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Kultur im Norden Erotische Picasso-Zeichnungen in Kiel
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17:20 26.03.2019
„Ruhender Bildhauer I“: Radierung von Pablo Picasso vom 2. April 1933 aus der Sammlung Suite Vollard.
„Ruhender Bildhauer I“: Radierung von Pablo Picasso vom 2. April 1933 aus der Sammlung Suite Vollard. Quelle: Foto: hfr
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Kiel

1932: Pablo Picasso in der Midlife-Crisis. Einerseits versuchte der Maler, die Beziehung zu seiner Ehefrau Olga und ihrem elfjährigen Sohn Paulo aufrechtzuerhalten – und andererseits war der 50-Jährige leidenschaftlich in die um 28 Jahre jüngere Marie-Thérèse Walter verliebt. Er hatte sie 1927 vor dem Pariser Kaufhaus Lafayette getroffen und angeblich mit den Worten angesprochen: „Mein Fräulein, Sie haben ein interessantes Gesicht. Ich möchte Sie malen, ich bin Picasso.“ Obwohl Marie-Thérèse den Künstler nicht kannte, stimmte sie dem Vorhaben zu – und wurde wenige Monate später seine Geliebte. In zahlreichen Gemälden hat der Maler sie in jenen Jahren verewigt, unter anderen in der Folge ‚Suite Vollard’, die nun erstmals in Kiel zu sehen ist.

Eines der Schlüsselwerke

„Die ‚Suite Vollard’ ist eines der Schlüsselwerkes Picassos“, sagt Anette Hüsch, Direktorin der Kunsthalle Kiel. Sie zeige die gesamte Vielfalt seines Schaffens: sein Verhältnis zur Weiblichkeit, seine Deutung der Kunstgeschichte und die Reflexion seines eigenen Schaffens.

Eng umschlungen auf dem Boden der Werkstatt

Die Ausstellung umfasst 100 Radierungen. Pablo Picasso (1881-1973) schuf sie zwischen 1930 und 1937 für den Kunsthändler und Grafikverleger Ambroise Vollard, nach dem Grafikreihe benannt wurde. Die sieben Jahres im Leben des Künstlers spiegeln sich in den Radierungen wider. Die Ausstellung zeigt sie chronologisch. Picasso hat seine Blätter lediglich datiert und ihnen keine Namen gegeben. Doch der Künstler gibt mit ihnen Einblicke in sein Atelier – immer wieder zeigen die Radierungen ihn und seine geliebte Marie-Thérèse Walter, eng umschlungen am Boden seiner Werkstatt, in der häufig eine wohl gerade geschaffene Skulptur steht.

Picasso bewundert die Antike

„Picasso zitiert sein eigenes Werk“, erläutert Ausstellungs-Kuratorin Annette Weisner. Darin spiegle sich seine Bewunderung der Antike wider – etwa in den Efeuranken in den Haaren seiner Geliebten, deren Gesicht ebenfalls dieser vergangenen Zeit entspricht. Auf der Radierung vom 18. Mai 1933 ist erstmals der Minothaurus zu sehen. Halb Stier, halb Mensch, steht die antike Gestalt für das alter ego Picassos. „Er ist auf der einen Seite friedlich und hilfsbefürftig, auf der anderen Seite voller Macht und Gewalt“, sagte die Kuratorin. Später bezeichnete Picasso jene Jahre übrigens als die „schlimmste Zeit“ seines Lebens und die Werke, die seine junge Geliebte in friedvollem Ambiente schlafend oder sitzend zeigen, als seine Lieblingsbilder.

Bezahlung in Form von Gemälden

„Die Suite Vollard“ ist eine Leihgabe des Kunstmuseums Pablo Picasso in Münster, einige der wenigen noch vollständigen Sammlungen, die 1939 in der Werkstatt von Roger Lacourié gedruckt wurden. Sie gelangten erst nach Kriegsausbruch in den Handel. Am Ende der Sammlung stehen drei Porträts vom Kunsthändler Ambroise Vollard. Picasso erhielt von ihm für seine Radierungen kein Geld, sondern Gemälde – einen Renoir und einen Cézanne.

Kunsthalle Kiel, Düsternbrooker Weg, bis 30. Juni. Di-So 10-18 Uhr, Mi 10-20

LN