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Kultur im Norden Gefangen im Strudel der Zeit
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18:10 29.06.2018
Der schwarze Tod bedroht Kati (Henrike Wendt), Svenja (Jule Kasbohm), Anna (Anne Petersen) und Jana (Johanna Martini, von links). Quelle: Foto: Olaf Malzahn
Lübeck

Denn was sich am Donnerstag bei der Premiere an den drei Spielorten Theater Partout, Haus Eden und Katharinenkirche abspielte, war nicht nur eine unterhaltsame Reise durch die Lübecker Geschichte. Es war vor allem erneuter Beweis dafür, welche kulturellen Schätze diese Stadt birgt.

Die Geschichte ist – relativ – schnell erzählt. Eine Clique von vier Mädchen und einem Jungen findet eine uralte Flasche Wein. Sie trinken von dem „Rotspon“ – und fallen in Ohnmacht. Sie finden sich in einer anderen Zeit wieder, werden mit Gefahren wie Pest, Krieg und Fremdenhass konfrontiert und entkommen dem Zeitstrudel nur, indem sie sich zusammenraufen und gemeinsam einen Ausweg aus ihrer misslichen Lage finden.

Bis es aber soweit ist, dass die personifizierte Stadt LübeckMagdalena Widmer ist eine eindrucksvolle Lubeca – endlich einen Blick in die hoffentlich helle Zukunft werfen kann, vergehen fast zwei Stunden. Unterhaltsame Stunden, in denen die Darstellerinnen und Darsteller alle Register ziehen müssen. Denn die Figuren sind ausgesprochen gut charakterisiert. In der Clique gibt es eine Ober-Zicke, eine Halb-Zicke, ein leicht döschiges und ein angenehm normales Mädchen. Und den einzigen Jungen, der außerdem noch heimlich verliebt ist (in das normale Mädchen natürlich). Jule Kasbohm, Henrike Wendt, Anne Petersen, Johanna Martini und Finn Weerasinghe spielen diese Jugendlichen mit viel Engagement und natürlichem Charme. Unterstützt werden sie auf ihrer Reise durch eine ganz besondere Person, die „Maus-Dame“. Das ist eigentlich die Maus aus St. Marien, die ja bekanntlich Glück bringen soll, Doris Mührenberg bringt sie im mausgrauen Kostüm und mit wunderbaren Trippelschritten großartig auf die Bühne. Weiter Hilfestellung leistet die Frau im Wind, einer der Barlach-Figuren von der Fassade der Katharinenkirche nachempfunden.

Schon allein die drei Spielorte, die die Regisseure Uli Sandau und Reiner Lorenz gewählt haben, sind ein Erlebnis. Vom Theater Partout wandert das Publikum in das verwüstete ehemalige Foyer des ehemaligen Eden-Kinos, hier treten die Pest und der Tod auf. Von dort geht es zum Finale in die Katharinenkirche, der die Abendsonne ein wunderbar weiches, goldenes Licht beschert – auch das sind Lübecker Spezialitäten. Und im Finale tritt dann auch noch die Hanse auf, gespielt von Marieke Lorenz mit einer Kogge als Hut auf dem Kopf. Sie beugt vor ihrer Königin Lubeca das Knie – ein fabelhaftes Schlussbild.

Ein gutes Stück, wunderbare Darsteller, eine sehr gelungene Regiearbeit, großartige Spielorte: „Der Lubeca-Code“ ist überaus sehenswert. Nur schade, dass kein einziges Mitglied der Bürgerschaft im Publikum war. Die Politiker hätten an diesem Abend viel über Potenzial und Qualität des Lübecker Kulturlebens lernen können. Und sie hätten darüber nachdenken können, ob es richtig ist, für die Nutzung der Katharinenkirche durch diese Produktion Miete zu verlangen.

Weitere Vorstellungen

„Der Lubeca-Code“ von Martina Nowatzyk in der Regie von Uli Sandau und Reiner Lorenz wird noch sechs Mal aufgeführt. Die Vorstellungen finden statt:

heute um 20 Uhr, morgen um 17 Uhr, am Donnerstag, 5. Juli, Freitag, 6. Juli und Sonnabend, 7. Juli jeweils um 20 Uhr. Zum letzten Mal geht die Produktion am Sonntag, 8. Juli, um 17 Uhr über die Bühne.

Das Theater Partout als Veranstalter weist darauf hin, dass nicht alle Spielorte barrierefrei sind. Im Haus Eden steht nur eine begrenzte Anzahl von Stühlen zur Verfügung.

Karten gibt es beim Theater Partout Tel.: 0451/700 04, Mail: info@theater-partout.de

Jürgen Feldhoff

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