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Kultur im Norden Interview mit Axel Prahl
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16:20 17.04.2019
„Ich bin zum Teil wirklich sehr anhänglich, was die Menschen um mich herum betrifft, die ich liebe“: Axel Prahl. Quelle: Imago images / Photopress Müller
Lübeck

Bekannt ist Axel Prahl vor allem als Kommissar Thiel im Münsteraner „Tatort“. In dem heute startenden Animationsfilm „Die sagenhaften Vier“, der lose auf der Geschichte der Bremer Stadtmusikanten basiert, leiht er dem Hund Elvis seine Stimme.

Herr Prahl, Sie sind Träger des Deutschen Animationssprecherpreises. Bedeutet er Ihnen ähnlich viel wie ein Darstellerpreis?

Darüber habe ich mich wirklich sehr gefreut. Auch, weil ich noch nicht so lange dabei bin. Ich habe früher schon synchronisiert, zum Beispiel einige Folgen von „Miami Vice“. Bei Peter Kirchberger in Hamburg habe ich meine ersten Erfahrungen gesammelt. Als ich nach Berlin ging, riss das dann schlagartig ab. Und jetzt kam es wieder. So ähnlich erging es mir mit der Musik. Ich war ja früher Musiker. Und im zarten Alter von 51 durfte ich dann endlich mein Debütalbum herausbringen.

Englisch, Spanisch, Plattdeutsch

1960 in Eutin geboren und im holsteinischen Neustadt aufgewachsen, hat Axel Prahl in Kiel Mathematik und Musik zu studieren begonnen. Nach einem Schauspielstudium in Kiel arbeitete er zunächst am dortigen Theater, Anfang der 90er wurde er beim Berliner Grips-Theater heimisch. Im Fernsehen kennt man ihn vor allem als „Tatort“-Hauptkommissar Frank Thiel, im Kino hat er viel mit dem Regisseur Andreas Dresen zusammengearbeitet („Nachtgestalten“, „Willenbrock“). Bei „Sprachen“ steht auf seiner Homepage: „Berlinerisch, Englisch, Norddeutsch, Plattdeutsch, Spanisch“.

Stimmt es, dass der Satz „Etwas Besseres als den Tod finden wir überall“ aus den Bremer Stadtmusikanten auf Ihren Wunsch hin in den Film eingeflossen ist?

Ja. Ich halte diesen Satz für den wichtigsten im ganzen Märchen. Er ist grandios. Er sagt, dass es immer ein Licht am Ende des Tunnels gibt. Und das ist auf jeden Fall auch ein Lebensmotto von mir.

Sind Sie ein Katzen- oder ein Hundemensch?

Das ist schwer zu sagen. Wahrscheinlich eine eher ungewöhnliche Mischung aus beidem. Wie würde so eine Hundekatze wohl aussehen? Vielleicht so ein bisschen waschbärmäßig. Ich bin zum Teil wirklich sehr anhänglich, was die Menschen um mich herum betrifft, die ich liebe. Ich freue mich immer sehr, sie zu sehen. Trotz alledem habe ich immer auch meinen eigenen Kopf und bin manchmal etwas eigenwillig.

Besser ohne Lügen

Wie gefällt es Ihren Kindern, wenn ein Hund oder ein Rabe spricht wie ihr Papa?

(lacht) Die sind natürlich von Stolz erfüllt. Da muss man immer ein bisschen vorsichtig sein. Die Kinder sollen einmal ihren eigenen Weg gehen. Auf diesen Lebensweg will ich sie vorbereiten, ganz unabhängig von mir. Sie sollen einen Satz wie „Etwas Besseres als den Tod finden wir überall“ beherzigen und moralische Werte vertreten, die auch im Film von Bedeutung sind: Man kommt ehrlich und ohne Lügen langfristig besser durchs Leben.

Wie haben Sie Ihre Kinder erzogen, was den Medienkonsum betrifft?

