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Kultur im Norden Mit Will Smith im Trabi
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17:45 07.06.2019
Er ist und bleibt der sympathische Afghane von nebenan: Faisal Kawusi gastiert am Sonntag in Lübeck. Quelle: Guido Schröder
Hamburg

Gerade ging die zweite Staffel seiner Personality-Show auf Sat 1 zu Ende, nun ist Faisal Kawusi auf Tour. Wir haben mit dem sympathischen Comedy-Schwergewicht gesprochen.

Herr Kawusi, Ihr aktuelles Programm heißt „Anarchie“. Was bedeutet dieser Begriff für Sie?

Also im menschlichen Zusammenleben bedeutet das ja mehr oder weniger ‚Chaos’, aber für mich ganz persönlich bedeutet die „Anarchie“ vor allem Freiheit. Ich hasse nichts mehr als das Gefühl, dass ich nicht sagen darf, was ich denke. Ich mag keine Denk- und Sprechverbote und lass mir ungern etwas vorschreiben. In meinen Liveshows kann zum Glück nichts geschnitten werden, aber im TV fällt natürlich schon mal etwas dem Schnitt zum Opfer.

Gibt es konkrete Erfahrungen, bei denen man Sie in einer solchen Weise zensieren wollte?

Es gab tatsächlich mal so einen TV-Auftritt. Ich wollte einen Witz über die katholische Kirche machen, der mir dann aber verboten wurde. Ich hab dann darauf verzichtet und mir gedacht, ich erfülle ordnungsgemäß meinen Vertrag, aber richtig hat es sich nicht angefühlt. Ich meine, mal im Ernst: Wir leben in einem laizistischen Staat und dürfen im TV keine Witze über die Kirche machen?

In Ihren Stand Ups und Soloprogrammen spielen Sie bewusst mit Klischees und Vorurteilen - auch gegen Afghanen und Menschen mit Migrationshintergrund. Kommt es manchmal zu Diskussionen mit dem Publikum, wenn Sie sich schon mal über die Angst vor Anschlägen und Selbstmordattentätern lustig machen mit Sprüchen wie „Keine Angst, das ist nur mein Bauch und kein Sprengstoffgürtel“?

Das versuchen manche – aber wie bekloppt sind die Leute , dass sie sich eher auf einen Komiker einschießen, der real existierende Missstände anprangert, als auf die Leute aus Wirtschaft und Politik, die diese Sachen zu verantworten haben? Ich muss ja nicht im Duden die Bedeutung des Wortes „Witz“ nachschlagen, um zu sehen, ob ich den auch machen kann.

Sie haben afghanische Wurzeln, sind aber bei Frankfurt aufgewachsen. Wie viel „Afghane“ und wie viel “Deutscher“ steckt in Ihnen?

Ich arbeite natürlich viel mit Klischees von Afghanen und Deutschen und nehme manches auf die Schippe. Sicherlich nimmt die Herkunft manchmal Einfluss auf meine Gefühlslage. Vielleicht habe ich mir aus beiden Kulturen gute Eigenarten herausgepickt, von den Afghanen die Gastfreundschaft und von den Deutschen die Pünktlichkeit – damit haben es meine Landsleute nicht so (lacht). Ich hab aber auch meinen eigenen Kopf, kann ein ziemlicher Dickkopf sein. Das hat dann nichts mit Nationen zu tun oder irgendwelchen Stempeln, die mag ich eh nicht. Das ist dann einfach Faisal.

Sie kokettieren auch mit Ihrem Körperumfang- auf Ihrer Homepage ist von 85 Kilo die Rede, woanders von 140 Kilo...

Im Moment geht es eher auf die 160 zu. Ich hatte für ‚Let’s dance’ bestimmt 20 Kilo abgenommen, aber dann wieder 30 Kilo zugelegt. Natürlich bekomme ich durch mein Aussehen einen gewissen Stempel – schwarze Haare, dunkle Augen, mein Gewicht. Ich bin da aber kein Sensibelchen und kann gut über mich selbst lachen.

Sie erwähnten aber in einem Interview, als Grundschüler gemobbt worden zu sein. Das war damals sicher nicht so einfach, alles mit den Waffen eines Comedians wegzulachen...

Auf jeden Fall, in dem Alter ist das absolut hart und ich habe wirklich gelitten. Da entwickelt man noch keine Strategie für so etwas. Mittlerweile hat sich das geändert. Solche Showideen wie beim Synchronschwimmen mitzumachen, kommen aber meist von mir selbst, das ist kein Konzept, in das man mich zwängt. Auch wenn sich mancher TV-Produzent vielleicht denkt „Ach, den dicken lustigen Afghanen, den können wir auch da und da gut unterbringen“. Mir ist aber auch wichtig, das professionell zu machen und zu zeigen: Guckt mal, auch ein Dicker kann so etwas, wenn er will!

In einer Ihrer letzten Shows durften Sie mit Will Smith im Trabi durch Berlin fahren. Ein Erlebnis, das in Erinnerung blieb?

