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Kultur im Norden Der Hundertjährige ist zurück
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18:34 05.09.2018
Er liebt die Ruhe: der Schriftsteller Jonas Jonasson Quelle: imago stock&people
Gotland

Interviews gibt Jonas Jonasson selten – und schon gar nicht bei ihm Zuhause, auf der Ostsee-Insel Gotland. Genau dorthin, auf seinen alten Bauernhof, hat Jonas Jonasson Christian Schewe eingeladen und mit ihm über sein neues Buch, über Gott und die Welt gesprochen.

Ehe ich anklopfen kann, öffnet Jonas Jonasson die Tür: Graue Hose, blaues Hemd und bestens gelaunt. „Komm rein, wir machen erstmal einen Kaffee“. Auf dem Tisch im Wohnzimmer steht schon, typisch schwedisch, Zimtkuchen. Wir sind beim schwedischen Du.

Jonas, warum lebst Du hier so weit abgeschieden vom Rest der Welt auf Gotland:

Warum denn nicht Gotland? In vielerlei Hinsicht ist das hier ein perfekter Ort für mich. Weißt du, es gibt so etwas wie gotländische Mentalität. Sie gibt dir Ruhe. Ein richtiger Gotländer regt sich niemals auf, wenn die Fähre ausfällt zum Beispiel oder der Flug verspätet ist. Wir sagen hier: Ok, es gibt auch noch morgen eine andere Fähre. Und diese Mentalität, die passt einfach zu mir.

„Der 100jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ hat Dich quasi über Nacht zum literarischen Superstar gemacht. Wie bist du auf die schräge Idee mit Allan Karlsson gekommen?

Vor vielen, vielen Jahren habe ich in einem kleinen Bahnhof gesessen und da kam tatsächlich dieser alte Mann mit einem riesigen Koffer und er musste offensichtlich auf die Toilette – eine wirklich sehr, sehr kleine Toilette. Das Lustige daran war den Moment zu bemerken, als der Mann darüber nachdachte wie er das anstellen sollte – gemeinsam mit diesem riesigen Gepäckstück. Für mich sind es ganz normale Alltagsszenen, die mich inspirieren.

Jetzt warten die Fans von Dir auf Buch Nummer vier. Worum geht es?

Dazu kann und darf ich Moment noch nichts sagen – top secret. Was ich verraten kann, es stimmt, ich bin mit dem Schreiben fertig und habe das Manuskript gerade abgegeben. Aber bitte: keine Fragen zum Inhalt.

Wo entstehen Deine Bücher? Sitzt Du hier im Wohnzimmer oder in der Küche wie wir jetzt hier bei Kaffee und Kuchen und legst los:

Ich beginne immer hier zuhause mit dem Schreiben, aber draußen in meinem Büro in der Scheune. Und wenn ich dann gelegentlich nicht weiterkomme, dann nehme ich das Auto und fahre nach Visby, in die Insel-Hauptstadt zur Bücherei. Da gibt es einen speziellen roten Sessel für mich, an dem ich immer arbeite. Klappt es da auch nicht mit dem Schreiben, dann gehe ich in eines der vielen Cafés außerhalb des Stadtzentrums, und wenn es dort wieder nicht hinhaut, dann nehme ich es wie ein echter Gotländer und sage: Hey, morgen ist auch noch ein Tag.

„Der 100jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ – warum im Himmel musste es ein so komplizierter Titel sein:

Ich mochte den Titel „Der 100jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Anfang an. Ich dachte mir, wenn ich ein Buch mit einem solchen Titel im Laden sehen würde, dann würde ich sofort neugierig werden und es kaufen und lesen wollen . . . Naja, musste ich in diesem Fall natürlich nicht, ich hab’s ja selbst geschrieben.

