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Kultur im Norden Heinrich V. beim Crossing Border Festival in Lübeck
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Heinrich V. beim Crossing Border Festival in Lübeck
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06:00 24.06.2019
Regisseur Lewis Hudson (links) überwacht eine Kampfszene gegen den König.
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Lübeck

„Nicht rat, sondern raaat – mit einem tiefen A in der Kehle.“ Man fühlt sich ins Sprachkabinett des berühmten Professors Higgins versetzt, wenn Lewis Hudson auf der Probebühne des Lübecker Theaters das Sprechtraining leitet. Einzelne Vokale lässt der Regisseur immer wieder üben – in Englisch. Mit einer Gruppe von Laiendarstellern erarbeitet er Shakespeares Königsdrama Heinrich V. für zwei Aufführungen beim Theaterfestival Crossing Borders Ende Juni.

Der Traum vom Theater

Für den 26-jährigen Engländer ist „Henry V – This Star of England“ sein Abschlussprojekt im Freiwilligen Sozialen Jahr, das er als Regieassistent am Theater Lübeck absolviert hat. Hudson stammt aus der Kleinstadt Chichester, hat seit seinem elften Lebensjahr Deutsch gelernt und in Manchester und Hamburg Germanistik studiert. Bereits in seinem zweiten Studienjahr inszenierte er mit Studenten in Manchester Brechts Arturo Ui in deutscher Sprache. Seither weiß er, wo er hinwill: als Regisseur zum Theater.

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Hospitanz im Thalia-Theater

„Dazu habe ich mir über das Internet eine Hospitanz gesucht und beim Thalia-Theater in Hamburg auch gefunden. Nach einem Interview per Skype wurde ich eingeladen“, blickt er zurück. Dort konnte er an Gernot Grünwalds Inszenierung „Performing Embasssy of Hope“ mitarbeiten, übernahm Regie-Aufgaben am Teleprompter sowie Einsätze in der Requisite und als Statist. Eine lehrreiche Zeit. Eine Bekannte vermittelte ihn dann nach Lübeck, wo er an Bernsteins Oper „A Quiet Place“ und Tschechows „Drei Schwestern“ mitwirkte. Zum Herbst geht es zurück nach Hamburg: Hudson wird Regieassistent am Deutschen Schauspielhaus.

Eine Stunde für den „Star of England

Um das Drama aus dem Hundertjährigen Krieg mit dem Sieg der Engländer über Frankreich bei Azincourt (1415) stringent zu erzählen, hat Hudson das Werk auf ein Drittel gekürzt. Bleibt rund eine Stunde für das Spektakel um den „Star of England“, einen jungen König, der es versteht, seine Landsleute in einem aussichtslos erscheinenden Kampf gegen Frankreich mitzureißen. Eine Heldenrolle, in der schon die Großen der englischsprachigen Theaterwelt glänzen konnten, von Laurence Olivier und Richard Burton bis zu Kenneth Branagh.

Warum dieses Stück? „Vor allem wegen der Figur des Königs. Henry ist für die Briten bis heute ein Nationalheld, aber längst nicht so ruhmreich, wie es der Mythos will“, erläutert der Regisseur. „Shakespeare zeigt vielmehr einen Zerrissenen, der moralisch handeln will, aber Gewalt und Grausamkeit nicht verhindern kann. Seine Zweifel, das Richtige zu tun, geben dem Stück seine besondere Dramatik.“ Für den Nachwuchsregisseur passt es ideal zum Festivalthema Grenzüberschreitung: „Auf verschiedenen Ebenen: Engländer erobern Frankreich, oder auch: Deutsche spielen Shakespeare im Original.“

Das Festival Crossing Border beginnt am Mittwoch, 26. Juni, mit der Bürgerbühnenproduktion „Die Grenze in mir“. „Henry V.“ ist zu sehen am 28. Juni, 20 Uhr, und am 30. Juni, 13 Uhr, auf dem Campus der Vorwerker Diakonie, Triftstraße 139 143; Karten gibt es an der Theaterkasse, Tel. 0451/399 600, oder unter www.theaterluebeck.de

Matthias Schütt