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Kultur im Norden Diese Frau kann zaubern
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18:13 20.12.2018
Emily Blunt als Mary Poppins in dem Film „Mary Poppins’ Rueckkehr". Quelle: Disney Enterprises
Berlin

Der Satz „Ich bin nur noch eine Magengrippe von meinem Idealgewicht entfernt“ ist dank ihr Kult. Die Britin Emily Blunt hat in ihrer Turbo-Karriere schon Actionstreifen mit Tom Cruise oder Bruce Willis gedreht oder auch souverän die Queen in „Young Victoria“ gespielt. Und natürlich die herrlich zickige Assistentin von Meryl Streep in „Der Teufel trägt Prada“. Die 35-Jährige ist eine der coolsten und bei allem Erfolg auch entspanntesten Frauen in Hollywood. Nichts scheint sie zu schrecken oder zu schwer zu sein – nicht mal sich an die Fortsetzung eines Welt-Klassikers wie „Mary Poppins“ zu wagen.

Emily, gibt es bei Ihnen zuhause ein Kindermädchen?

Aber sicher, wie sollte ich denn sonst um die Welt reisen, um Interviews zu geben? Natürlich! Ich kann meine beiden Töchter ja schlecht alleine zuhause lassen. Mein Kindermädchen ist ganz zauberhaft. Sie braucht sich keine Sorgen machen, dass ich sie bald ersetze, nur weil nicht ganz so wie Mary Poppins ist.

Finden Sie Kindererziehung schwierig?

Das kann schon kompliziert sein. Das Ziel der Erziehung sollte ja immer sein, Kinder zu großen, eigenständigen Denkern zu erziehen. Denn Kinder mit guten Ideen werden tolle Erwachsene.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Ihnen diese ikonische Rolle angeboten wurde? Waren Sie zu dem Zeitpunkt nicht schwanger?

Noch nicht, aber mein Mann und ich haben daran gearbeitet. Ich habe gehofft, bald ein zweites Kind zu bekommen. Also musste ich Regisseur Rob Marshall gleich in unsere Familienplanung einweihen. Das war ziemlich komisch: Er rief an, bot mir die Rolle an und ich sagte sofort „Natürlich will ich die Rolle! Aber vermutlich bin ich bald schwanger!“ Er hat sehr süß reagiert und mir erklärt, dass ich noch anderthalb Jahre bis zum Dreh hätte, weil bei Musicals alles sehr lang dauert. Ich meinte nur: „Ach, das reicht dicke, um zwischendurch schnell mal ein Kind in die Welt zu setzen!“

Hatte der Klassiker mit Julie Andrews für Sie eine besondere Bedeutung?

Ja, es war einer der ersten Filme, die ich als Kind gesehen habe. So geht es sicher vielen! Ich habe ihn geliebt, denn ich habe mich mit Mary Poppins immer so sicher gefühlt. Das lag an ihrer Disziplin und Leichtigkeit, mit der sie alle Probleme löste. „Mit Mary wird am Ende alles gut, weil sie alles im Griff hat“ – an dieses sichere Gefühl in meiner Kindheit kann ich mich noch gut erinnern.

„Mary Poppins’ Rückkehr“

1964begeisterte Julie Andrews als exaltiertes Kindermädchen „Mary Poppins“ die Zuschauer. Nun kommt die Fortsetzung ins Kino. In „Mary Poppins’ Rückkehr“ ist Emily Blunt „das Mädchen, das solid/die Brut erzieht“, wie Mr. Banks im Musicalklassiker hoffte.

Die Fortsetzung nimmt die Fäden des Originals wieder auf. Wenn Mary Poppins erneut einfliegt – mit Hilfe des Drachens aus dem Vorgängerfilm –, lautet ihr Ziel immer noch, „die Banks-Kinder zu versorgen“. Der groß gewordene Michael ist zwar viel netter als sein Erzeuger, aber als verantwortungsvoller Vater eine unfreiwillig jämmerliche Figur . . .

Hatten Sie Respekt davor, die Rolle zu übernehmen, die Sie selbst mit Julie Andrews assoziieren?

Absolut, wahnsinnige Angst! Die Vorstellung Mary Poppins zu geben hat mich anfangs ziemlich überfordert. Ich wusste nicht, wie ich ihr eine eigene Note verleihen soll. Ich wollte etwas Besonderes schaffen, aber auch nicht das Publikum verärgern. Das hat mich einige schlaflose Nächte gekostet! Was mir bei der Suche half, war, die alten Bücher zu lesen. Die Geschichten in den acht Kinderbüchern von P.L.Travers haben mich inspiriert, die meisten sind unbekannt und waren eine gute Quelle für Entscheidungen, die ich während des Drehs treffen musste. In den Büchern wird Mary als exzentrisch, eitel und witzig beschrieben. Damit konnte ich meine Figur würzen.

War es je eine Option, die Rolle vielleicht lieber abzulehnen?

Nein, keine Sekunde. So eine Chance bekommt man nur einmal im Leben! Kaum habe ich den Namen Mary Poppins gehört, habe ich schon ja gesagt. Natürlich hatte ich eine Heidenangst, aber ich hätte niemals das Angebot ausgeschlagen.

Ihr Ehemann hat angeblich geweint, als der den Film sah …

Das klingt, als sei mein Mann eine Memme. Dabei hat jeder, der den Film gesehen hat, geweint! Wenn Mary Poppins durch die Wolken auf die Erde schwebt, kommen den größten Zynikern die Tränen!

Durften Ihre Kinder den Film sehen?