Da geht es mir wahrscheinlich ähnlich wie vielen, vielen Eltern überall auf der Welt. Man muss dem schon irgendwie Einhalt gebieten. Ich habe auch einen Sohnemann, der sehr gern vor dem Fernseher hockt. Ich versuche die Kinder anzuspornen, dass sie auch mal nach draußen gehen. Wir haben viel Gartenarbeit zu erledigen, da versuche ich sie zu involvieren. Dabei können sie auch viel von der Pflanzen- und Tierwelt begreifen. Was die Smartphones angeht, kommt man ja gar nicht mehr umhin. Sie werden ja schon allein von der Schule geradezu eingefordert. Das ist Fluch und Segen zugleich. Natürlich ist es gut, dass es diese Erreichbarkeit gibt. Aber was diese ganzen Spiele angeht, wird die Kontrolle doch schwieriger. Da muss man die Handys schonmal konfiszieren, damit nicht weiter gedaddelt wird, wenn der Computer schon weg ist.

Autoritäten infrage stellen

Die Polizisten werden im Film einmal mehr als Trottel dargestellt. Kann man nie früh genug damit beginnen, Autoritäten zu untergraben?

(lacht) Naja, ich sage es mal so: Man sollte auch die Autoritäten immer mal wieder infrage stellen dürfen. Das ist dem Respekt ihnen gegenüber förderlich und nicht abträglich. Und manchmal sollte man Dinge auch einfach nicht so streng nehmen. Wir sind alle nur Menschen, jeder macht mal einen Fehler. Es kann doch tatsächlich mal passieren, dass man ein Verkehrsschild übersieht. Dass das dann immer gleich rigoros mit extremen Strafen geahndet wird, finde ich auch nicht so im Sinne des Erfinders.

Die Katze Marnie aus dem Film liebt Krimiserien über alles. Sie spielen selbst in einer vergleichsweise erfolgreichen Krimireihe namens „Tatort“ mit. Sind bei Ihnen nach 34 Episoden Ermüdungserscheinungen zu verzeichnen?

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass wir uns immer sehr auf die Drehzeit freuen. Es ist schon auch immer sehr viel Spaß dabei. Es ist wirklich noch so wie am ersten Tag. Wir haben uns alle noch sehr, sehr lieb. Diese gemeinsame Zeit macht Freude, auch wenn sie zugegebenermaßen häufig sehr anstrengend ist. Tage mit zwölf Arbeitsstunden können passieren. Und manchmal ist auch nicht alles eitel Sonnenschein. Aber dann sieht man das Resultat und sagt: Okay, es hat sich wieder gelohnt.

Durch die Sierra Nevada

Elvis träumt davon, mit der Harley durch den Westen der USA zu cruisen. Sie auch?

Mein Ziel wäre eher die spanische Sierra Nevada, die ja auch eine grandiose Landschaft bietet. Diese Weite, in der nichts das Auge hält und der Gedanke weit schweifen kann. Es gibt viele Regionen, die ich mir gern mit meiner Frau und meinen Kindern anschauen würde.

Mögen Sie Elvis, das Original?

Ja, doch! Dieser Musiker war schon ein Jahrhundertereignis.

Ist die Musik für Sie ein schöner Ausgleich oder Ihre eigentliche Leidenschaft?

Musik ist für mich nicht nur ein Ausgleich. Ursprünglich komme ich ja aus der Musik, ich wollte Musiker werden. Es war aber damals relativ schwierig, davon leben zu können. Ich habe Gitarrenunterricht gegeben. Es gab eine eigene Combo, die hieß „ImPuls“. Mit ihr konnten wir schon erste Erfolge beim „Abend für junge Hörer“ beim NDR verzeichnen. Dann bot sich mir die Gelegenheit, das Schauspiel zu erlernen. Damit gab es dann sogar noch ein monatliches Salär am Kieler Theater. Und da ich kurz davorstand, Vater zu werden, habe ich mich für dieses monatliche Salär entschieden. So kam es dazu, dass ich erst mal die schauspielerische Laufbahn einschlug. Was erfreulicherweise auch von Erfolg gekrönt ist.

Mit Irokesenschnitt

Können Sie die Musik heute mehr genießen?

Auf jeden Fall. Als Schauspieler habe ich zum Beispiel nie eine private Frisur. Wenn ich als Musiker privat bin, kann ich lang oder kurz tragen oder mir einen Irokesenschnitt machen. Oder ich kann mir einen Bart sprießen lassen. Im Beruf des Schauspielers ist das schwerlich möglich.

Wer wäre Ihr Traumpartner für ein Duett?

Joni Mitchell!

André Wesche

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