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Kultur im Norden Hoch zu Ross von Athen nach Kassel
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18:15 30.03.2017
100 Tage später ist das Fridericianum in Kassel das Ziel von vier Reitern beim 3000-Kilometer-Ritt quer durch Europa. Quelle: Fotos: Dpa, Ddp

Frankfurt/Main. 3000 Kilometer in drei Monaten: Vier Reiter wollen während der documenta 14 die Strecke von Athen nach Kassel zu Pferde zurücklegen. Sie verbinden so die beiden Ausstellungsorte der Kunstausstellung miteinander – und zeichnen damit auch eine der Fluchtrouten quer durch Europa nach.

Zum Start der documenta werden vier Reiter von der Akropolis bis Kassel reiten.

Die Idee stammt von dem schottischen Konzept-Künstler Ross Birrell. Sein documenta-Beitrag trägt den Titel „The Transit of Hermes“. Er nennt es „ein mobiles, partizipatorisches, menschlich-pferdeartiges, 100 Tage andauerndes Ensemble“, wie auf der documenta-Homepage angekündigt wird.

Der Ritt beginnt am 9. April, am Tag nach der Eröffnung der Weltkunstausstellung in Athen. Die Route führt durch Griechenland, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien und Österreich nach Deutschland. Ankommen sollen die Reiter am 9. Juli, etwa einen Monat nach der Eröffnung der documenta in Kassel.

Vier erfahrene Langstreckenreiter unternehmen die Tour im Namen der Kunst: Der Norddeutsche David Wewetzer, der Schweizer Peter van der Gugten, der Ungar Zsolt Szabo und Tina Boche aus Bayern. Sie nutzen vier verschiedene Pferderassen: Criollo, Haflinger, Kabardiner und Karabagh. Begleiten wird sie laut Projektbeschreibung ein Tier der Pferderasse Arravani namens Hermes, benannt nach dem Götterboten aus der griechischen Mythologie.

David Wewetzer (52) hat sich für den Ritt Urlaub genommen. Im Brotberuf arbeitet er an einem Informatik-Institut der Universität Bremen. In seiner Freizeit unternimmt er Langstrecken-Ritte. Im Jahr 2010 zum Beispiel ritt er auf „Giacomo“ rund 1 700 Kilometer entlang der innerdeutschen Grenze. Am Priwall startete Wewetzer, 63 Tage lang war er unterwegs und suchten die Begegnung mit Menschen entlang des sogenannten grünen Bandes. Zum Start der Aktion sollen zwölf Reiter vom Fuße der Akropolis mit ihren Pferden über die Marmor-Fußwege der Altstadt zum Parlament traben. Das hatte der Archäologische Rat in Athen schon im Februar verkündet. Zu den fünf Pferden des „Hermes“-Projekts kommen dabei laut Wewetzer noch sieben, schon in der Antike bekannte Skyros-Ponys.

Auf ihrem Weg durch Europa werden die Reiter von einem Dokumentarfilm-Team begleitet. Streckenweise sollen lokale Reiter-Teams die documenta-Botschafter begleiten. Über die künstlerische Aussage der Aktion darf sich Wewetzer nicht äußern, „das ist der documenta vorbehalten“. Für ihn persönlich ist der Athen-Kassel-Ritt „eine once-in-a-lifetime-Chance“, sagte er.

Das Kunstprojekt wurde inspiriert durch einen Langstreckenritt von Südamerika nach Nordamerika: Zwischen 1925 und 1928 war der schweizerisch-argentinische Reiter Aimé Felix Tschiffely auf zwei Criollo-Pferden zwischen Buenos Aires und New York unterwegs, wobei er viele Migrationswege unserer Zeit voweggenommen hat. Er dokumentierte seinen Ritt im Buch „Tschiffely’s Ride“, das 1933 erschien.

documenta 14

Die weltweit wichtigste Schau für Gegenwartskunst wird in diesem Jahr zum ersten Mal nicht nur in Kassel, sondern an zwei Orten zu sehen sein: Sie beginnt in Athen (8. April bis 16. Juli) und zwei Monate später (10. Juni bis 17. September) an ihrem traditionellen deutschen Standort rund um das Museum Fridericianum in Kassel.

150 internationale Künstler sind in diesem Jahr beteiligt. Nach Angaben der Geschäftsführung kostet die documenta 14 rund 34 Millionen Euro.

Das Tagesticket kostet 22 Euro, zwei Tage documenta sind für 38 Euro zu haben, eine Dauerkarte für die 100 Tage der Ausstellung kostet 100 Euro.

Sandra Trauner

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