Ja, meine ältere Tochter Hazel hat den Film geliebt. Die Kleine, Violet, ist erst zwei, die hat ihn natürlich nicht gesehen. Sie sah aber den Trailer und war dann schon bedient. (lacht)

Wie reagieren Ihre Kinder darauf, Sie und Ihren Mann John Krasinski generell in Filmen zu sehen?

Es ist total normal für sie, dass Mama und Papa im Fernseher ist. Wir machen aber auch keine große Sache daraus, dass wir Schauspieler sind. Wir erklären den Mädchen, was die Eltern ihrer Freundinnen machen und dann sagen wir, dass wir halt in Filmen mitspielen. Das finden sie nicht besonders interessant.

Momentan sind Sie für viele Filmpreise im Gespräch, für den Screen Actors Guild-Award wurden Sie sogar doppelt nominiert, für „Mary Poppins’ Rückkehr“ und „A Quiet Place“. Haben Sie die Zeit, diesen Erfolg auch zu feiern?

Sicher, ich habe mit einem Gläschen Tequila darauf angestoßen. Ich liebe Tequila!

Sie machen den Eindruck, als seien Sie jederzeit bereit, von einem Dach oder aus einem Helikopter zu springen. Für Action-Filme mit Tom Cruise oder Bruce Willis haben Sie sich schon auf einiges eingelassen. Sind Sie so hartgesotten und furchtlos?

Schon. Ich fürchte mich wirklich nicht so schnell. Dabei war ich als Kind war ich sogar ein totaler Schisser! Ich fürchtete mich vor Bienen, vor frisch gemähtem Gras auf meinen Füßen, vor Luftballons und sogar dem Weihnachtsmann. Und jetzt springe ich von Hochhäusern und mache die verrücktesten Stunts. Auch hier wurde mir ja so einiges abverlangt. Das ist schon absurd, dass so ein Angsthase wie ich heute das genaue Gegenteil geworden ist. Heute kann es mir heute gar nicht wild genug werden.

Was machte Sie zur Draufgängerin?

Wahrscheinlich, dass ich mit der Schauspielerei angefangen habe. Denn die erfordert schon eine gewisse Rücksichtslosigkeit sich selbst gegenüber, aus Hingabe an den Job.

Vier Monate nach der Geburt Ihres ersten Kindes standen Sie schon für„Sicario“ vor der Kamera und mimten eine Agentin im Drogenkrieg. Hat die Anforderung dieser Rolle Sie nie abgeschreckt?

Die spannende Figur hat das wettgemacht. Und gerade weil ich zu der Zeit Mutter geworden war, hatte ich eine Ahnung, wie taff und entschlossen eine Mutter sein kann, wenn sie ihre Brut in Gefahr weiß. Mir selbst hat es übrigens sehr gut getan, vier Monate nach der Geburt aus meinem Mutter-Modus herausgerissen zu werden und mich auf etwas völlig anderes einzulassen. Das war eine spannende Abwechslung!

Nehmen Sie belastende Rollen mit nach Hause?

Nein, mir fällt es sehr leicht, eine Figur loszuwerden. Alles andere fände ich auch leicht albern.

Was war das Unerlaubteste, was Sie sich je geleistet haben?

Ich hätte da eine wahre und eine unschuldige Variante anzubieten. Aber die wahre behalte ich wohl besser für mich… Also: Meine ältere Schwester hat mich, als wir noch Kinder waren, gerne dazu angestiftet, Verbotenes zu tun. Ihretwegen geriet ich immer wieder in Schwierigkeiten. Einmal hat sie mich aufgefordert, im Garten-Center eine Tüte Samen zu stehlen. Das ist das Illegalste, was ich je getan habe!

Samenraub?

(lacht los) Nennen Sie es bitte nicht so! Das könnte für völlig neue Verwicklungen sorgen!

Wurden Sie erwischt?

Meine Mutter befahl mir, die Beute zurückzubringen und mich für den Diebstahl zu entschuldigen.

Wie ist es für eine „English Rose“ aus London, jetzt in Los Angeles zu leben?

Kompliziert! Mich verbindet eine Hassliebe mit dieser Stadt. Ich hasse es, dass ein Industriezweig die ganze Stadt beherrscht, dass an jeder Straßenecke riesige Tafeln Filmestarts und Box-Office-Erfolge in die Welt schreien. Diese Stadt ist auch so kulturlos! Ich komme nun mal aus London, da ist man mehr gewohnt als hier und da ein paar Galerien! Andrerseits liebe ich auch das sonnige Wetter und meine Freunde dort.

Sie haben einen ziemlich spektakulären Freundeskreis, die Golden Gang von Hollywood: die Clooneys, in deren italienischer Villa sie geheiratet haben, Matt und Luciana Damon, außerdem hat Ihre Schwester Felicity Ihren Kollegen Stanley Tucci geheiratet. Wie bereichern die Menschen hinter den großen Namen Sie?

Ich bin mit ihnen befreundet, weil hinter diesen Namen wertvolle Menschen stecken. Ich schätze sie, wie sie wirklich sind, jenseits des Ruhms und jenseits dessen, was man von ihnen annimmt. Wenn du mit ihnen zusammen bist, ohne dass eine Kamera in der Nähe ist, lernst du die Menschen erst richtig kennen. Wir haben aber auch viele Freunde, die gar nichts mit der Filmindustrie zu tun haben, die uns genau so bereichern.

Wie werden Sie und Ihre Familie Weihnachten feiern?

Für uns wird es diese Jahr ein sehr intimes, kleines Fest. Ich koche selbst, und wahrscheinlich verbringen wir die ganze Zeit in Jogginghosen. (lacht) Darauf freue ich mich schon ganz besonders!

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