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Kultur im Norden Gregor Meyle: Vom Roadie ins Rampenlicht
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13:38 27.06.2019
Vom Soundtüftler zum Songpoeten: Gregor Meyle kommt mit seinem neuen Album „Hätt’ auch anders kommen können“ am 8. Dezember nach Lübeck in die MuK. Quelle: Foto: Christoph Höhmann
Hamburg

Vom Roadie ins Rampenlicht: Im Tourbus war Gregor Meyle früher der Tontechniker – Stefan Raabs Talent-Casting in der Show „TV-Total“ machte ihn 2007 schlagartig bekannt. Für den Songschreiber war das der entscheidende Schubs auf die Bühne in eine eigene Karriere.

Ihr aktuelles Album heißt „Hätt’ auch anders kommen können“. Wollten Sie damit eine gewisse Dankbarkeit ausdrücken?

Ja, Dankbarkeit, eine gewisse Demut und meine Familie sind zentrale Themen auf dem neuen Album. Ich kann jetzt seit zwölf Jahren als Musiker meinen Lebensunterhalt bestreiten, das ist schon klasse.

Zumal Sie zuvor erstmal einige Jahre als Tontechniker unterwegs waren . . .

Ich bin mit 18 Jahren praktisch als ungelernter Roadie in den Tourbus gestiegen und habe mich hochgearbeitet. Mal war hier ein Job frei, mal da. Das war manchmal fast am Rande der Hochstapelei. Ich habe nachts mit der Bedienungsanleitung für das Mischpult im Wohnmobil gesessen und mich eingelesen (lacht). Da waren viele bekannte Größen der Volksmusik dabei, dann kam auch mal ein Klassikkonzert dazu.

In Stefan Raabs Castingshow „SSDSDSSWEMUGABRTLAD“ („Stefan sucht den Superstar, der singen soll, was er möchte, und gerne auch bei RTL auftreten darf“) innerhalb von „TV Total“ belegten Sie 2007 den zweiten Platz.

Ich hatte das Glück, dass ich ab der zweiten Show entgegen dem Reglement mit eigenen Songs auftreten durfte. Die haben wir manchmal nach der Show bis nachts um 3 Uhr mit der TV Total-Band The Heavytones arrangiert. Mit der Gewinnerin Stefanie Heinzmann verbindet mich heute noch eine Freundschaft. Ein wahnsinniges Talent! Die war ja damals erst 17, als das stattfand und kam mit ihrem Stofftier immer ganz aus ihrem kleinen Ort im Wallis in der Schweiz in die große Stadt Köln angereist.

Album & Tour

Einen Produzenten braucht Gregor Meyle nicht. Der Sänger und Songwriter gründete sein eigenes Label Meylemusic, um von Plattenfirmen unabhängig zu sein. Dort ist 2018 auch sein sechstes Album „Hätt auch anders kommen können“ mit elf Tracks erschienen (Audio-CD 12,99 €, Vinyl 19,99 €, MP3 13,99 €).

Gregor Meyle gastiert heute Abend open air im Stadtpark in Hamburg und am 8. Dezember in der MuK. Karten im LN-Ticketshop unter: https://tickets.ln-online.de/

In Ihren meist autobiografischen Titeln wie „Das nennt man Glück“ und „Die Leichtigkeit des Seins“ befassen Sie sich mit den kleinen „Glücksformeln des Lebens“. Werden Sie manchmal von Fans gebeten, Lebenshilfe zu leisten?

Das seltener, aber das ist das Tolle, wenn man deutsche Texte singt: Da stehen 2000 Leute und jeder einzelne versteht was komplett anderes als der andere, weil er einen anderen Lebensumstand hat. Jeder hat ja sein Päckchen zu tragen, aber die Energie ist dieselbe. Ich würde ohnehin nie mit dem Zeigefinger da stehen und sagen, ihr müsst den Text so und so verstehen.

Vernünftige Metaphern bauen

Was reizt Sie daran, Musik mit deutschen Texten aufzunehmen, und in welche Fettnäpfchen kann man treten?

Man muss schon vernünftige Metaphern bauen, das hat bei mir auch eine Weile gedauert. Man steht mit den Texten bei einem deutschsprachigen Publikum viel mehr im Fokus, wenn man dann auch auf Deutsch singt. Ich glaube aber, wenn man englische Songs mal 1 : 1 übersetzt, kommt oft etwas Banales heraus.

