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Kultur im Norden Glanzvolle Saison im Hansemuseum
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17:24 09.01.2017
Blick in die aktuelle Sonderausstellung „Silberglanz&Silbergier“ aus Bergen im Europäischen Hansemuseum. Quelle: Blick in die aktuelle Sonderausstellung „Silberglanz&Silbergier“ aus Bergen im Europäischen Hansemuseum.
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Lübeck

Zahlen musste jeder, der sein Sündenregister löschen wollte. Wer ganz auf Nummer sicher gehen wollte, konnte auch seine verstorbenen Verwandten und Freunde freikaufen. Möglich machte das der Ablass, eine Art Vollkasko fürs Fegefeuer. Ein paar Münzen wurden gezahlt, und zack, war man gegen die Qualen abgesichert. Damit entwickelte die Kirche in der Zeit des ausgehenden Mittelalters eines der einfallsreichsten Finanzierungsmodelle der Geschichte. Und diesem Thema widmet das Europäische Hansemuseum im September und Oktober die Sonderausstellung „Geld.Macht.Glaube.“

„Wir dachten, dass im Lutherjahr alles zum Thema Reformation abgegrast ist, aber diesem Aspekt widmet sich sonst kein anderes deutsches Museum“, sagt Tilmann Bendikowski von der Medienagentur Geschichte bei der Vorstellung der Ausstellung. In einem Kolloquium sollen die Beziehungen zwischen Reformation und Wirtschaft auch wissenschaftlich beleuchtet werden.

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Bereits von Mai bis zum August ist eine weitere Sonderschau geplant: „Pin it!#Tragezeichen#Mittelalter#SocialMedia“ beschäftigt sich mit sogenannten Tragezeichen: Ansteckern, die man am Hut oder Mantel trug. Pilgerzeichen, Anfangsbuchstaben des Namens, Zunftzeichen oder auch erotische Symbole – eine Art Emojis des Mittelalters. „Ich habe diese Ausstellung im Zeeuws-Museum Middelburg in Holland gesehen und wollte sie unbedingt auch in Lübeck haben“, erklärt Felicia Sternfeld.

Mit diesen zusätzlichen Ausstellungen will die Leiterin des Europäischen Hansemuseums den Erfolgskurs des im Mai 2015 eröffneten Hauses fortsetzen. Nach einem außerordentlichen Eröffnungshalbjahr erfreute sich das Museum auch im ersten vollen Jahr seines Bestehens einer großen Resonanz: „Rund 113 000 Gäste besuchten das Museum im vergangenen Jahr. Neun von zehn Besuchern würden unser Museum weiterempfehlen, das ist eine Superzahl“, resümiert Felicia Sternfeld. Ursprünglich hatte das Museum mit bis zu 150 000 Besuchern im Jahr gerechnet.

Zwei Drittel der Gäste kamen aus den norddeutschen Bundesländern und fast zehn Prozent der Besucher wohnen im Ausland – mit den Top Fünf aus Dänemark, Schweden, Schweiz, USA und Großbritannien. Insgesamt fanden 2016 über 1250 Gruppenführungen statt, darunter zahlreiche für Schulklassen. „Das Interesse ist ungebrochen, deshalb bauen wir die Führungen noch weiter aus“, so die Leiterin. Ab sofort gibt es zwei Mal pro Woche öffentliche Führungen im Museum, dienstags um 14 Uhr sowie sonntags um 11 Uhr.

Bauherr und Betreiber des Museums ist nicht die Hansestadt Lübeck, sondern eine gemeinnützige GmbH. Dennoch freut sich Felicia Sternfeld über zahlreiche Kooperationen mit städtischen Einrichtungen und Veranstaltungsreihen. So war das Museum ein zentraler Ort beim Hansekulturfestival, kooperierte mit den Nordischen Filmtagen und mit städtischen Museen. „Auch die Zusammenarbeit mit den Lübecker Nachrichten werden wir fortsetzen, es gibt wieder einen Hansetalk zu einem aktuellen Thema der Stadt.“

Stolz weist Felicia Sternfeld auf zahlreiche Angebote für Kinder hin. So gebe es spezielle Familienführungen und eine sogenannte „Hanseforscherkiste“. Diese kann von Schulen ausgeliehen werden, um sich eine Woche lang dem Leben zur Hansezeit spielerisch anzunähern. Diesem Ziel dient auch ein spezieller Kinder-Katalog und ein Quiz, das man am Eingang kaufen kann. In Zusammenarbeit mit der Michael-Haukohl-Stiftung führen Schüler andere Schüler durchs Museum. Damit sei garantiert, dass alle Kinder der siebten Klassen erreicht werden.
„Dieser Aspekt ist für unsere externe Bewertung enorm wichtig“, erklärt Felicia Sternfeld. Die Architektur des Hauses wurde bereits mehrfach prämiert, nun ist das Museum als eines von vier deutschen Häusern für die Auszeichnung „Europäisches Museum des Jahres“ nominiert. Über diesen Preis entscheidet im Mai das European Museum Forum auf seiner Tagung in Zagreb

Von Petra Haase