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Kultur im Norden Mega, der Typ!
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02:27 06.04.2019
„Ich halte Gegenwind gut aus“: Soulsänger Flo Mega (39) Quelle: Florian von Besser
Lübeck

Samy Deluxe, Fanta 4, Gentleman – lang ist die Liste derer, mit denen er bereits Musik gemacht hat. Aber Flo Mega macht auch vor allem seins, Soul und Rap – und das mit einer unverkennbaren Stimme und Bühnenpräsenz, die der 39-jährige Bremer jetzt auf Tour wieder unter Beweis stellt. Am 12. April spielt er in Lübeck, im Rider’s Cafe.

Sagt man als Bremer eigentlich Moin oder Moin Moin?

Ich glaub, da sabbelt man zu viel. Moin Moin.

Du hast 2011 ja für Bremen beim Bundesvision Song Contest gesungen. Wie heimatverbunden bist du denn?

Sehr. Das ist ja die Luft, die man von Anbeginn einatmet, das geht nie wieder weg.

Und was ist typisch norddeutsch an dir?

Ich bin zäh, wenn auch sensibel. Und ich halte Gegenwind gut aus.

Das wird uns Nordlichtern ja quasi in die Wiege gelegt.

Auf jeden Fall. Und die Gemüter hängen ja immer gern mit dem Wetter zusammen.

Und trotzdem sind wir Nordlichter seit Jahren laut Glücksatlas die glücklichsten Menschen im Land . . .

Ja, weil wir hier vor allem die Weitsicht meeresbedingt kennen. Und wir sind trotz – oder gerade wegen des Wetters – sehr optimistische Menschen.

Du sagtest, Heimat sei die Luft, die man einatmet. Was riecht denn für dich nach Norddeutschland?

Frittierter Fisch und der frische, modrige Geruch der Gezeiten hier oben.

Vom Rapper zum Soulsänger

Sänger Flo Megaheißt mit bürgerlichem Namen Florian Bosau und stammt aus Bremen. 2011 landete er mit seinem Song „Zurück“ als Newcomer direkt auf Platz zwei bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest. Erst kam der Super-Aufstieg – und dann der Absturz mit Alkoholexzessen, Burnout und dem Rückzug in eine Entzugsklinik.

2014 gelang ihm mit dem Album „Mann über Bord“ das Comeback. Vier Jahre später folgte das dritte Album „Bäms“. Flo Mega startete seine musikalische Laufbahn als Rapper, singt aber heute hauptsächlich Soul im Stile der 60er, 70er Jahre.

Am 12. Aprilspielt Flo Mega im Rahmen seiner großen Deutschland-Tour im Riders Cafe Lübeck. Los geht’s um 19 Uhr. Karten gibt es ab 33 Euro an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Weitere Infos: www.flomega.de

Du bist 2011 quasi über Nacht berühmt geworden. Was hat dieser extreme Schub mit dir gemacht?

Ich denke, dass ich anfangs sehr blauäugig da herangegangen bin und mich nicht ganz so vertraut gemacht habe mit den Konsequenzen. Dass man auf einmal so bekannt ist und alle plötzlich etwas von einem wollen – und anders herum Menschen, die dir vertraut schienen, auf einmal komisch und distanziert sind. Da ist auf einmal sehr viel Neid und Missgunst im Spiel.

Wie schwer ist es, man selbst zu bleiben als Künstler?

Man lernt, sich von der Kunstfigur, die man darstellt, zu distanzieren. Jeder Mensch, der auf der Bühne steht, hat irgendwo seine eigene Geschichte mit unvorhergesehenen Abzweigungen und Fehlern. Das ist ja oft schon eine Prägung aus der Kindheit, die man in sich trägt und die einem zu dem macht, der man ist.

Und was ist deine Geschichte?

Ich war ein Außenseiter, ein Freak. Ich hatte ein paar Defizite, vielleicht würde man das heute ADHS nennen, aber früher war man komisch. Und Punkt. Wenn andere sich in eine Mathearbeit reingehängt haben, habe ich mich in Beats gehängt. Und später habe ich meinen Aufstieg einfach mit allem drum und dran zu sehr genossen und vieles dabei ignoriert – vor allem mich und meine Gesundheit. Das ist meine Geschichte. Das ist lange her und daraus habe ich gelernt.

Sind Soziale Netzwerke nicht ziemlich gefährlich, weil sich dort ein jeder inzwischen selbst zum Star machen kann?

Ja, das ist ein großes Thema und ein Feld, in dem viel Unwissenheit und Aggressivität herrscht. Früher hatte man nur seine (echten) Freundeskreise, heute kann man sich über das Netz der ganzen Welt präsentieren – und sich eben selbst darstellen. Das sind ganz neue Möglichkeiten mit wenig Raum für Zwischenmenschlichkeit.

Wie groß ist die Gefahr, dass man sich von zu viel Aufmerksamkeit locken oder verleiten lässt?

Wenn man die Möglichkeit hat, sich selbst immer wieder darzustellen, wird die Selbstwahrnehmung gerne mal verzerrt. Früher hat meine Mutter Zeitungsartikel über mich voller Stolz ausgeschnitten. Heute lädt jeder ein Selfie hoch und feiert sich.

Was bedeutet Vertrauen für dich?

Sehr viel, und das ist sehr schwierig geworden, weil viele Egos unterwegs sind. Es herrscht viel Aggressivität im Alltag, wenig physisch, dafür aber mehr psychisch. Geld und Besitz werden immer mächtiger, Sprache und Umgang verändern sich. Man muss lernen, das Beste daraus zu machen. Dazu lese ich gerade ein tolles Buch, das heißt „Alles könnte anders sein“ von Harald Welzer.

Du bist ja auch Vater geworden 2014 – wie sehr hat dich das verändert?

Sehr.

Und womit bist du „ferddich“ und wieso heißt das neue Album „Bäms“?

Ich hatte keine Lust auf einen verschnörkelten Titel oder einen dieser oberflächlichen Poesie-Sprüche und Wortspiele, die derzeit überall auftauchen, finde ich ziemlich nervig – mit „Bäms“ wollte ich einfach sagen: Hier ist es. Isso – und ferddich.

Du spielst am 12. April in Lübeck.

Ja und in Lübeck hatte ich tatsächlich den Schlüsselmoment meines Lebens, dass ich auf der Bühne stehen möchte. 1996 hab ich hier mit meiner verkifften Kinderband völlig konzeptlos an dem Wettbewerb „Schulen musizieren“ teilgenommen. Wir waren Rapper, Popper und Punks und haben gegen ganze Orchester und Profis gespielt und natürlich haushoch verloren. Aber wir waren die heimlichen Stars der Veranstaltung, weil wir so unkonventionell und frei waren.

Freust du dich auf etwas Besonderes bei deinem Gig in Lübeck?

Ich freu mich natürlich auf die Show – und auf die selbst gemachten Königsberger Klopse von Rider’s-Chef Kai-Uwe Meyer, die er gern für die Bands macht. Die sind mega!

Schabnam Tafazoli

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