichen. Als dann „Read all about it“ ertönt, bekannt von der Abschlusszeremonie der Olympischen Spiele, kennt die kollektive Euphorie keine Grenzen. „Cause we‘re all wonderful, wonderful people“ — ach ja, warum eigentlich nicht.

Bösch

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