Auf jeden Fall, er war wegen seines Films ‚Aladin’ in der Stadt. Da war dann Disney involviert, die haben noch mal ihre eigenen Bedingungen. Ich bin die Strecke dann extrem langsam gefahren, damit wir eine längere Zeit im Trabi haben. Ich wusste ja, wenn ich ihn erstmal im Auto habe, kann er nicht weg ( lacht)

Sie sind nur ein Jahr älter als der wegen seines „Anti CDU“- Videos gefeierte You Tube Star Rezo. Würde Sie die Politik reizen, vielleicht mit den Mitteln eines Komikers?

Direkt in die Politik gehen werde ich wohl nicht, dafür habe ich noch viel zuviel vor in meiner Karriere. Ich werde mich aber bestimmt immer politisch äußern und da kein Blatt vor den Mund nehmen.

Sie haben gerade die zweite Staffel der „Faisal Kawusi Show“ auf Sat 1 beendet. Was haben Sie gesagt, als das Angebot kam?

Da habe ich gedacht „Was, warum denn erst jetzt?“ ( lacht). Nein im Ernst, das ist genau mein Ding, ich war sofort mit Feuereifer dabei. Wir schreiben da natürlich manchmal noch am Vorabend mit dem Team an den Gags und Aktionen. Da kann schon mal was danebengehen oder ein Rohrkrepierer dabei sein , aber das ist ok. Bei meinen Soloprogrammen habe ich mir alles über längere Zeit mit viel Elan erarbeitet, das ist noch mal ein anderes Format.

Auf der Bühne scheint Sie so schnell nichts erschüttern zu können, Sie scheinen ein gewisses Urvertrauen zu haben und auch Zwischenrufe machen Ihnen wenig aus...

Meine Souveränität und Schlagfertigkeit sind vielleicht meine größte Stärke, das stimmt wohl. Als ich vor sieben Jahren mit der Comedy angefangen habe, lief natürlich nicht alles gleich wie am Schnürchen.

Dennoch haben Sie erst noch eine Banklehre absolviert.

Das war aber auch nur die Kreissparkasse in Groß-Gerau, alles in Familienhand. Ich wollte was Solides machen und nicht mit Asis in irgendeiner Werkstatt rumhängen. Nachdem ich beim NDR Comedy Contest teilgenommen und mich krankgemeldet hatte, wurde ich allerdings von jemandem verpetzt. Danach wollte man mich dann auch nicht mehr übernehmen ( lacht). Aber ich hatte durch die Banklehre den Stempel weg „Ah, ein intelligenter Afghane!“

Apropos Afghanen: Kommen viele Ihrer Landsleute zu Ihnen in die Shows?

Die in den letzten Jahren zugewanderten Afghanen vielleicht weniger, weil diese Form der Liveshows dort nicht so bekannt ist. Viele der hier aufgewachsenen Afghanen kommen aber tatsächlich gern und sagen, dass sie stolz auf mich sind. Die nehmen mich positiv wahr. Ich bin auf den Fußballer Nadiem Amiri von Hoffenheim ja auch stolz, er hat afghanische Wurzeln.

In Ihren Stand Ups verwenden Sie gern deutliche Sprache , bezeichnen sich schon mal als „Multifunktionskanacke“...

Das ist aber eher so ein „Untereinander -Ding“ unter den Ausländern, wir dürfen das mit Selbstironie und Sarkasmus machen. Wenn ein „Biodeutscher“ käme und sagt „Ihr Kanacken“, wäre das schon wieder unpassend. Außer wenn man miteinander befreundet ist, natürlich ( lacht) .

Farbige nennen sich heutzutage zuweilen selbst „Nigger“, Menschen mit Migrationshintergrund „Kanacken“. Ein Begriff wie„schwul“ war lange Zeit klar diskriminierend, dann ein Synonym für „homosexuell“, wird aber auch wieder als Schimpfwort auf Schulhöfen benutzt...

Das kann schon mal verwirrend sein, ja. Ich sage selbst auch mal im Scherz „Bist schwul oder was?“, das heißt aber nichts. Gerade erst habe ich in Köln mit Schwulen und Transsexuellen beim ‚Come Together’ zusammen Fußball gespielt. Ich denke, man sollte einen Menschen an seinen Taten und nicht an seinen Worten messen. Schwule können über mich genauso Witze machen wie ich über sie, was zählt, ist der Mensch.

Wobei Sie kein Fan des Gedanken sind „Alle Menschen sind gleich“, oder?

Von der Wertigkeit des Menschen her natürlich, aber ansonsten hasse ich diesen Gedanken „Wir sind doch alle gleich, ins uns allen fließt allen rotes Blut“. So ist es eben nicht! Ein Norweger ist anders als ein Schwarzafrikaner und der ist wieder anders als ich. Nazis wiederum sind Spacken und so will ich ja auch nicht sein!

Also setzen Sie auch im privaten Leben eher auf Humor als Allzweckwaffe?

Auf jeden Fall! Mit Humor kannst du jeden Schmerz überwinden und die Leute auch aus der Fassung bringen. Wenn jemand unhöflich oder fies zu mir ist, dann lächle ich den an und bin so unfassbar höflich zu dem, damit kriegt man letztlich jeden!

Alexander Bösch

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