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Kultur im Norden Heidi Nadenos Farbenspiele in Lübeck
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17:32 28.02.2019
Farben mag sie lieber in gedämpften Tönen: Heidi Nadeno zeigt ihre Arbeiten im Kunstraum K70.
Farben mag sie lieber in gedämpften Tönen: Heidi Nadeno zeigt ihre Arbeiten im Kunstraum K70. Quelle: Kurz-Kohnert
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Lübeck

Heidi Nadeno ist 74 Jahre alt und in der Kunstwelt eher eine seltene Erscheinung: Im vergangenen Jahr hat der Kunstraum K 70 an der Engelsgrube 70 ihre meditativen Werke in gedeckten Farben zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Jetzt kommt Farbe ins Spiel: In der neuen Ausstellung sind knapp zwei Dutzend nichtgegenständliche Acrylbilder zu sehen. Heidi Nadeno hat sie gemalt, bevor zum „Gedämpften“ gelangt ist, mit dem sie sich eins fühlt. Ihre spannenden Farb-Versuche sind 2004/2005 entstanden.

Eine Mutprobe für die Künstlerin

„Mich hat interessiert, welche Wirkung ich mit Farben erzielen kann“, sagt die Künstlerin. Sie experimentierte mit den Grundfarben Gelb, Rot und Blau, malte mit dem Spachtel Schicht über Schicht und verfolgte mit geradezu akademischem Ernst ihr selbstgestecktes Ziel. „Ich musste mich regelrecht überwinden, um zu bestimmten Farben zu greifen“, gesteht sie. Zum Beispiel? „Rot und Ultramarinblau liegen mir gar nicht“, sagt sie. Das Ergebnis ihrer Reise ins Reich der Farben? „Ich habe zur Kenntnis genommen, was man machen kann,“ resümiert sie nüchtern.

Heidi Nadenos Mutprobe („Ich musste über meinen Schatten springen“) förderte leuchtende Farbkompositionen zutage - etwa ein Bild in Rottönen bis hin zum knalligen Pink mit orangefarbenen Akzenten, das wirkt wie zerknülltes Seidenpaper. Das habe sie nur Rainer Bendtfeldt zuliebe „freigegeben“, sagt sie, „eigentlich mag ich es gar nicht!“ Rainer Bendfeldt ist Künstler. Gemeinsam mit Alfred Hitz betreibt er das K70, weniger klassische Galerie als vielmehr Ausstellungsraum für Künstler mitten in der Altstadt, mit Erfolg bereits im fünften Jahr.

Ungeliebte Farben werden gedämpft

Mit einem anderen Bild in Rottönen kann sich Heidi Nadeno identifizieren. „Da habe ich das Rot eingefangen“, sagt sie. Durch stark verdünnte Goldton-Lasuren hat sie die ungeliebte Farbe gedämpft. „Alter Brokat“, heißt das Bild. Den Titel hat ihm Heidi Nadenos Tochter Julia verliehen, selbst freischaffende Künstlerin. Ihre Hinwendung zu gedeckten, gedämpften Farben wird in der Ausstellung deutlich: Einige Motive wie etwa Cello-Lack I und II sind zwar mit Gelb untermalt, aber Schwarz und Grau beherrschen die Oberfläche. Wenige weisen bereits das Zeichenhafte ihrer reduzierten Bilder in schwarzer Acrylfarbe auf. Diese und Bilder, gezeichnet mit Chinatusche in Schwarz, Sepia und Umbra, waren in der ersten Ausstellung Heidi Nadenos im vergangenen Jahr im K 70 zu sehen.

Die aktuellen Ausstellungen im Norden

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Malerei und Musik haben schon immer das Leben der heute 74-jährigen Künstlerin bestimmt. Als Kind hat sie viel gezeichnet, wurde aber von ihrer Mutter, einer verhinderten Künstlerin, ständig kritisiert und rührte dann als rebellierende Pubertierende keine Stifte an. Erst als ihre beiden Kinder erwachsen waren, nahm sie Unterricht bei dem in Stormarn lebenden Künstler Gabriel Constantinescu. Studiert hat Heidi Nadeno an der Musikhochschule in Hamburg -Orgel, Gesang und Schulmusik. Dort lernte sie ihren Mann Heinz Nadeno kennen, der fast drei Jahrzehnte Sänger am Lübecker Theater war. Tochter und Sohn haben augenscheinlich die kreativen Gene ihrer Eltern: Tochter Julia ist freischaffende Malerin in Lübeck, Sohn Johannes Fotograf in Berlin.

Vernissage mit Lesung: Sonnabend, 2. 3., 15 Uhr, bis 23. 3., Do und Fr 17-19 Uhr, Sa 12-14 Uhr. Bei der Ausstellungseröffnung trägt Klaus Rainer Goll Gedichte vor.

Dorothea Kurz-Kohnert