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Kultur im Norden Wie im Märchen: „Pretty Woman“ auf der Bühne
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16:54 30.09.2019
Die Schöne und der Milliardär: Patricia Meeden als Vivian und Mark Seibert in der Rolle des Edward. Quelle: Morris Mac Matzen/Stage Entertainment/dpa
Hamburg

Die romantische Liebenskomödie „Pretty Woman“ von 1990 mit Richard Gere und Julia Roberts ist ein Filmklassiker. Als Musical hat es das moderne Cinderella-Märchen jetzt vom Broadway an die Elbe geschafft – und in Hamburg Europa-Premiere gefeiert. Rockstar Bryan Adams hat die Musik dazu geschrieben und ihm seinen eigenen Stempel aufgedrückt.

Weltweiter Erfolg

Der Filmwar einer der großen Kinoerfolge, nicht nur in Deutschland, wo er im Juli 1990 in die Kinos kam. 14 Millionen Dollar hat er gekostet, aber weltweit mehr als das 30-Fache eingespielt. Eine Fortsetzung scheiterte vor allem an den Bedenken von Julia Roberts. Sie drehte mit Richard Gere aber neun Jahre später die Komödie „Die Braut, die sich nicht traut“.

Karten für das Hamburger Musical kosten zwischen 49,90 und 129,90 Euro und sind auch in den LN-Geschäftsstellen erhältlich. Informationen:www.musicals.de

Zuerst ist da nur dieser berühmte „Hollywood“-Schriftzug, es ist das Eröffnungs-Bühnenbild von „Pretty Woman“ am Stage Theater an der Elbe, bevor das Musical losgeht und die Zuschauer auf den quirligen Hollywood-Boulevard mit seinen Leuchtreklamen entführt. „Welcome to Hollywood“ singen die Darsteller, und das ist wie eine Aufforderung: Hier ist Träumen erlaubt. Der Traum vom Ritter auf einem weißen Pferd, der die im Turm gefangene Prinzessin befreit: Er erfüllt sich ausgerechnet für die Straßenhure Vivian (Patricia Meeden), die in Overknee-Lackstiefeln täglich auf dem „Walk of Fame“ entlang stöckelt. Filmliebhaber haben noch die Kaugummi kauende Julia Roberts vor Augen, auch das Outfit ist das gleiche.

Gefährliche Nostalgie

Der Film ist fast eins zu eins von Regisseur und Choreograph Jerry Mitchell auf die Bühne gebracht worden. Filmregisseur Garry Marshall und sein Drehbuchautor von damals, J. F. Lawton, haben das Buch geschrieben. Was Filmfans nostalgisch werden lässt, ist aber auch eine Gefahr: Die beiden Hauptdarsteller setzen sich unweigerlich dem Vergleich mit ihren Originalen aus. Wer den Film gut kennt und mag, wird das kaum ausblenden können.

Patricia Meeden meistert diese Hürde hervorragend und bringt ihre ganz eigene Persönlichkeit in die Rolle ein. Sie ist grazil und herzerwärmend mit ihrem mädchenhaften Charme, dazu eine richtig gute Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin. Den Straßenstrich nimmt man ihr nicht ganz ab.

Freundin von der Meile

Deutlich schwerer hat es ihr Partner Mark Seibert als Milliardär Edward Lewis. Die Rolle als kühl-berechnender Geschäftsmann, der sich wider Willen verliebt und dank Vivian allmählich seine harte Schale abwirft, kann er nicht restlos überzeugend ausfüllen. Voll in ihrer Rolle auf geht dagegen Maricel als Vivians abgeklärte Freundin von der Meile, Kit de Luca. Sie ist auch stimmlich eine Wucht.

Insgesamt kann „Pretty Woman“ mit vielen Highlights und Überraschungen aufwarten, das Stück glänzt mit originellen Regie-Einfällen und einem mitreißenden Ensemble. Die mit viel Verve und Witz ausgeführten Tanznummern machen Spaß. Elegant switcht das Bühnenbild hin und her zwischen der Amüsiermeile und dem Nobelhotel, in dem Edward und Vivian eine gemeinsame Woche verleben.

Am besten sind die Szenen, in denen die Handlung in surreale Traumwelten gleitet: etwa Vivians Klamotten-Großeinkauf auf dem Rodeo Drive oder die Szene, in der der Hotelconcierge Mr. Thompson (sympathisch: Paul Kribbe) Vivian das Tanzen beibringen will, dabei völlig mitgerissen wird und mit dem Pagen Giulio Johnny Galeandro (dem heimlichen Star des Abends) über die Bühne wirbelt.

Das berühmte rote Kleid

in besonderer Höhepunkt ist die Opern-Szene. Patricia Meeden trägt das berühmte rote Abendkleid mit den langen weißen Handschuhen. Von der Loge aus sieht sie mit Edward zum ersten Mal „La Traviata“ und ist zu Tränen gerührt. Verdis tragisches Liebesdrama (stimmgewaltig als Violetta: Rachel Bahler) und die eigentliche Handlung verschmelzen, das ist berührend auf die Bühne gebracht.

Ein weiterer Wow-Moment: Anders als im Film setzt sich Vivian erfolgreich gegen den schmierig-anzüglichen Anwalt Philip Stuckey (überzeugend: Nigel Casey) zur Wehr und schlägt ihn zu Boden. Ein klares Statement der Autoren angesichts von „Me too“.

Musikalisch ist „Pretty Woman“ äußerst abwechslungsreich, rockige Nummern wechseln sich mit gefühlvollen Balladen ab. Die rockige Note ist ungewohnt für ein Musical, Bryan Adams sei Dank wirkt alles frisch und neu. Das Publikum feierte das Musical und zollte der insgesamt wunderbaren Leistung jubelnd Tribut.

Von Oda Rose-Oertel

Er setzt sich für den Genitiv ein und hat Millionen Bücher verkauft – und wenn er sich gerade nicht mit der deutschen Rechtschreibung beschäftigt, lässt der Autor es sich in seiner Heimat in Ostholstein gut gehen.

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