Spüren Sie bei den Konzerten, dass Sie das Publikum unmittelbarer erreichen können?

Genau das ist das Faszinierende dabei: Der Text wirkt im selben Moment, in dem man ihn singt. Das ist so, als ob der Parmesan auch gleichzeitig auf der Bolognese drauf ist – wenn der Parmesankäse erst Minuten später kommt, ist das ja schade.

„Wow, das steckt also auch in diesem Lied“

Was ist bei Ihnen in der Regel zuerst da, die Musik oder der Text?

Das entsteht ganz oft parallel. Wichtig ist mir aber, dass die Musik nicht zu kurz kommt. Wenn ich nur den Sinn und die „Intelligenz“ eines Textes in den Vordergrund stellen würde, wäre das nicht gut, ich bin ja am Ende des Tages Musiker. Ich bin ein totaler Musik- und Sound-Nerd, lese aber auch gerne. Unser Pianist kann bestimmt 50 Gedichte auswendig, da bekomme ich immer schöne Dinge zu hören, wie man mit Sprache spielen kann, zum Beispiel „Des Sängers Fluch“ von Ludwig Uhland.

2014 wirkten Sie in der VOX-Produktion „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ mit und erlangten noch mal einen Popularitätsschub. Was ist Ihrer Meinung nach das Erfolgsrezept der Sendung?

Das ist einfach diese Ausnahmesituation. Du sitzt in so einer „Brad-Pitt-Villa“ in Südafrika und hast diese Lagerfeueratmosphäre, da vergisst man schnell die Kameras. Dazu kommt die Gänsehaut, die entsteht, wenn ein Künstler deinen eigenen Song in einem anderen Arrangement singt. Man ist vielleicht schon Jahre mit diesem Song unterwegs und denkt sich dann „Wow, das steckt also auch in diesem Lied, das war mir gar nicht bewusst“.

Gab es Vorurteile, weil Sie durch ein Casting bekannt wurden?

Das gab es mitunter, ich finde ja auch jetzt nicht allzu oft im Radio statt. Dafür sind die Konzerte immer gut besucht, die Hütte ist immer voll. Ich versuche ohnehin, Songs so zu schreiben, dass ich sie auch in zehn Jahren noch gern spiele. Sobald man anfängt, sich selbst zu formatieren, nur weil man damit kurzlebig vielleicht mehr Erfolg hat, kopiert man sich selbst. Zum Glück kann ich musikalisch machen, wozu ich Lust habe.

Familienfotos von Bryan Adams aufgenommen

Ihre Tochter ist zwei Jahre alt, ist sie auch schon musikalisch?

Oh ja, sie mag den Ausdruckstanz. Wenn im Supermarkt Musik läuft, hat sie schon ihre gewissen Moves drauf. Dann tanzen wir zusammen, das ist richtig niedlich.

Im Zuge der „Hear the world“-Kampagne eines Hörgeräteherstellers hatten Sie auch mit Bryan Adams zu tun . . .

Wir haben mittlerweile unzählige Kinder weltweit mit solchen Hörgeräten ausgestattet, auch in Südafrika. Da gibt es dann ganz rührende Szenen, etwa, dass ein Junge zum ersten Mal die Stimme seiner Mutter hören kann, weil er eine Batterie für sein Hörgerät hat. Bryan Adams ist der erste Botschafter und hat sich bereit erklärt, Fotos von allen anderen Botschaftern machen. Bei der letzten Session hat er sich eineinhalb Stunden Zeit genommen und gleich viele Familienfotos von uns gemacht, die hängen jetzt bei mir.

Für eine neue Hörfunkreihe des WDR durften Sie gerade Jamie Cullum interviewen . . .

Das war ein absolutes emotionales Highlight! Jamie kommt für mich musikalisch gleich nach Paul McCartney. Dass ich mich neben so jemandem selbst Künstler oder gar „Star“ nennen darf, ist schon fast eine Anmaßung.

Alexander Bösch

Jamie Cullum ist noch keine vierzig, aber mit zehn Millionen verkauften Alben schon Englands erfolgreichster Jazzmusiker – und live in der Sparkassenarena.

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