Deine Bücher handeln alle von skurrilen Persönlichkeiten. Wie kommst du auf diese teils absurden Ideen:

Die Ideen fliegen mir oft einfach zu. Die Dummheit der Menschen ist eine endlose Geschichte. Soll heißen: Ich könnte 200 Bücher schreiben, wenn ich alt genug werden würde. Für das nächste Buch habe ich auch schon zwei Grund-Ideen. Mal sehen vielleicht wird es eine davon. Wenn nicht, dann bin ich sicher, kommt mir auch noch etwas anderes in den Sinn… wir werden sehen.

Du hast schon viele Dinge im Leben gemacht. Bei der Zeitung gearbeitet, eine erfolgreiche Firma geleitet. Jetzt bist Du einer der erfolgreichsten Schriftsteller. Bleibt es bei Jonas Jonasson dem Autoren?

Ich werde immer schreiben! Ich habe Spaß daran und wer möchte nicht Spaß an der Arbeit haben?! Ich genieße es zu schreiben und ich bin sogar so egozentrisch, dass ich Spaß daran habe DAS zu lesen was ich gerade geschrieben habe. Es ist der zentrale Punkt in meinem Leben. Ich werde also weiter schreiben!

Du lebst hier sehr abgeschieden auf Gotland. Gar kein Interesse an den Menschen draußen:

Weißt Du,… ich sag Dir was. Das Beste ist es draußen bei den Lesungen zu sein, die Leser zu treffen. Ich werde nie müde, glückliche Leser zu sehen, die mir sagen, dass sie mögen, was ich schreibe. Oft sagen die Menschen: Oh, ich liebe Ihre Bücher, aber das haben Sie bestimmt schon hundertmal gehört. Und dann antworte ich… ja, ich hab das tatsächlich schon hundert Mal gehört, aber nicht von Ihnen. Also vielen Dank!!

Mehr als 15 Millionen verkaufte Bücher, übersetzt in 45 Sprachen. Auf welche Übersetzung bist Du besonders stolz?

Tatsächlich sind es jetzt sogar 46 Sprachen. Persisch ist gerade dazu gekommen. Allerdings ohne mich zu fragen (lacht). Egal! Es sind so viele exotische Sprachen darunter, vietnamesisch zum Beispiel. Aber ich habe genau das mal meine Freunde auf Facebook gefragt. Ich schrieb, dass ich gerade die Nummer eins in der kanadischen Bestseller-Liste geworden bin und dass das Buch auch gerade in Albanien veröffentlicht worden ist. Die Antwort auf Facebook war, es sei viel cooler in Albanien auf dem Markt zu sein als die Nummer 1 in einem riesigen Land wie Kanada. Also, die Antwort auf Deine Frage: Albanien!

Schauen wir mal ein klein wenig über den Tellerrand. Du bist nicht nur Autor, sondern auch Journalist. Das Recht auf Pressefreiheit wird in vielen Teilen der Welt zur Zeit mit Füßen getreten . . . 

Pressefreiheit ist ein Fundament in der Demokratie. Es ist extrem verstörend, wie zum Beispiel Donald Trump damit umgeht. Er ist nicht so wie ein Präsident sein sollte. Er greift die Medien an, weil er nicht mag, was sie über ihn schreiben. Das ist schon irgendwie gefährlich. 

Was machst Du eigentlich wenn Du nicht über einem neuen Manuskript sitzt?

Ich habe ja einen 11jährigen Sohn und wir machen oft ziemlich verrückte Sachen zusammen. Jetzt im Sommer haben wir beide zum Beispiel jede Menge Spaß im Pool im Garten. Oder wir sind ganz einfach draußen hier auf der Insel unterwegs und klettern auf den Felsen herum, den für Gotland typischen Raukars. Oder wir genießen einfach das Leben am Meer. Es gibt so viel schöne Sachen zu tun.

Letzte Frage: Du sitzt am Schreibtisch, eine betagte Schreibmaschine vor Dir… stimmt dieses Bild, das viele Menschen von einem Schriftsteller haben?

Haha… Zeit für eine kleine Werbeunterbrechung: Ich arbeite mit einem modernen Macbook PRO, sorry…

Christian Schewe

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