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Kultur im Norden Freie Theater fordern mehr Geld vom Land
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06:00 26.06.2019
„Es gehört viel Idealismus dazu“: Silke Technau und Stephan Schlafke sind zusammen das Kobalt-Figurentheater Lübeck. Quelle: Foto: Olaf Malzahn
Lübeck

Vor einer Woche hat der Rücktritt des Lübecker Theaterdirektors Christian Schwandt wegen fehlender Unterstützung der Landesregierung für heftige Debatten über die Kulturfinanzierung gesorgt. Das muss sich für die vielen kleinen, privat betriebenen Bühnen im Land wie Jammern auf hohem Niveau anhören, denn viele kämpfen ohne oder mit sehr geringer Förderung teilweise ums Überleben. Deshalb hat der Landesverband der Freien Theater Schleswig-Holstein jetzt auf die prekäre Situation dieser Theater hingewiesen.

„Nicht die Großen gegen die Kleinen ausspielen“

„Es geht überhaupt nicht darum, die Großen gegen die Kleinen auszuspielen“, sagt Stephan Schlafke vom Vorstand der Landesverbandes. Er betreibt mit seiner Frau Silke Technau das Kobalt Figurentheater Lübeck, das seinen Sitz im Figurentheater am Kolk hat. Während des dortigen Umbaus haben sie im Frühjahr im Jungen Studio des Stadttheaters gespielt. „Wir haben mitbekommen, wie dramatisch die Situation dort ist und unter welchen Zwängen Herr Schwandt steht. Seine Forderung ist berechtigt.“

„Idealismus gehört dazu“

Denn im Vergleich zu den freien Theater ist das Stadttheater an Tarife gebunden, die freien Bühnen nur an den Mindestlohn. „Aber die meisten haben keine Angestellten und arbeiten mit freien Regisseuren oder Mitarbeitern, die Honorare bekommen.“ So komme man einigermaßen über die Runden. Schlafke und seine Frau betreiben das Kobalt Figurentheater, ihre Tochter Franziska ist angestellt. „Man darf gar nicht zusammenzählen, wie viele Stunden wir arbeiten, es gehört immer Idealismus dazu.“

„Selbstausbeutung ist hoch“

„Die derzeitige Selbstausbeutung ist hoch und nicht gerade motivierend für studierte Kulturwissenschaftler, Schauspieler und Theatermacher. Deshalb hoffen wir, dass die Aufmerksamkeit durch den Paukenschlag im Lübecker Theater nicht die ebenso prekäre Situation der Freien vernachlässigt“, sagt Sigrid Dettloff, eine von drei Betreibern des Lübecker Theaters Combinale und ebenfalls im Vorstand des Landesverbands. „Die Gründergeneration, zu der wir gehören, hat vor 30 Jahren unter ganz anderen Bedingungen angefangen. Der Nachwuchs, der dieses Erbe antreten und den wichtigen kulturellen Beitrag der Freien Theater am Leben erhalten möchte, braucht eine andere Aufstellung.“

Land soll eine Million Euro mehr locker machen

Die Freien Theater des Landesverbands werden jährlich mit 351 770 Euro gefördert. Bei einer Zahl von 1045 Aufführungen mit 94 910 Zuschauern ergibt das einen Zuschuss von 3,70 Euro pro Zuschauer. Damit sei Schleswig-Holstein neben Mecklenburg-Vorpommern Schlusslicht bei der Höhe der Förderung im Vergleich der Bundesländer. Damit könne man nur überleben, „weil die Beteiligten Akteure deutlich unter der Honoraruntergrenze, die der Bundesverband der Freien Darstellenden Künste 2017 beschlossen hat, arbeiten und sich auch in allen anderen Kosten extrem einschränken, mit kleinen Besetzungen spielen, viele Arbeiten selbst erledigen, wenig Ausstattung haben“, heißt es in der Erklärung des Landesverbandes. Er fordert eine deutliche Erhöhung des Landeszuschusses auf 1,4 Millionen Euro, das hieße dann 15 Euro pro Zuschauer. „Die Bedarfsumfrage und die Zahlen haben wir im Frühjahr erhoben und an die Landesregierung übergeben. Wir sind seitdem im Dialog mit Kiel und haben Hoffnung, weil die Gespräche zuversichtlich waren“, betont Sigrid Dettloff. „Die Wertschätzung ist vor allem auf Seiten des Publikums da, das uns besucht. Auch seitens der Stadt und des Landes gibt es Zuspruch für unseren kulturellen Beitrag, hier darf es aber nicht nur bei Lippenbekenntnissen bleiben“, sagt Ulli Haussmann vom Theater Combinale.

Ein Aspekt ist dem Landesverband wichtig: „Die Freien Theater spielen besonders viel auf dem Land, wo sonst kaum kulturelle Angebote sind, und erreichen besonders viele Kinder und Jugendliche. Es ist eigentlich politisch nicht verständlich, warum die, die sich ganz besonders um kulturferne Gruppen kümmern, das für so eklatant viel weniger Geld pro Zuschauer leisten“, heißt es in der Erklärung.

Ein Risiko ist immer dabei

Das Lübecker Privattheater Partout ist nicht im Landesverband, es erhält Förderung von der Stadt und von Sponsoren, erklärt Uli Sandau, einer der drei Theaterleiter. Den Rest müssen sie selbst erwirtschaften. „Aber es reicht nie.“ Sie arbeiten ohne Angestellte, nur mit Gastverträgen. „Die Gäste bekommen natürlich ihre Gage, aber wenn die Abendkasse es nicht hergibt, bleibt für uns nichts.“ Dieses Risiko würden sie nun schon seit 23 Jahren tragen. „Aber wir haben immer noch Freude daran, die Besucher mit einem abwechslungsreichen Programm zu locken.“

Petra Haase und Schabnam Tafazoli

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