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Kultur im Norden Geheimnisse und Seelen-Blicke
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11:14 26.11.2013
Von Michael Berger
„Weltstar“ Sabine Meyer. Quelle: Foto: Jürgen Joost
Lübeck

Was weiß man über Sabine Meyer? Gesichert ist: Sie ist eine der besten Klarinettistinnen der Welt. Und sie teilt sich an der Lübecker Musikhochschule eine Professur mit ihrem Mann Reiner Wehle. Die beiden ziehen hochtalentierte Studenten an, und aus ihrer Klasse entlassen die beiden virtuose und auf dem Klassik-Markt begehrte Orchestermusiker und Solisten.

Dann hat man noch in Erinnerung, dass Sabine Meyer als junge Klarinettistin von Herbert von Karajan in die Männerreihen der Berliner Philharmoniker gelockt wurde, dass sie die Orchesterstelle aber aufgab, weil es ihretwegen zum Konflikt zwischen den Musikern und ihrem Chefdirigenten kam.

Wer mehr über die Musikerin, Privatperson und Zeitgenossin Sabine Meyer erfahren will, wird jetzt in einer Biografie fündig, die der 54-Jährigen von der Rundfunkjournalistin Margarete Zander verehrt wurde. Ja, das Buch liest sich wie das Geschenk einer Bewunderin an ihr Idol — von kritischer Distanz, wie sie einer Biografin eigentlich geziemt, ist in dem Band nichts zu merken. Viel allerdings davon, dass die Verfasserin die Nähe der zu beschreibenden Person sucht. Schon der Titel — „Weltstar mit Herz“ — deutet an, dass es um Hagiografie geht. Auch wenn „Weltstar“ als Tatbestand gelten darf, wer so bescheiden und der Musik ergeben auftritt wie Sabine Meyer, würde dieses Attribut für sich nicht in Anspruch nehmen.

Zanders Lieblingsbegriff ist „Geheimnis“. Sie spürt jede Menge Geheimnisse in der Lebensgeschichte Sabine Meyers auf. Der Klarinettenton der Angebeteten ist ist solch ein Mysterium: „Die Welt versinkt, und ein Ton erfüllt den Raum, der tief in der Erde wurzelt und einen Weg zum Himmel findet“, heißt es da. Und mit Zusatzpathos: „Sabine Meyer präsentiert Musik in ihrem natürlichen Glanz und gibt den Blick auf die Seele frei.“

Man darf erleben, wie die Autorin Sabine Meyer zurück in deren Kindheit begleitet — zu einem Musikerhaushalt im baden- württembergischen Crailsheim, wo der Vater Tanzmusik spielt und Klavier unterrichtet. Sabine sitzt an der Kirchenorgel und erweist sich früh als hochbegabte Klarinettistin. An den Hochschulen in Stuttgart und Hannover studierte sie bereits als Teenager.

Die Geschichte mit Karajan („der Maestro“) darf in der Biografie natürlich nicht fehlen. Man muss es Margarete Zander lassen, dass sie definitiv klärt, warum und wie Karajan 1981 die 22 Jahre alte Aushilfe Sabine Meyer zur Soloklarinettistin machen wollte — er sah in ihr ein „Jahrhunderttalent“ — und warum ihre Integration in die Orchesterrepublik Philharmoniker scheiterte. Diese Episode nimmt epische Ausmaße ein. Doch die Musikerin hätte eine nüchternere und stilistisch weniger artifizielle Wiedergabe ihres bisherigen Lebens verdient.

Sabine Meyer — Weltstar mit Herz“ von Margarete Zander, Edel Books,   224 Seiten, 24,95 Euro

mib

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