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Kultur im Norden Jan Vogler sehr populär
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15:12 07.08.2019
Keine Angst vor Genregrenzen: Jan Vogler arbeitet gern mit unterschiedlichen Künstlern. Quelle: Foto: im Rakete
Lübeck

Dass sich Klassik-Instrumentalisten und -Sänger der populären Musik nähern, ist ein Phänomen der vergangen fünf, sechs Jahre. Der Bariton Thomas Quasthoff hat sich ganz dem geschmeidigen Jazzgesang hingegeben; Geigerin Anne Sophie Mutter hat ein Club-Album eingespielt mit Greatest Hits von Vivaldi über Gershwin bis John Williams; der Pianist Lang Lang, der schon immer einen Hang zur ganz großen Bühne hatte, tat sich zuletzt mit US-amerikanischen Pop-Celebrities zusammen für sein Album „New York Rhapsody“.

Unterhaltung im besten Sinne

Und jetzt veröffentlicht Jan Vogler, ein deutscher Klassik-Star und international tätiger Hüter des schönen Cello-Klangs, ein Album, das „Songbook“ heißt. So werden gemeinhin Sammlungen populärer Lieder genannt, Schlager im weitesten Sinne, zu deren Melodien viele summen und brummen können. Bei Vogler hält sich das mit der Möglichkeit zum Mitsingen in Grenzen – Erik Saties „Gymnopedie No 1“ oder Maurice Ravels „Habanera“ haben zwar eingängige Melodien, aber sie sind zugleich harmonisch und rhythmisch vertrackt. Immerhin ist mit „Moon River“ auch ein entkitschter Filmschlager dabei (im Original von Audrey Hepburn gehaucht). Man darf das Programm mit Fug und Recht Unterhaltungsmusik nennen, ohne es herabzuwürdigen.

Die Gitarre passt sich an dem Streicher an

Zur unterhaltsamen wie originellen Seite des Albums gehört, dass Vogler sich einen Gitarristen als Begleiter ausgesucht hat – den Finnen Ismo Eskelinen. Er unterstützt den Cellisten virtuos wie diskret, Vogler kann auf seinem Stradivari-Cello von 1707 singen, jubilieren oder auch verhalten-neckisch zupfen, ohne dass sich da ein anderer in den Vordergrund drängt. „Es gibt sehr wenige Gitarristen, die sich so an Streicher anpassen können“, sagt Vogler über Eskelinen.

Zwei Originalkompositionen für diese Besetzung sind auf dem Album zu hören: eine expressive Sonate des Brasilianers Radamés Gnattali (1906-1988), eine lohnende Entdeckung; und dann drei „Nocturnes“ von Friedrich Burgmüller (1806-1874), Stücke von charmant-naiver Liedhaftigkeit. Ansonsten präsentiert das Duo Bearbeitungen von kurzen Kompositionen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, meist nimmt die Gitarre die Rolle des Klaviers ein, das Cello den Part der Violine.

Astor Piazolla darf nicht fehlen

Ein Liebling der Klassikinterpreten aus dem Unterhaltungsuniversum ist der Argentinier Astor Piazzolla, er darf auch in diesem „Songbook“ nicht fehlen. Piazzolla schildert in seiner „Histoire du Tango“, ursprünglich für Flöte und Gitarre komponiert, wie diese Tanzmusik aus den Bordellen von Buenos Aires in die Cafés und dann in die Nachtclubs schwappte. Und wie sie sich im Tango Nuevo der Kunstmusik näherte. Vogler und Eskelinen intonieren die Suite tänzerisch leicht, die „Bordel“ überschriebene Episode klingt eher verspielt als verrucht, als halte Vogler sein Instrument verschmitzt unterm Kinn und nicht zwischen den Knien.

Ein weiterer Höhepunkt des Albums: die „Suite Popular Española“ von Manuel de Falla (1876-1956), vom Flamenco und andalusischen Liedern beeinflusst, wobei die Gitarre die flirrende Hitze des Südens geradezu hörbar macht, während das Cello mal geschmeidig, mal aufreizend, mal träge tanzt.

Vor den Grenzen des klassischen Konzertbetriebs hat Jan Vogler noch nie Halt gemacht. Auf einem Flug von seiner Geburtsstadt Berlin in seine Wahlheimat New York lernte er den US-Schauspieler Bill Murray  („Und täglich grüßt das Murmeltier“) kennen. Sie vereinbarten eine Zusammenarbeit – und ihre CD „New Worlds“ schaffte es auf Platz 1 der US-Klassikcharts.  Murray rezitiert darauf Texte von Whitman, Twain oder Hemingway, Vogler und seine Ehefrau spielen Stücke von Gershwin, Bach, Mancini, Piazzolla und Bernstein.

An der Kombination Cello/Gitarre habe ihn gereizt, „dass die Gitarre auf den kurzen Klängen unglaublich viele Farben zaubern und das Cello bei den langen Cantabile seine Stärke ausbreiten kann“. Überhaupt finde er, dass auf einem neuen Album auch Neues und Ungewöhnliches präsentiert werden solle.

Songbook, Jan Vogler und Ismo Eskelinen (Sony Classical)

Von Michael Berger

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