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Kultur im Norden Ingo Appelt gibt in Lübeck den „Staatstrainer“
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15:15 13.12.2019
Komiker Ingo Appelt tritt als „Staatstrainer“ an gegen die deutsche Depression. Quelle: Ava Elderwood
Lübeck

Wenn er kommt, haben die Nörgler Sendepause. Das zumindest lässt das Management von Ingo Appelt angesichts seines neuen Programms „Der Staatstrainer“ vollmundig verkünden. Der Komiker habe nämlich ein Geheimrezept gegen die deutsche Depression gefunden. „Es gibt so lange auf die Zwölf, bis die Sonne wieder scheint. Schmerzen werden weggelacht“, heißt es da. Schon ein einziger Besuch seines neuen Programms ersetze mehrere Jahre Therapie. Der Mann mit der markanten „Gabriele Krone-Schmalz-Gedächtnisfrisur wolle „der Miesepetrigkeit den Rest geben – und zwar mit einem gezielten Tritt in den Arsch“. Der 1967 in Essen geborene Comedian hat die Höhen und Tiefen der hiesigen Entertainmentlandschaft bereits hinreichend erlebt und gehört zu den Veteranen der Szene.

Meister des schwarzen Humors

Angesichts des an Anekdoten reichen Lebens des 52-Jährigen verwundert es vielleicht nicht, dass sich Appelt schon früh dem komischen Fach zuwandte. Seine Mutter war elf Jahre lang mit einem Fußballspieler verheiratet. Appelt selbst heiratete in Las Vegas die ehemalige Barchefin des Quatsch Comedy Clubs Berlin. Es gibt überdies sogar einen Bobfahrer mit seinem Namen. Zu den vielleicht nicht jedermann bekannten „Fun Facts“ rund um den Meister des schwarzen Humors dürfte genauso gehören, dass Appelt gelernter Maschinenschlosser ist und sich vor Beginn seiner Karriere lange Zeit gewerkschaftlich engagierte.

Gelegentliche geschmackliche Entgleisungen

Seinen ersten Comedyauftritt absolvierte er denn auch auf der Jugendkonferenz der IG Metall. Bei Appelts ersten Auftritten zu Beginn der 90er Jahre, etwa bei RTL Samstag Nacht und im Quatsch Comedy Club, wurde Appelt unter anderem mit seiner legendär phlegmatischen „Laaangsaaam“-Parodie des glücklosen Verteidigungsministers Rudolf Scharping bekannt. Ein paar Jahre später wurde dem Komiker eine eigene Show auf Pro 7 angeboten. Wegen einiger geschmacklicher Entgleisungen – Appelt hatte unter anderem in einem Sketch Kinder darstellende Puppen wie Fußbälle weggetreten – und enttäuschender Quoten wurde die Sendung vorzeitig eingestellt. Provokant gemeinte Gimmicks wie das demonstrative Hochhalten eines Schilds mit der Aufschrift „F**** * stießen ebenfalls nicht überall auf Gegenliebe.

Konkursverwalter der Männlichkeit

Appelt vernachlässigte sein politisches Engagement jedoch nicht während seiner Karriere. So war er im März 2012 eines der Mitglieder der 15. Bundesversammlung, die Joachim Gauck zum Bundespräsidenten wählte. In seinen Soloprogrammen nahm sich der Brachialkomiker, ähnlich wie Kollege Mario Barth, immer wieder des nimmer endenden humorigen Quells der Geschlechterrollen an. In „Göttinnen“ betete er vermeintlich die holde Weiblichkeit an. In seinem 2015 entstandenen Bühnenprogramm „Besser ist besser“ schwang sich Appelt zum selbst ernannten „Konkursverwalter der Männlichkeit“ auf. Sein bislang einziges Buch „Männer muss man schlagen“ erschien bereits 2008. Mit der„Männer-Verbesserungscomedy“ ging es dann einige Jahre auf Tour. Jetzt ist Appelt als „Der Staatstrainer“ zurück.

Dieses Mal als „Volks-Ingo“ für beide Geschlechter. Der „Ingo für alle“ sieht sich laut Pressetext als Anwalt „für alle Überforderten und Unterbezahlten, alle Angestrengten und Ausgebeuteten“ sowie für alle, „die ohne Video-Tutorial nicht mal mehr eine Dose vorgekochte Nudeln aufkriegen, keine gerade Tapetenbahn an die Wand geklebt bekommen und deren Hunde zuhause längst das Kommando übernommen haben“. Auf die parodistischen Klassiker des Ruhrpottclowns wie die von Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg und Rudolf Scharping müssen die Fans sicherlich ebensowenig verzichten.

Ingo Appeltgastiert am 14.12. um 20 Uhr mit „Der Staatstrainer“ im Kolosseum in Lübeck. Am 15.12. ist er in Kappeln zu sehen, am 16. und 17. 12. in Hamburg in Schmidts Tivoli.

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