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Kultur im Norden Die Dirks-Brüder – Comic-Pioniere aus Heide
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12:05 01.11.2019
Hat zwei Jahre mit dem Zeichner Tim Eckhorst an dem Film gearbeitet: „Katzenjammer Kauderwelsch“-Regisseurin Martina Fluck. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Martina Fluck ist in zwei Missionen bei den Nordischen Filmtagen unterwegs. Zum einen moderiert sie eine Reihe von Dokumentationen, siebzehn Stück, zum anderen ist sie selbst mit einem Film vertreten: „Katzenjammer Kauderwelsch – A Comic-Pionier Story“. Am Sonntag wird er in Lübeck zum ersten Mal überhaupt gezeigt.

Premiere am Sonntag

„Katzenjammer-Kauderwelsch“ ist am Sonntag, 3. November, um 13.15 Uhr im Cinestar zu sehen (Kino 7).

Der Film erzählt die Geschichte von Gus und Rudolph Dirks, zwei Brüdern aus dem schleswig-holsteinischen Heide, die Ende des 19. Jahrhunderts in die USA ausgewandert sind und die Comic-Welt teils erfunden, teils revolutioniert haben. Rudolph wollte eigentlich als Maler berühmt werden, schuf aber die „Katzenjammer Kids“, ein amerikanischer Rückgriff auf Max und Moritz. Sie liefen von 1897 bis fast in unsere Tage und damit so lange wie kein anderer Comic. Der jüngere Gus entwickelte die Reihe „Latest News from Bugville“, einen Tier-Comic, der ihn reich machte und noch ein wenig reicher. Und das, obwohl ihm nur wenig Zeit blieb. Zwischen 19 und 21 zeichnete er ein gewaltiges Werk, bis er sich mit einer Pistole vor dem Spiegel erschoss. Vermutlich aus Kummer und Scham, weil er mit der Frau seines Bruders Ehebruch begangen hatte, vermutet Martina Fluck.

Am Anfang war ein Vortrag

Die Filmemacherin ist keine Unbekannte in Lübeck. Zuletzt hat sie vor zwei Jahren bei den Filmtagen ihre Dokumentation über Ludwig Nissen vorgestellt, einen Husumer, der wie die Dirks-Brüder in die USA ausgewandert und dort als Juwelenhändler zu ungeheurem Reichtum gekommen war, seine Heimatstadt aber nie vergessen hat und ihr eine Stiftung hinterließ. Heute erinnert in Husum das Nissenhaus an ihn.

Ein Video zu dem Film sehen Sie hier:

Martina Fluck kannte die Comics der Dirks-Brüder aus den USA. Aber sie wusste nicht, dass ihre Macher aus Heide kamen. Aus der Stadt, in der sie wohnt und wo sie eines Tages einen Vortrag von Tim Eckhorst hörte, einem Zeichner, der sich seit Jahren mit der Geschichte der Brüder befasst, seinen „Helden“, wie sie sagt. Sie brauchten nicht lange, um auf die Idee eines gemeinsamen Filmprojekts zu kommen.

Eine Art Roadmovie

Tatsächlich ist es dann eine Art Roadmovie geworden. Sie haben sich auf die Spuren der Brüder begeben, waren in New York, in New Jersey und in Ogunquit, einer Künstlerkolonie in Maine, die Rudolph Dirks maßgeblich mit geprägt hat. Sie haben mit alten Comic-Zeichnern gesprochen und mit Dirks-Nachfahren, ein Großneffe ist dafür eigens aus Kalifornien nach Maine gereist. Und sie haben aus dem 85-Minuten-Film auch eine Studie über die Leidenschaft des Zeichnens gemacht und immer wieder gezeichnete Passagen von Tim Eckhorst eingebaut.

„Comic-Zeichner waren Stars zu der Zeit“, sagt Martina Fluck. Und für viele sind sie es bis heute. In Norwegen etwa gibt es eine Folkrock-Band namens Katzenjammer, die sich nach den Kids benannt hat.

Zum LN-Filmtage-Live-Ticker geht es hier:

Von Peter Intelmann