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Kultur im Norden Im Rausch der Tiefe
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18:10 24.02.2018
Die Bad Oldesloerin Kirsten Jakobsen und ihr Mann Joachim während der Dreharbeiten zu „Der Blaue Planet“.
Die Bad Oldesloerin Kirsten Jakobsen und ihr Mann Joachim während der Dreharbeiten zu „Der Blaue Planet“.
Bad Oldesloe

Joachim Jakobsen und seine Frau Kirsten befinden sich während dieser Begegnung im Inneren ihres 7,5 Meter langen Tiefsee-U- Bootes Lula1000, mit dem die Wissenschaftler seit fünf Jahren die Unterwasserwelt des Atlantiks erkunden. Auf bis zu 1000 Meter Tiefe kann das auf der Azoreninsel Faial lebende Forscherpaar mit ihrer Lula gehen. 100 Bar drücken dabei auf die Edelstahlhülle des U-Bootes.

Hier ein Video der BBC dazu

Auch die 1,40 Meter große und 14 Zentimeter starke Plexiglaskuppel muss diesem Druck standhalten. Zum Vergleich: Taucher können nur etwa 50 Meter tief gehen. Darunter wird’s gefährlich.

Schweißperlen auf der Stirn

Als Gast an Bord hatten die Jakobsens in jener Nacht einen Naturfilmer der BBC, dem ebenfalls „die Schweißperlen auf der Stirn standen“. Das Zusammentreffen mit den Sechskiemerhaien, Tiefseekreaturen, die fast nie an die Oberfläche schwimmen, war nämlich keineswegs einem Zufall geschuldet, sondern der Neugier und Risikofreude der Forscher so wie auch der Kooperation, die sie mit der BBC eingegangen waren. Die hochauflösenden Unterwasseraufnahmen, die ihre lichtempfindliche Kamera von bislang unentdeckten Tiefseelebewesen seit 2013 liefert, hatten das Interesse des britischen Senders geweckt. Die Jakobsens ließen sich für die Neuauflage der höchst erfolgreichen Dokumentation „Blauer Planet“ gewinnen und lieferten dem Kameramann in ihrem Tauchgebiet vor den Azoren die spektakulären Aufnahmen.

„Wir wussten, dass kürzlich ein junger Pottwalbulle gesunken war“, erzählt Joachim Jakobsen, „er wird einen Kampf gegen einen Rivalen verloren haben. Pottwale raufen manchmal ziemlich.“ Und dass Sechskiemerhaie „dort unten gründlich aufräumen“, war der gebürtigen Bad Oldesloerin Kirsten Jakobsen und ihrem Kölner Ehemann ebenfalls klar. In der Aussicht auf spektakuläre Bilder machten sie die Lula startklar.

Ihre Liebe zum Meer hatte Kirsten Jakobsen schon als Kind entdeckt – während zahlreicher Ferien auf Föhr. Die Faszination der Tiefsee war ihr damals jedoch noch fremd. Die hat der Norddeutschen erst ihr Mann nahegebracht, der schon als Junge die Unterwasser- und Kamerapioniere Dimitri Rebikoff und Ada Rebikoff-Niggeler kennenlernte und mit fünf Jahren die erste Tauchflasche geschenkt bekam.

Kennengelernt haben sich die ehemalige Verwaltungswirtin und der Profitaucher während ihrer Zeit in der deutschen Botschaft in Lissabon.

Die Haie rollten mit den Augen

Der Tausch Schreibtisch gegen Ozean sei ihr nicht besonders schwergefallen, sagt die 48-Jährige. Heute führt Kirsten Jakobsen auf allen Tauchgängen die Kamera, ist für die Beleuchtung zuständig sowie für das Mitloggen aller Navigationsdaten. So auch in jener Nacht, die jede Vorstellung übertreffen sollte. „Die Haie schwammen direkt an uns vorbei und rollten mit ihren handtellergroßen Augen“, erinnert sich Joachim Jakobsen. „Die Plexiglasscheibe ist so geformt, dass sie unter Wasser unsichtbar wird. Immer wieder versuchten die vier bis fünf Meter langen Tiere nach unseren Händen zu schnappen und überprüften dabei ausgiebig die Stoßfestigkeit des Materials.“

Erst nach drei Stunden hatten die ausgehungerten Kiemerhaie, die meist nur ein- bis zweimal im Jahr fressen, den Fremdling aus Edelstahl akzeptiert und widmeten sich dann wieder ausschließlich ihrem Leichenschmaus. „In fünf Stunden hatten sie 20 Prozent des Wals verschlungen. Als wir 24 und 48 Stunden später noch einmal runtergingen, fraßen sie immer noch, wenn auch langsamer“, erinnert sich der Tierfilmer, „Ein wenig traurig war es schon zu sehen, wie so ein wunderschöner, nicht sehr alter Wal gefressen wird. Aber alles hat seinen Sinn im Leben wie auch im Meer.“

Sechsteilige Doku über Unterwasserwelten

„Der Blaue Planet“ entführt die Zuschauer in unbekannte Welten. 6000 Stunden haben die Doku- Macher unter Wasser verbracht, um aufregendes Material zu sammeln. Die Filmteams unternahmen in vier Jahren 125 Expeditionen in 39 Ländern. Das Ergebnis der Dreharbeiten von BBC und ARD läuft jetzt montags. Die Filmmusik kommt von Starkomponist Hans Zimmer, Sprecher der Doku-Reihe ist der Schauspieler Axel Milberg.

Am Montag, 26. Februar, ist um 20.15 Uhr in der ARD die Folge „Leuchtende Tiefsee“ mit dem Haialarm zu sehen. Außerdem gehen wilde Tintenfischhorden auf Jagd, Korallengärten blühen in absoluter Dunkelheit und es gibt Fische, die nicht schwimmen, sondern laufen.

Online: www.daserste.de

 Susanne Böllert