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Kultur im Norden Ferris MC in Lübeck: „Ich mach einfach mein Ding“
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Ferris MC in Lübeck: „Ich mach einfach mein Ding“
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22:21 12.10.2019
„Ich bin auf jeden Fall norddeutsch“: Ferris MC Quelle: Warner Music
Lübeck

Die meisten kennen ihn als Ferris MC, als Rapper und vor allem Teil der Deichkind-Familie, deren festes Mitglied er zehn Jahre lang war. Aber Sascha Reimann, der hinter diese Figur steckt und sich manchmal auch gern Ferris Hilton nennt, ist noch viel mehr.

Du bist zum Teil in Neumünster aufgewachsen und später in Kiel – was hast du davon noch in Erinnerung?

Ich war relativ klein und erinnere mich nicht wirklich an die Zeit. Neumünster war vom dritten bis zum sechsten Lebensjahr, danach kam Kiel bis zum achten Lebensjahr – und von da ging es nach Bremen, wo ich groß geworden bin.

Wie ist deine Beziehung zum Norden? Magst du ihn?

Ich lebe hier ja bis heute. Von daher bin ich auf jeden Fall mehr norddeutsch als ich eine rheinländische Frohnatur bin.

Du machst Rap, Hip Hop, Rock, Punkrock, Elektro – das Interessante ist, dass man dich nicht greifen kann als Künstler. Ist das eine Rolle oder bist du so?

Ich bin so. Eine Zeit lang hatte ich schon das Gefühl, als Künstler greifbar zu sein, so bis 2004 – danach ging das Chaos los, dass ich die Genres immer mehr miteinander vermischt hab. Es war zwar nicht meine Absicht, aber ich habe an dem Feedback gemerkt, dass das für viele Fans nicht mehr greifbar war und ihnen irgendwo der rote Faden in meiner Musik fehlte. Aber so funktioniert das Künstlerdasein, also das Musikmachen, für mich nicht!

Sondern?

Ich mach einfach mein Ding. Und die Leute, die etwas damit anfangen können und offen sind, die akzeptieren mich und feiern das auch.

Magst du das Freak-Image oder bist du ein Freak?

Naja, die Ecken und Kanten gehören einfach zu mir und irgendwann ist das Freak-Sein auch eine Art Stilelement für die Musik geworden, die man machen möchte. Privat bin ich mittlerweile etwas ruhiger geworden – aber auf der Bühne ist halt immer noch Entertainment angesagt.

Ist es okay für dich, zu sehen, was Deichkind jetzt macht, oder komisch? Zehn Jahre sind ja eine lange Zeit. . .

Das war ein ganzer Lebensabschnitt und zwischendurch knabbert man auch dran. Aber für mich war die Zeit gekommen, zu gehen. Ich bin 2008 eingestiegen in eine Band, die wie eine Familie war. Ausgestiegen bin ich 2018, als aus der Familie ein Unternehmen geworden ist. Und das war nicht mehr meins.

Habt ihr Kontakt?

Im Augenblick nicht, aber es ist alles ok so.

Dein aktuelles Album heißt: Wahrscheinlich nie wieder vielleicht – auch wieder etwas, was viel offen lässt.

Stimmt. Es ist auch etwas rockiger, weil ich einfach mal wieder Bock drauf hatte. Und dann bin ich auch neu in dem Projekt „Phönix aus der Klapse“, das ist wiederum etwas raprockiger.

Es gibt einen metal-artigen Song namens „Fake News“ von dir. Warum hast du diesen Song gemacht?

Angelehnt ist es an den Skandal um Spiegel-Reporter Claas Relotius. Ich hatte Bock auf einen Song rund um das Thema und ich positioniere mich da auch – aber Diskutieren und andere Belehren, wie das im Netz gerade so aktiv betrieben wird, ist nicht meins. Ich gebe lieber Benefizkonzerte oder mache Musik dagegen, aber ich mische mich nicht in irgendwelche Debatten ein, weil es nichts bringt und nur Gelaber ist. Ich bin mehr für richtige Aktionen statt für irgendwelche Hashtags.

Als Schauspieler an der Seite von Til Schweiger

Sascha Reimann alias Ferris MC mochte es noch nie, sich auf etwas festlegen zu lassen – und hat mit seiner grenzenlosen Energie schon große Erfolge als Chartstürmer, Schauspieler, Produzent und DJ hingelegt.

Als Freak nahm er heute 46-Jährige in der deutschen Hip-Hop-Szeneschon immer einen Sonderplatz ein. Auch die Affinität zur elektronischen Musik und Rockwar immer schon vorhanden, so dass er gern mit den Genres herum experimentiert.

Zudem begann Reimann im Laufe der Zeit auch eine Schauspielkarriere und spielte in diversen Kino- und TV-Produktionen mit, unter anderem in „Zwölf Meter ohne Kopf“, „Taxi“ oder zuletzt im Hamburger „Tatort“ neben Til Schweiger. Außerdem ist er mit Eko Fresh zusammen in der ZDF Neo Serie „Blockbustaz“ zu sehen.

Am Sonnabend, den 23- November spielt Ferris MC als DJ ab 22 Uhr im Riders Café. Karten für die Party gibt es zum Preis von 15 Euro unter anderem bei den LN Geschäftsstellen. MehrInfos und Termine gibt es auf seiner Facebook-Seite https://www.facebook.com/ferrismachtlaut/

Wie hältst du es mit Social Media generell?

Ich hab sämtliche Plattenfirmen durch und festgestellt, dass Social Media der beste Weg ist, sich selbst zu promoten und mit den Leuten direkten Kontakt zu haben. Da bin ich etwas aktiver geworden in letzter Zeit.

Nun kommst du am 23. November nach Lübeck... Was dürfen die Leute da erwarten? Rap, Rock, Elektro? Oder einfach nur Abriss?

Auf jeden Fall Abriss! Allerdings nicht als Rapper sondern als DJ mit einem Elektro-Set, das es in sich hat.

Also so wie dein Auftritt im Juni auf der Kieler Woche. Da legt man aber nicht auf . . .

Warum nicht?

Weil man natürlich auf der Travemünder Woche auflegt.

Mögen Kiel und Lübeck sich etwa nicht?

Also Liebe ist es nicht.

Ah okay, also so was wie Düsseldorf und Köln oder Hamburg und Bremen.

So ungefähr. Kennst du Lübeck?

Ja, von einigen Gigs. Ich bin da aber nicht so lokalpatriotisch. Ich hab nichts gegen Lübeck – aber auch nichts gegen Kiel, solange es in beiden Städten gute Fischbrötchen gibt.

Einige Hör- und Sehproben von Ferris MC:

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