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Kultur im Norden Jubel für Susanna Mälkki beim SHMF in Lübeck
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17:26 29.07.2019
Weit mehr als ein Ersatz für Mariss Jansons: Elegant und markant führte die finnische Dirigentin Susanna Mälkki die Musiker – zur großen Freude der Besucher. Quelle: Foto: Axel Nickolaus
Lübeck

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ist ein gern gesehener Gast beim Schleswig-Holstein Musik Festival. Bereits 1986 spielte das Orchester unter Leitung von Leonard Bernstein in der Kieler Ostseehalle Haydns „Schöpfung“. Immerhin zwei der Veteranen von 1986 waren auch beim Konzert der Bayern in der MuK dabei.

Weit mehr als ein Ersatz für Mariss Jansons

Das Orchester gehört zu den Top Ten der Klangkörper dieser Welt. Und in diesem Konzert mit seinem ungewöhnlichen Programm konnte man live erleben, warum das so ist. In allen Instrumentengruppen ist es herausragend besetzt, Präzision und Klangschönheit sind außerordentlich – man weiß kaum, was man zuerst rühmen soll. Dabei stand nicht Chefdirigent Mariss Jansons am Pult, sondern die Finnin Susanna Mälkki. Jansons ist erkrankt, die 50-jährige, jugendlich wirkende Dirigentin war weit mehr als nur Ersatz für Jansons.

Susanna Mälkki gilt als eine der geehrtesten Dirigentinnen unserer Tage. Sie ist weltweit aktiv, hat die größten Orchester dirigiert und hat sowohl im Konzertsaal als auch in der Oper großen Erfolg. Vor allem aber hat sie eine ganz eigene Handschrift, wie schon im ersten Werk des Abends deutlich wurde.

Sie dirigierte markant und elegant zugleich

Für Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 2 D-Dur brauchte sie gerade einmal 33 Minuten – das ist außerordentlich schnell. Macht aber Sinn, wie sich schnell zeigte. Trotz der für Beethovens frühe Sinfonien ungewöhnlich großen Besetzung gelang es Susanna Mälkki, durchgehend ein transparentes Klangbild zu erschaffen und die Kontraste dieser Sinfonie in aller Deutlichkeit herauszuarbeiten. Sie dirigierte elegant und markant zugleich, das Orchester folgte ihr willig und offensichtlich mit großer Freude durch die Partitur. Das Publikum in der ausverkauften MuK war schon von diesem Einstieg in das Konzert begeistert.

Nach der Pause folgte dann die Sinfonie Nr. 5 d-Moll von Dmitri Schostakowitsch. Musik aus der Zeit des Großen Terrors in Stalins Sowjetunion, in der auch die Zukunft von Schostakowitsch unsicher war. Seine vierte Sinfonie wurde scharf kritisiert, was damals einem Todesurteil gleichkommen konnte. Mit seiner Sinfonie Nr. 5 versuchte der Komponist dann, sich mit dem Regime zu versöhnen, man nennt diese Komposition deshalb auch das „musikalische Meisterwerk des sozialistischen Realismus“. Beim ersten Hinhören mag man diese Meinung teilen, aber es steckt sehr viel mehr in dieser Sinfonie. Dirigentin Susanna Mälkki und ihrem Orchester gelang es, die Doppelbödigkeit und die innere Tragik aufzuzeigen. Der elegische langsame Satz etwa wurde zu einem emotionalen Erlebnis, Schostakowitschs Verzweiflung war wie mit Händen zu greifen.

Zahllose Bravos für Mälkki und ihre Mitstreiter

Das Scherzo mit seinen verarbeiteten volkstümlichen Melodien wuchs sich zu einem wahren Hexensabbat aus, im Schlusssatz, den die Dirigentin wieder in sehr schnellem Tempo nahm, wusste der Zuhörer kaum zu unterscheiden, ob er einem Triumph- oder einem Trauermarsch lauschte.

Eine wunderbare Leistung von Orchester und Dirigentin, sehr fein gearbeitet und ganz einfach vortrefflich dargeboten. Am Ende war der Jubel groß, es gab minutenlange Ovationen im Stehen und zahllose Bravos. Susanna Mälkki und ihre Mitstreiter bedankten sich mit einer fröhlichen Zugabe für den großen Applaus.

Alles über die Konzerte des SHMF lesen Sie hier

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