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Kultur im Norden Hans Liberg macht mächtig Dampf — respektlos und grob
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20:10 25.08.2015
Aus Tschaikowsky wird Cha-Cha-Cha: Hans Liberg am Flügel auf der Eutiner Freiluftbühne. Quelle: Erik Nielsen/fotonick
Eutin

Der Niederländer mit dem frechen Mundwerk kann alles spielen. Hans Liberg (61) bringt nicht nur sämtliche Ohrwürmer der musikalischen Weltliteratur hintereinander, er verwurstelt sie auch ineinander. Die Stücke verändern sich durch geschickte Modulationen, sodass „Solveigs Lied“ von Edvard Grieg zur „Moldau“ von Bedrich Smetana wird, um sich danach blitzschnell in „Peter und der Wolf“ von Sergej Prokofieff zu verwandeln.

Aus Peter Tschaikowskys b-Moll- Klavierkonzert wird plötzlich der Song „Y.M.C.A.“ von der Band Village People. Im gut besuchten Freilichttheater im Eutiner Schlossgarten unterhält der Entertainer sein Publikum mit Musik-Comedy unter dem Festival-Motto „Tschá-Tschá-Tschá Tschaikowsky“.

Nichts und niemand ist ihm heilig. Er geht der Frage nach, wer bei wem Themen und Motive geklaut hat und wirft mit musikalischen Zitaten nur so um sich. Liberg beweist, dass „klassische Musik nicht lustig ist, sondern lang und fast immer auf Deutsch oder Italienisch geschrieben wurde“.

Im weißen Anzug tritt Liberg auf. Auch die Instrumente des Kontrabassisten Remy Dielemans sowie das Schlagzeug von Ralph Adriaansen und ein Keyboard sind strahlend weiß. Die beiden jungen Musiker, die mit Liberg auf der Bühne stehen, spielen sehr gut, gehen aber völlig unter, denn Liberg macht die Show. Er ist dicht dran an seinen Fans, lacht und ulkt und spielt auf Zuruf sofort den Radetzky-Marsch oder Edvard Elgars „Pomp and Circumstance“. Der Holländer heizt ein, macht auf der Bühne mächtig Dampf, und das Publikum verlebt einen fröhlichen Abend.

Aber wo ist seine Musikalität geblieben? Hans Liberg hat Musik und Musikwissenschaft studiert und beschäftigt sich den ganzen Tag mit Musik. Ist es die Routine des Erfolgs, die bei ihm dazu führt, dass er die Stücke herunterholzt wie ein drittklassiger Pianist einer Vorstadtkneipe? Ob Bach, Tschaikowsky oder Brahms — es ist alles laut und grob. Das ist keine Music-Comedy. Das ist schade.

Cornelia Schoof

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