Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Entenhausen in Eutin
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Entenhausen in Eutin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:40 24.08.2018
Ina Brockmann ist die Kuratorin der Ausstellung im Ostholstein-Museum. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Eutin

Es gibt Comic-Charaktere, die unsterblich geworden sind. Dazu gehören vor allem die Bewohner von Entenhausen, die dem Disney-Konzern Milliarden einbrachten. Die Ausstellung in Eutin widmet sich den großen Zeichnern, die Micky Maus, Donald und Dagobert Duck, Goofy, Gustav Gans und Gundel Gaukeley geschaffen haben. Der Entstehungsprozess von der Entwurfszeichnung bis zum fertigen Produkt wird minutiös dokumentiert.

Zu sehen sind zahlreiche Original-Bleistiftzeichnungen und Tusch-Arbeiten von legendären Größen wie Carl Barks (1901-2000), Floyd Gottfredson (1905-1986) und Al Taliaferro (1905-1969). Gottfredson war der berühmteste Mauszeichner, der Micky Maus und seine Sippe seit den 1930er Jahren auf die Zeitungsseiten brachte. Donald Duck, der ewige Unglücks-Erpel, ist eine Erfindung von Al Taliaferro, Carl Barks schließlich erschuf das Universum von Entenhausen und seinen leicht schrägen Bewohnern wie Daniel Düsentrieb und Gustav Gans.

Die Ausstellung dokumentiert vorzüglich, wie sich die Disney-Welt aus kleinsten Anfängen heraus entwickelt. Sehr gut nachzuvollziehen ist auch die eigene Handschrift der Künstler. Neben den drei Altmeistern widmet sich die Eutiner Schau auch zwei deutschen Könnern, die seit Jahren für Disney arbeiten. Jan Gulbransson und Ulrich Schröder haben ihre Comic-Figuren weiterentwickelt und ganz behutsam modernisiert – die Zeitumstände spielen in den Geschichten aus Entenhausen ja immer eine Rolle. Im Vergleich wird deutlich, wie stark sich die Charaktere im Laufe der Jahrzehnte verändert haben. Zum Beispiel Donalds drei Neffen Tick, Trick und Track: Sie sollten zunächst nur einen Kurzauftritt haben und schnell wieder verschwinden. Ihr kurzer Aufenthalt in Entenhausen aber lief völlig aus dem Ruder, die drei Brüder waren dabei, die halbe Stadt auf den Kopf zu stellen. Erst nach einer monatelangen Pause, in der die Charaktereigenschaften der Nachwuchs-Enten neu festgelegt wurden, durften sie wieder nach Entenhausen kommen – dort sind sie immer noch tätig.

Begleitprogramm

Die Ausstellung „Besuch aus Entenhausen“ ist bis zum 11. November zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 – 17 Uhr, ab 1. Oktober Dienstag bis Freitag 14 – 17 Uhr, am Wochenende 11 – 17 Uhr. Neben Führungen bietet das Ostholstein-Museum am 30. August (18 Uhr), 27. September (18 Uhr) und am 3. November einen Vortrag von Esther Dörrhöfer zum Thema „Krach, bumm, bäng – Comics als Literaturform“ an. Susanne Luber spricht am 20. September über Sprache und Alltag in Donald-Duck-Geschichten der Fünfziger Jahre.

Weitere Termine finden Sie im Internet unter www.oh-museum.de

Erstaunlich ist, dass alle fünf Zeichner, deren Werke in Eutin zu sehen sind, niemals eine Kunsthochschule von innen gesehen haben, alle sind Autodidakten. Schon Walt Disney engagierte am liebsten junge Zeichner, die gerade die Highschool abgeschlossen hatten. Die jungen Leute verlangten kein hohes Gehalt und waren mit den Bedingungen einverstanden, die Walt Disney vorschrieb. Carl Barks aber hatte 1942 genug davon und kündigte bei Disney, weil er bei der Firma Western Publishing mehr künstlerische Freiheit hatte, um den Entenhausen-Kosmos weiter zu entwickeln.

Die in Eutin ausgestellten Blätter und Hefte stammen aus der Sammlung von Ina Brockmann und Peter Reichelt, Ina Brockmann ist auch Kuratorin der Schau. „Der Schwerpunkt liegt auf den künstlerischen Aspekten“, sagt die Kuratorin, die seit Jahrzehnten Disney-Originale sammelt. „Deshalb passt diese Schau auch in ein Museum.“ Ihre Sammlung zu vergrößern wird jedoch immer schwieriger: „Zu Zeiten der Altmeister lief jede Zeichnung unter dem Namen Walt Disney. Die Zeichner mussten sich verpflichten, kein einziges Blatt mit nach Hause zu nehmen, was sie zum Glück aber doch getan haben. Aber heute ist der Markt praktisch leergefegt, man kommt kaum noch an Originale heran.“

Ina Brockmann und Peter Reichelt haben die Ausstellung „Besuch aus Entenhausen“ zum ersten Mal vor 24 Jahren gezeigt, seitdem war sie in vielen deutschen Städten und im europäischen Ausland zu sehen. Die erfahrenen Ausstellungs-Macher haben so viele Stücke in ihrer Sammlung, dass sie die Schau auf verschiedene Weisen thematisch ausrichten können. Was in Eutin zu sehen ist, spricht wegen der kunstwissenschaftlichen Analysen vor allem ein erwachsenes Publikum an. „Kinder werden aber auch ihren Spaß an den Bildern haben“, meint dazu Museumsleiterin Julia Hümme. „Es wird sicherlich interessant, wie Eltern ihren Kindern den Weg von der Bleistiftzeichnung zur fertigen Comic-Seite erklären.“

Die Ausstellung ist bis zum 11. November zu sehen.

Jürgen Feldhoff

Der Komponist, Dirigent und Pianist Leonard Bernstein wäre heute 100 Jahre alt geworden. Er gehörte zu den größten Musikerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts und gründete das SHMF mit.

24.08.2018

Mehr als vier Jahrzehnte tourt Roland Kaiser nun schon durchs Musikgeschäft, seine Alben verkauften sich über 90 Millionen Mal, und immer noch gilt: Wenn der Kaiser kommt, sind die Arenen voll. Im Interview spricht der 66-Jährige über seine Karriere, Mick Jagger und warum er auf Lübeck fliegt.

24.08.2018
Kultur im Norden Straßenkunst in Lübeck - Street-Art auf Asphalt

Manchmal liegt die Kunst auf der Straße. Man muss nur genau hinsehen. Unser Autor hat sich Stellen angesehen, bei denen Risse im Asphalt mit Teer geflickt wurden - und findet eine ganz eigene Schönheit in den bizarren Strukturen.

24.08.2018