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Kultur im Norden Gottorf: Kunst aus Schokokeksen und Strohhalmen
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07:00 21.11.2019
Mit verfremdeten Lübeck-Ansichten beteiligt sich der Lübecker Künstler Rainer Wiedemann an der Landesschau. Quelle: Fotos: Marco Ehrhardt
Schleswig

Zum Jahresende ist traditionell Show-Time beim BBK-Schleswig-Holstein. Bereits zum 66. Mal präsentieren die Mitglieder des Berufsverbandes Bildender Künstler in der Landesschau Aktuelles aus ihren Ateliers, das heißt Arbeiten, die nicht älter als zwei Jahre sind. Gastgeber der an stets wechselnden Standorten eingerichteten Ausstellung ist nach sechs Jahren wieder einmal das Landesmuseum auf Schloss Gottorf. In der Reithalle sind 148 Arbeiten von 100 Künstlern zu sehen. „Für das Landesmuseum ist es immer wieder spannend, die Landesschau zu Gast zu haben“, sagt Kurator Ulrich Schneider. „Auf diese Weise sehen wir, was sich aktuell in Schleswig-Holsteins Kunstszene tut.“

Ulrich Schneider (r.) und Anders Petersen vor einem Kubus von Mareile Schröder aus 400 farbigen Strhohalmen. Quelle: Marco Ehrhardt

Über die Kunsttauglichkeit von Schokokeksen

Und es tut sich allerhand, wie die facettenreiche Präsentation eindrucksvoll belegt. Neben geometrisch reduzierten Zeichnungen in Schwarzweiß gibt es keramische Wandbilder mit minimalistischen Strukturen, die vom Wind gezeichnet wurden. An blasse Schattenrisse lassen Figuren in einer Bilderreihe denken, die mit Beton gemalt ist. An Wespennester erinnern die Elemente einer Wandarbeit, die aus Texten eines Wörterbuchs geformt sind. Die Kunsttauglichkeit von Schokokeksen stellt ein Bild-Objekt von Iris Menges unter Beweis, Inken Geertz spürt mit einer Collage aus allerlei Papier der „Gescheiterten Hoffnung“ von Caspar David Friedrich nach.

Stubentanz als Videoperformance

Malerei, Fotografie und Objektkunst halten sich von der Anzahl her ungefähr die Waage. Ein paar Videoarbeiten sind auch dabei. „Sie haben echtes Überraschungspotenzial“, sagt Jury-Mitglied Rainer Wiedemann. Der Lübecker Künstler, selbst vertreten mit einem vielschichtig bemalten Bildkasten, ist besonders angetan von Wübke Rohlfs-Grigulls „Stubentanz“, einem seltsam antiquiert anmutenden Schwarzweißfilm, in dem die Künstlerin sich im Wohnzimmer als Ausdruckstänzerin versucht. Flankiert wird das Video von sechs kleinformatigen, übermalten Film-Stills, die an Bewegungsstudien denken lassen. Fast schon gespenstische Wirkung erzeugt eine mediale Rauminstallation von Hannes Fleckstein und Mateusz Dworczyk. Getrennt durch einen weißen Vorhang, der sich sanft im Luftstrom eines Ventilators bauscht, treffen sich in „Deus ex machina #2“ zwei cyberartig verzerrte, auf Bildtafeln projizierte Gesichter zum Gedankenaustausch.

Marlies Rzadkiewicz vor zarten Zeichnungen. Quelle: Marco Ehrhardt

Viele junge Künstler

Fleckstein und Dworcyk gehören zu den insgesamt 31 Gastkünstlern der Landesschau. Wie sie sind viele davon Studenten der Muthesius Kunsthochschule. „Damit zeichnet sich ein deutlicher Trend zur Verjüngung der Landesschau-Teilnehmer ab“, sagt der Vorsitzender des BBK-SH, Anders Petersen. Neben der „intensiven Werbung“, die der BBK im Vorwege in der Kunsthochschule gemacht hat, sieht Petersen einen Grund für das Interesse der Studenten auch in der Etablierung des Förderpreises, der 2018 erstmals in Flensburg ausgelobt wurde. Der Rundgang durch diese aktuelle Sammlung ist insgesamt erfrischend abwechslungsreich

Viele Lübecker Künstler

In diesem Jahr gibt es in Gottorf erfreulich viele Künstler, die der Gemeinschaft Lübecker Künstler angehören. Traditionell überwiegen die wandgebundenen Arbeiten, wie Claudia Bormanns Monotypie, die assoziativ mit ihrem großen Thema Wasser verbunden ist, oder Heinke Boths zart verrätselte Collagen. Ida Möller lässt den Betrachter mit ihren Mischtechniken zwischen Staunen und Schmunzeln zurück.

Installation von Regine Bonke aus handgeschöpftem Papier. Quelle: privat

In der dritten Dimension

Drei Künstlerinnen gehen in die dritte Dimension, die ja in Gottorf reichlich vorhanden ist – Waltraud M. Stalbohm mit einem klassischen Steinguss und Mareile Schröder mit einem federleichten, kunterbunten Kubus aus 400 Strohhalmen. Regine Bonke zeigt eine Rauminstallation in luftiger Höhe. Mit ihren Formen aus handgeschöpftem Papier, die sich auf die universell gültigen, geometrischen Proportionen der Konkreten Kunst beziehen, gelingt es ihr, einen Bezug zur Besonderheit der Architektur der Reithalle herzustellen.

Schloss Gottorf, Reithalle. Bis zum 23. Februar geöffnet. Dienstag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr, an den Wochenenden von 10 bis 17 Uhr

Von Sabine Tholund

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