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Kultur im Norden Jazz Award für Vincent Niessen
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18:11 06.06.2019
Sein Traum ist es, dass er von seiner Musik leben kann: Preisträger Vincent Niessen mit seinem Kontrabass. Quelle: Foto: Manuel Weber
Kiel

Als die Lobeshymnen gesungen, die Dankesworte gesagt und die Blumen überreicht worden waren, ging Vincent Niessen in den Flur, packte seinen Kontrabass aus und improvisierte fast in sich versunken, während Kameras klickten. Und man bekam eine Ahnung davon, warum sich die Jury bei der Vergabe des Jazz Awards für den 22-Jährigen entschieden hat. „Er hat Herz, Energie und Können. Und sein Groove – sensationell“, sagte gestern bei der Bekanntgabe Michael Adamska, Vorstand der Investitionsbank Schleswig Holstein. „Vincent Niessen ist ein hochtalentierter Bassist, der sowohl am Kontrabass als auch am E-Bass beeindruckende Musikalität beweist und ein ideales klangliches Fundament für jede Band legt.“ Die Bank ist seit 15 Jahren Hauptsponsor des Festivals JazzBaltica und vergibt seit 2008 den mit 3000 Euro dotierten Jazz Award, um junge und vielversprechende Musiker zu fördern.

Schon als Schüler mit Nils Landgren gespielt

„Ich bin überwältigt und sehr dankbar“, sagt der bescheidene Preisträger, der die Auszeichnung am 21. Juni offiziell entgegennimmt und am 23. Juni um 18.30 Uhr mit seiner Band Quintessence auf der Open Air Bühne in Timmendorfer Strand auftreten wird. Und das ist für ihn ein Heimspiel, denn er ist sozusagen mit JazzBaltica aufgewachsen – bereits als Junge stand er dort auf der Bühne. Vincent war Schüler des Ostseegymnasiums Timmendorf und fand im Alter von 13 Jahren zum E-Bass. In der Bigband seiner Schule wurde seine Liebe zum Jazz geweckt, und beim traditionellen Auftakt des Festivals stand er mit der Schüler-Bigband auf der Open Air Bühne, trat dort bereits mehrmals gemeinsam mit Nils Landgren, dem künstlerischen Leiter von JazzBaltica, auf. „Nils ist wirklich daran interessiert, dass die Jugendlichen sich wohlfühlen, er vermittelt den Spaß an der Musik. Ich habe damals nicht persönlich mit ihm gesprochen, aber seine offene Art, wie er den Jazz lebt, das hat mich immer begeistert und sicherlich auch beeinflusst.“

„Großes musikalisches Potenzial“

Nils Landgren gibt die Komplimente gern zurück, er habe Vincent als sehr freundlichen und zuverlässigen Jungen erlebt, gemeinsam waren sie bereits auf einer Tournee in Japan. „Er hat großes musikalisches Potenzial, deshalb waren alle in der Jury dafür, dass er den Preis bekommt.“ Neben Landgren und Adamska gehörten Angela Ballhorn (Jazzthetik), Stefan Gerdes (NDR) und Arvid Maltzahn (Landesmusikrat Schleswig-Holstein) zur Jury.

Vincent spielt ein Konzert in Paris

Vincent Niessen hat auch im Landesjugendjazzorchester Schleswig Holstein gespielt (jetzt in Hamburg) und erlernte im Alter von 17 Jahren außerdem das Spiel auf dem Kontrabass. Seit 2016 studiert er Jazz-Bass an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden. Gerade war er für ein Semester in Paris – eine ganz besondere Erfahrung für ihn. „Es ist eine unfassbar tolle Stadt mit unfassbar guter Musik. Paris ist in Europa eine der ersten Städte gewesen, in denen Jazz gespielt wurde, von Amerikanern dort hingebracht. Es sind immer noch viele amerikanische Musiker dort zu hören.“ Wenn es Zeit und Geldbeutel erlaubten, ging er in Clubs, um sich Musik anzuhören. „Aber es ist wahnsinnig teuer, ein Bier kostet schon mal elf Euro.“ Am 18. Juni hat er selbst einen Auftritt in Paris: Dann wird er mit Pariser Musikern im Club „La Gare“ Musik spielen, die er in Paris geschrieben hat.

In Timmendorf mit der Band Quintessence

In Timmendorfer Strand wird er mit seiner Band Quintessence zu erleben sein. Das Quintett ist demokratisch organisiert, es gibt keinen klaren Leader und die Aufgaben sind gleichmäßige verteilt. Die Band spielt unter anderem Kompositionen aus der Feder von Vincent. Alle Mitglieder studieren derzeit an fünf verschiedenen europäischen Hochschulen (Mainz, Dresden, Köln, Paris und Lissabon). Im vergangenen Jahr spielte die Band in Deutschland sowie in der Schweiz und Luxemburg über 20 Konzerte.

Der Preis hat für Vincent Niessen einen hohen Stellenwert, nicht nur des Geldes wegen. „Es ist eine Hilfe auf dem Weg, um meinen Traum zu verwirklichen: Dass ich von meiner Musik leben kann.“

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Petra Haase

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