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Kultur im Norden Exotische Klang-Welten
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18:10 28.04.2018

Das Motto lautet in diesem Jahr „Fremde“. Ein Beitrag zur Integrationsdiskussion?

Auftakt mit Podiumsgespräch

Am Freitag, 4. Mai, Beginn mit musikpädagogischen Projeten.

5. Mai: 18 Uhr Podiumsgespräch zum Thema „Fremde“, 19.30 Uhr Auftaktkonzert im Großen Saal der Musikhochschule.

Lunchtimekonzerte 8.-13. Mai, 12.30 Uhr, Eintritt frei

Weitere Infos: www.brahmsfestival-mhl.de

Das Thema hat sich logisch aus dem Vorjahresmotto „Heimat“ entwickelt und natürlich eine aktuelle gesellschaftliche Komponente. Aber wir stellen nicht das Eigene gegen das Fremde, nicht das Wir gegen das Andere. Fremdheit ist eine gemeinsame menschliche Erfahrung, existenziell und vielschichtig, die sich in der Kunst, speziell in der Musik, immer gespiegelt hat.

Wie kann man Fremdes im Festival erfahren?

Fremdheit wird ja erst in der Begegnung empfunden, und davon gibt es sehr spannende. „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus“, heißt es im Schubert-Lied, das den Anfang und das Ende des Festivals markiert. In exotische Welten entführt Dieter Mack mit indonesischer Gamelan-Musik. In der Begegnung von ‚Orient und Okzident‘ erleben die Zuhörer, wie schon Mozart das Fremde in seiner ‚Entführung aus dem Serail‘ inszeniert hat. Unter dem Motto ‚Original und Verfremdung‘ erklingen Kompositionen, die durch Vorlagen inspiriert wurden. Intensive musikalisch-menschliche Begegnungen wird es am 12. Mai geben: Studierende haben einen eigenen Abend mit syrischen Musikern konzipiert. 

Die Nachmittagsveranstaltungen sollen „Standpunkte“ vermitteln. Welche?

In der Villa Brahms geben wir mit dem Klavierquartett op. 26 einen Einblick in die Werkstatt von Brahms. Das Autograph ist eine Kostbarkeit unserer Sammlung! Außerdem stellen wir gegensätzliche ästhetische Standpunkte vor: Brahms ‚gegen‘ Tschaikowski. Er hat die Melodie geliebt, Brahms kommt aus der Beethoven-Tradition des Gearbeiteten. Die beiden sind sich zwar mehrfach begegnet, aber mit der Musik des anderen konnte keiner was anfangen. Und: Wir entdecken mit dem Pionier Brahms die Alte Musik, die zu seiner Zeit noch fremdes Terrain gewesen ist.

Am Beginn des Festivals vor  27 Jahren gab es acht Konzerte, jetzt 29 an mehr als zehn Standorten. Was ist in diesem Jahr an neuen Spielstätten dazugekommen?

Wir freuen uns, erstmals im Grass-Haus zu Gast zu sein, dort wird Kammermusik auf Literatur treffen. Wir halten an den Lunchtime-Konzerten mit Streichquartetten in der Diele des Behnhauses fest, ein Format, das enorm erfolgreich ist. Neu in diesem Jahr ist vor Beginn des Festivals ein Education-Tag mit musikpädagogischen Projekten mit Lübecker Schülern von Musik über Theater bis zu Experimenten im Workshop „Extraterrestrisch“.

 

Außerirdische Musik beim Brahms-Festival?

Die Idee ist, dass Schüler „extraterrestrische“ Klangwelten für sich entdecken, indem sie Klänge durch digitale Bearbeitung und Sensorgeräte mit verschiedenen Hand- und Körperbewegungen verfremden.

 

Im Programm werden Darkroom-Konzerte angekündigt. Musik im Dunklen?

Auch das ist ein Experiment. Jeweils um 22 Uhr, 23 Uhr und 24 Uhr startet am 12. Mai ein Soundwalk zu drei exklusiven und geheimen „Darkrooms“ in der Lübecker Altstadt, an denen parallel Konzerte im Dunkeln stattfinden. Dorthin werden die Teilnehmer mit verbundenen Augen geführt. Alle Sinne sollen geschärft werden. Das werden bestimmt unvergessliche Erlebnisse.

Muss man sich spektakuläre Formate einfallen lassen, um ein Festival interessant zu machen?

Nein, der Kern ist natürlich Brahms und die Kammermusik, auf exzellentem Niveau gespielt, das erwartet unser Publikum. Trotzdem muss sich ein Festival weiterentwickeln, so entstehen in der Diskussion in unserer Projektgruppe immer wieder spannende Ideen. Wir sind heute mit unseren Themen gegenwartsbezogener. Brahms ist und bleibt aber das Herzstück.

Wollen Sie damit neue Besuchergruppen ansprechen?

Wir sind ja kein kommerzielles Festival, sondern das Festival einer Musikhochschule, mit vielen Funktionen nach innen und außen. Sicher ist es unsere Aufgabe, das Publikum auch an Neues, Unbekanntes, Originelles und Verblüffendes heranzuführen. Aber auch wir sind in den Erfolg verliebt und freuen uns, wenn viele Besucher kommen. Sowohl die Liebhaber von Musik als auch die Kenner werden beim Festival „Satisfaction erhalten“, um es mit Mozart zu sagen.

Interview: Petra Haase

LN