Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Grass von der Weser an die Trave?
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Grass von der Weser an die Trave?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:21 26.04.2018
Der Literatur- Nobelpreisträger Günter Grass (1927-2015) hinterließ zahlreiche Dokumente. Das Lübecker Grass-Haus ist interessiert am Bremer Archiv. Quelle: Foto: Thorsten Wulff

Wie berichtet, hat die Geschäftsführerin der Bremer Stiftung 23 600 Euro veruntreut und offenbar für private Zwecke genutzt. Zumindest haben sie und ihr Mann die Summe laut dem „Weser Kurier“ in einem Schuldanerkenntnis eingeräumt. Die Frau, die 2014 aus der Bremer Kulturbehörde auf den Leitungsposten bei der Grass-Stiftung versetzt wurde, ist bereits im vergangenen Sommer abberufen worden.

Der Nachlass von Grass

Das Günter-Grass- Haus in Lübeck verfügt über eine Sammlung mit mehr als 1300 bildkünstlerischen Arbeiten sowie Manuskripten.

Die Bremer Grass-Stiftung besitzt Radio- und TV-Beiträge, Audio- und Videodokumente seit 1955, Bücher und Pressearchive.

Weitere Teile aus Grass’ Nachlass befinden sich in Danzig, in der Akademie der Künste Berlin und im Grass- Archiv Göttingen.

Die Affäre fügt sich in ein unschönes Bild, da die Arbeit der Bremer Stiftung zuletzt stark in die Kritik geraten ist.

Gegründet wurde sie im Jahr 2000. Stifter sind die Stadt, die Sparkasse, Radio Bremen und zwei Bremer Kaufleute. Die Stiftung sammelt, dokumentiert und erschließt das audiovisuelle Werk von Günter Grass ab dem Jahr 1955. Das sind Lesungen, Reden, Interviews und andere Beiträge im Radio, Fernsehen oder auf anderen Ton- und Bildträgern – laut Wißkirchen insgesamt etwa 3000 Dokumente, weitgehend digitalisiert und durchsuchbar. Zur Verfügung gestellt wurden sie vor allem von den öffentlich-rechtlichen Sendern, aber auch von der BBC, Radio Gdansk, dem Goethe-Institut oder der Universität in Mumbai. Vorhanden sind zudem eine kleine Bibliothek sowie Sondersammlungen.

Für das Lübecker Grass-Haus wäre das Archiv „eine fundamentale Aufwertung“, sagte Wißkirchen. Es sei ohnehin schon „international ein Anlaufpunkt“, nicht nur für Ausstellungsbesucher, sondern gerade auch für Forscher oder Journalisten. Der Bremer Bestand würde „die Position wesentlich stärken und arrondieren“. Und er würde vor allem auch zum Konzept des Hauses passen, das „digital schon sehr gut aufgestellt“ sei. „Ich halte das für eine ganz wichtige Perspektive für das Haus.“

Platzprobleme? Die gälte es zu klären. Aber dank der Digitalisierung brauchte man ja keine großen Räume. Es ginge hauptsächlich um Arbeitsplätze, nicht um neue Ausstellungsräume. Die Frage, wo der Server stehe, sei vor allem eine organisatorische, keine räumliche.

In Bremen ist die Stiftung inzwischen von der Innenstadt auf den Campus der privaten Jacobs-Universität an den nördlichen Stadtrand gezogen. Die Arbeit, was Ausstellungen, Tagungen oder Publikationen anbelangt, ist fast zum Erliegen gekommen. Der mit 40000 Euro dotierte Albatros-Literaturpreis wurde zuletzt 2014 verliehen, weil sich kein Sponsor mehr fand.

Die zentrale Figur der Bremer Stiftung ist der Vorstandsvorsitzende Klaus Meier. Er ist mit der Windkraftfirma wpd reich geworden und schätzt Grass und dessen Werk sehr. In der „taz“ wird Meier mit den Worten wiedergegeben, Lübeck sei natürlich eher eine Grass-Stadt als Bremen und eine Stiftung nicht abhängig von Personen und Orten. Derzeit werde die Standortfrage vom Vorstand und Kuratorium in einem „offenen Prozess“ diskutiert. Beides sei möglich: ein kompletter Umzug nach Lübeck oder eine Neuaufstellung in Bremen als offenes Archiv.

Grass-Haus-Leiter Jörg-Philipp Thomsa freut sich über die „Sogwirkung“ der Arbeit in Lübeck, die die Verantwortlichen in Bremen offenbar über einen Umzug an die Trave nachdenken lasse. Man wolle ohnehin weiter in die Digitalisierung investieren. Zudem sei Grass stärker noch als vor zehn Jahren zu einem Thema an den Hochschulen geworden, mit denen man jetzt schon eng zusammenarbeite. Da in dem Bremer Archiv auch Gespräche von Grass mit anderen Autoren, Politikern, Historikern oder Künstlern lägen, könnte Lübeck so noch für weitere Kreise interessant werden. Aber neben der Stiftung habe auch die Bremer Stiftungsaufsicht in der Sache ein Wort mitzureden.

Kämen die Bremer Archivalien nach Lübeck, wäre das zumindest auch im Sinne von Grass’ Verleger Gerhard Steidl. „Das wäre ideal“, sagte er. Steidl hat mit dem späteren Nobelpreisträger seit 1985 zusammgearbeitet und 1993 dessen Weltrechte vom Luchterhand-Verlag gekauft. 2015 hat er in Göttingen das Günter-Grass-Archiv eröffnet und Anfang dieses Jahres die Günter-Grass-Archiv-Stiftung gegründet. Er besitzt umfangreiches Material von und über Grass und hat bei der VW- und anderen Stiftungen Mittel für Archivare beantragt, um es zu erschließen.

Der Göttinger Germanist und Grass-Experte Heinrich Detering, der auch dem Lübecker Haus sehr verbunden ist, wolle zudem das Archiv als Anlass nehmen für die Einrichtung eines Lehrstuhls zum Thema „Grass als Buchgestalter“, sagte Steidl. Grass habe nicht nur reine Textbücher machen wollen, so seien im Laufe der Jahre ganz eigene Buchtypen entstanden. Aber sein eigenes Metier sei das Papier, nicht das Audiovisuelle, unterstrich der Verleger. Wenn daher das Bremer Archiv nach Lübeck gehen sollte, hätte er überhaupt keine Einwände: „Das wäre der beste Platz in Deutschland.“

Peter Intelmann

Lübeck. Die Köpfe mit den ausdrucksstarken großen Augen waren eines seiner Markenzeichen. Diese Bilder beherrschen ab morgen die Ausstellung in der Galerie Artler – eine Hommage an den im Juli vergangenen Jahres gestorbenen Lübecker Künstler Uwe Boschen.

26.04.2018

Lübeck/London. Das Esmé Quartett, das in der Klasse von Prof. Heime Müller Kammermusik an der Musikhochschule Lübeck studiert, hat einen der wichtigsten internationalen Wettbewerbe für Streichquartett gewonnen: Die Musikerinnen erreichten in London den ersten Platz der Wigmore Hall Competition.

25.04.2018

Lübeck „Talentlos, „klischeeverhaftet“, „dumm“ – der Literaturkritiker Dennis Scheck ist kein Fan von Sebastian Fitzek. Nein, das kann man nicht sagen. Die Frage ist, wie sehr Fitzek das zu schaffen macht. Über fehlenden Zuspruch kann der Thrillerautor nicht klagen.

25.04.2018