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Kultur im Norden Fernando hat alles nur geklaut
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20:10 11.03.2013
Schleswig

Einsame Menschen in nächtlichen Bars an leeren Theken. Die Bilder Edward Hoppers sind längst moderne Ikonen. Zitiert werden sie nun in Kerstin Laubes Bühnenbild zur Aufführung von Goethes „Stella“ am Landestheater Schleswig-Holstein. Der Hopper-Touch gibt den Grundton an in Reinhard Göbers Interpretation jener Dreiecksgeschichte, die der junge Sturm-und Drang-Dichter einst als schöne Utopie von der reinen Liebe zu dritt entwarf und Jahrzehnte später, genervt von der Kritik an der angeblichen Polygamie-Verherrlichung, umschrieb zur Tragödie.

Was Göber seiner Inszenierung zugrunde legt, ist die vom dreifachen Liebesglück überstrahlte Erstfassung, die der Regisseur aber so umkrempelt, dass kaum was übrig bleibt vom schönen Schein. Wie weggeblasen vor allem die Inbrunst der Seelen, die Aufwallungen der Liebesschwärmerei, die Überhitzung der Sprache. Nichts mehr davon bei dem Fremden im schwarzen Outfit (Stefan Hufschmidt), der hereinplatzt in die Bar eines öden Hotels, die Gitarre auspackt und loslegt mit seinen Songs. Fernando, Goethes Offizier und Gutsbesitzer, mutiert hier zur ironisch umrandeten Kopie des „Man in Black“ alias Johnny Cash, dessen Lieder als Subtext den Goethetext begleiten. In jeder Situation einen passenden Hit (Beatles, Stones) auf den Lippen, so laviert Fernando sich durchs verminte Feld der Liebe. Seine Gefühle, seine Schwüre — alles nur geklaut.

Irgendwann merkt das sogar Stella, die ihren Helden zunächst anhimmelt wie einen Engel. Zerbrechlich wirkend, aber mit vibrierender Kraft spielt Katrin Schlomm eine pubertär erscheinende Figur, die mit Stofftieren um sich wirft und Fernandos Foto wie ein Starporträt an die Wand heftet. Gegensätzlich dazu Annett Kruschkes Cäcilie, die, abgeklärt in der „Wüste“ der Verlassenheit (Goethe), ein emanzipiertes Leben probiert. Wie sich zwischen den beiden ungleichen Frauen fast wortlos Zuneigung und vielleicht mehr entwickelt, ist subtil.

Die Ahnung einer besseren Liebe lässt der sehr frei mit dem Stück umgehende, an entscheidenden Stellen aber texttreue Regisseur aufscheinen im sich verändernden Bühnenbild. Der Vorhang hinter dem Tresen öffnet sich immer mehr, bis sich schließlich der freie Blick in die Landschaft auftut. Bild der Hoffnung? Oder doch nur Trugbild? heh

Nächste Vorstellung am 15. März.

LN

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