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Kultur im Norden Franz Albers und Käpt‘n Kruse: Derbe Deerns!
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11:43 06.09.2019
Norddeutsch, praktisch, gut: Wiebke Kruse (l.) und Franziska Rademacher sind zusammen „Franz Albers und Käpt'n Kruse“, kurz FAKK. Quelle: FAKK
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Lübeck

Am Telefon schon ist zu hören, dass die beiden Musikerinnen den „Dachschaden“ mögen, der ihnen nachgesagt wird, weil sie musikalisch so anders sind. Das waren sie schon immer. Sie – das sind Wiebke Kruse und Franziska Rademacher, beide 31, beide aus dem Norden, beide sehr verliebt in ihre Region, aus der sie stammen. Wiebke kommt aus Husum. Franzi aus Lübeck. Zusammen leben die beiden heute in Hamburg, wo sie sich nach dem Studium von Operngesang und Musikpädagogik voll und ganz ihrer Band „Franz Albers und Käpt‘n Kruse“ widmen.

„Seemannsmucke“ nicht mehr zeitgemäß

Kennengelernt haben sich die Freundinnen vor Jahren schon im Jugendchor Schleswig-Holstein für hochbegabte Kinder. Später entdeckten sie ihre gemeinsame Liebe zur norddeutschen Musik und mischten nach einer wortwörtlichen Schnapsidee, die sie an einem Abend hatten, professionell die männerdominierte Shanty-Szene auf.

Alte Seemannslieder mit einer frischen Brise und norddeutschen Deerns: Das war neu. Das war anders. Und das war erfolgreich. Man mochte das Duo, das sich in ranzigen Kneipen mit Akkordeon, Keyboard und Barkassenweisheiten durchschlug. Franzi und Wiebke wurden für zahlreiche Events und Festivals angeheuert – aber es reichte den beiden irgendwann nicht mehr, nur „Seemannsmucke“ zu machen.

„Inhaltlich handelten die Lieder dann doch zu sehr von Frauen, die den Herd hüteten, während die Männer auf See waren und sie sehnsüchtig warten ließen“, sagt Franzi. „Das ist zwar Kulturgut, aber nicht mehr zeitgemäß.“

Schlager der 20er und 30er Jahre

Eine neue Richtung musste her, eine, in der sich die Musikerinnen genauso nischig und abseitig austoben konnten, die aber näher dran am gesellschaftlichen Geschehen war. Und die haben Franzi und Wiebke im Schlager der 20er-und 30er-Jahre gefunden, in Chansons und alten Tonfilmklassikern, kombiniert mit neuen emanzipierten Texten, Pop und jeder Menge Wortwitz. „Diese Mischung aus Musik und Unterhaltung ist ziemlich eigen“, sagt Wiebke. Was auch sonst?!

Gerade ist ihre neue Single „Mach’s gut, Baba“ erschienen – und wer glaubt, mit „Baba“ sei der jugendsprachliche „Boss“ gemeint, irrt. „Wir meinen das österreichische Tschüss“, sagt Wiebke, die einige Jahre in Graz studiert und sich auch in die steirische Volksmusik verliebt hat.

Heimatverbunden und weltoffen

Und auch in der neuen Ausrichtung zeigt sich: Franzi und Wiebke verwirklichen sich mit Heimatverbundenheit und altem Liedgut – aber auch mit Weltoffenheit und Vermischung der Grenzen. „Heimat ist der Ort, wo man aufgewachsen ist, aber eben auch der Ort, wo das Herz zuhause ist, und das kann überall auf der Welt sein“, sagt Franzi. „Man muss mit dem Begriff heute ja sehr vorsichtig sein, und wir möchten nicht, dass unsere Heimatliebe in irgendeiner Weise patriotisch verstanden wird.“ Es sind Werte wie Verwurzelung wie auch die Sehnsucht nach Toleranz und Freiheit, die dieses Duo ausmachen, das sich nun mit drei weiteren Musikern auf eine Band vergrößert hat und am 14. September live in Lübeck spielt.

„Wir sind sehnsüchtig ohne schwülstig zu sein“

Von Brahms und Beethoven hinzu Bierdeckelliedern und dem neuen „Baba“-Song: „Franz Albers und Käpt’n Kruse“ – kurz FAKK. – bleiben ihrer Abseitigkeit treu und müssen sich dafür auch nicht sonderlich verstellen. „In den nächsten Monaten werden wir regelmäßig einen neuen Song veröffentlichen, bis das Album komplett ist“, verrät Franzi, die am Johanneum ihr Abi gemacht hat.

Ohne Plattenfirma und Vertrag nehmen die derben Deerns ihre Vermarktung selbst in die Hand und touren seit gut einem Jahr schon mit ihrer neuen Band durch die Republik. „Wir sind sehnsüchtig ohne schwülstig zu sein, durch und durch romantisch, ohne uns unterzuordnen“, sagt Wiebke. Das passt! Oder besser... löppt!

Wer „Franz Albers und Käpt'n Kruse“ live erleben möchte, ist am 14. September in die Blechtrommel eingeladen (Glockengießerstraße 65). Dort spielt die Band gemeinsam mit den Österreichern „Die Strottern“. Los geht’s um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. Mehr Infos gibt es auf der Seite der Band: www.alberskruse.de

Von Schabnam Tafazoli

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