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Kultur im Norden Im Rausch der Farben
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18:10 26.02.2018

Zeitgleich zur großen Max-Beckmann-Ausstellung zeigt das Museum Barberini in vier großzügigen Sälen des Erdgeschosses 39 großformatige, oft quadratische Gemälde aus dem gesamten Schaffen Fußmanns.

Viele Jahre unterrichtete er als Professor an der Hochschule der Künste in Berlin. Fußmann war es auch, der 1996 als erster Künstler seine Arbeiten – natürlich Landschaften – im Bundeskanzleramt Bonn ausstellen durfte.

„Ich bin sehr zufrieden, ich mag die Ausstellung. Man sieht hier die geballte Kraft von 20, 30 Jahren“, sagt der Künstler. Wer sich Fußmanns Bilder erschließen möchte, sollte Zeit und Muße mitbringen. Denn Deutungen sind nicht immer einfach – und das ist vom Maler, der zumeist Familienangehörige oder Freunde mit dem Gesicht zum Betrachter in der Landschaft platziert, so gewollt. „Ich kann genau sagen, wie es zum Bild gekommen ist. Ich kann aber nicht genau sagen, was ich meine.“ Der Künstler beruft sich in seiner Erklärung auch auf Rainer Maria Rilke. Der Dichter habe gesagt, Bilder dürften nicht entziffert werden, sonst würden sie spannungslos. „Das Rätsel ist das Eigentliche, was uns fasziniert“, so Fußmann.

Als Beispiel nimmt er das Gemälde „Abstürzender (Ikarus)“ aus dem Jahr 1987. Auf dem Bild fällt Ikarus völlig unbemerkt von pflügenden Bauern ins Meer. Ähnliches habe sich im Mai 1987 zugetragen, als vor seinem Haus in Düstnishy ein Fallschirmjäger niederging – unbemerkt vom Neffen, der eine Hecke schnitt. Fußmann sah es durch Zufall und erfuhr später, dass Jahre zuvor ein Fallschirmjäger tatsächlich in das nahe Moor abgestürzt war. Er überlebte zum Glück.

Oder nehmen wir das Bild „B. im Garten“, das eine Frau inmitten eines Blumenmeers zeigt. Der Maler benötigte 20 Jahre – von 1994 bis 2015 – zur Vollendung. „Irgendwas hat mir immer nicht gefallen.

Das Bild stand im Atelier, wurde ab und an hervorgekramt, angesehen und wieder weggestellt.“ 2014 gestaltete der Maler den Himmel neu, ein Jahr später wurde das Bild vollendet.

„Es gibt nie den romantischen Blick, dafür sehr viel Psychologie“, beschreibt Museumschefin Ortrud Westheider die Faszination der Bilder Fußmanns. Es seien Bilder zum Fühlen, ergänzt die Kunsthistorikerin, nicht zuletzt wegen der oftmals üppig aufgetragenen Farbmengen. Das Gros der Werke stammt von Museumsstifter Hasso Plattner, der seit Beginn seiner Sammeltätigkeit ein großer Fußmann-Anhänger ist. Wer mag, kann Parallelen zwischen Fußmann und Wolfgang Mattheuer (Ikarus-Motive) ziehen, den Plattner ebenfalls präferiert. Oder zu Edvard Munch, dessen Schrei der Betrachter vielleicht beim „Zeitsprung“ erkennen mag. Fußmann hört sich die Vergleiche an und lässt die Antwort offen. Rätsel sollen Rätsel bleiben.

Von Jens Trommer