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Kultur im Norden Kevin Feige: Der König von Hollywood
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06:00 07.07.2019
Marvin-Produzent Kevin Feige steht kurz davor, mit dem Einspielergebnis von „Avengers: Endgame“ „Avatar“ als erfolgreichsten Film aller Zeiten abzulösen. Gerade ist mit „Spiderman – Far From Home“ das neue Marvel-Superhelden-Epos in den Kinos gestartet.
Berlin

Fünf der zehn derzeit ertragreichsten Filme stammen aus dem Hause Marvel, ab 4. Juli schwingt nun Spider-Man wieder über die Leinwand. Gemessen am Einspielergebnis seiner Filme ist Kevin Feige der erfolgreichste Filmproduzent der Welt. Ein Gespräch über den Weg zum Welterfolg.

Mr Feige, „Spider-Man“ spielt teilweise in Berlin, allerdings haben hier gar keine Dreharbeiten stattgefunden, oder?

Ich kann leider nicht viel dazu sagen, aber die so ziemlich beste Szene des Films spielt in Berlin! Allerdings haben wir die Aufnahmen in einem Studio gedreht, nicht vor Ort in der Stadt.

Paparazzi auf den Bäumen

Medien würden ja nur zu gerne mit Sensations-Bildern von den Drehs zu neuen Marvel-Filmen angeben können, aber nie dringt etwas an die Öffentlichkeit. Wie schaffen Sie das?

Nun, wir drehen meistens in gut gesicherten Filmstudios, bei denen niemand unerlaubt das Gelände betreten kann. Aber wir haben schon früh gelernt, dass außerhalb dieser kontrollierten Situationen Menschen alles versuchen, um Fotos vom Set zu machen. Nun habe ich als Produzent ein doppeltes Problem: Entweder klettern Paparazzi auf Bäume, um geheime Fotos zu schießen und zu veröffentlichen – oder ich habe das Problem, dass niemand auf Bäume steigt, was bedeutet würde, dass sich keiner ernsthaft für unseren Film interessiert.

„Spider-Man: Far From Home“ beeinhaltet einige Geheimnisse, aber er ist definitiv kein radikaler Neuanfang der Marvel-Filme.

Nein, überhaupt nicht. Er schließt nahtlos an die Geschehnisse von „Avengers: Endgame“ an. Wir sehen diesen Film als Finale der dritten Phase des Marvel-Universums, denn er schließt die insgesamt 23 Filme ab, die wir intern die „Infinity Saga“ nennen. Wie Peter Parker mit den Erlebnissen nach der „Endgame“-Handlung umgeht, ist das zentrale Thema dieses Films.

„Spiderman – Far From Home“

Spiderman auf Klassenfahrt: Im neuen Superhelden-Epos „Spider-Man: Far From Home“, das am Donnerstag gestartet ist, geht Peter Parker (Tom Holland) auf Europa-Klassenreise nach Venedig, in die Alpen, nach Prag und London. Der Trip wird allerdings alles andere als erholsam: Peter verstrickt wird nicht nur in ein Verwirrspiel rund um Wahrheit und Täuschung verstrickt, sondern verfängt sich auch in zarten Liebesbanden verstrickt. Und diesmal muss der Superheld seine Abenteuer ohne seinen Mentor Ironman bestehen . . .

Wenn das der letzte Film der Phase 3 des Marvel-Universums war, welcher Film wird der Erste der Phase 4?

Das ist eine sehr gute Frage, die ich nicht beantworten werde. (lacht)

Im Video: Alle Marvel-Abenteuer auf die Reihe gebracht

Ihre ersten Filme als Produzent bei Marvel waren „Daredevil“ und „Electra“. Diese waren ja bei weitem nicht so erfolgreich wie die neueren Filme. Woran lang das?

In meinen ersten sechs oder sieben Jahren als Filmproduzent habe ich sehr viel gelernt. Ich hatte damals noch nicht so viel Einfluss, auch nicht bei den ersten drei „X-Men“ und „Spider-Man“-Filmen. Einige dieser Filme waren wirklich gut und haben viel Geld eingespielt. Durch diese Erfolge konnten wir überhaupt erst ein eigenständiges Filmstudio gründen! Vor allem konnten wir all unsere Leidenschaft in unseren ersten eigenen Film stecken. Das war glücklicherweise „Iron Man“. Damit konnten wir das ganze Marvel-Universum starten lassen. Ich weiß, dass „Iron Man“ das wichtigste Projekt meines Lebens war. Neunzig Prozent meiner Energie habe ich darauf konzentriert, „Iron Man“ so gut wie nur möglich hinzubekommen.

Wie Robert Downey Jr. um die Rolle als Iron Man kämpfte

Sie haben im Laufe Ihrer Karriere viele sehr gute Entscheidungen getroffen. Auf welche sind Sie besonders stolz?

Als erstes kommt mir die Besetzung von Robert Downey Jr. als „Iron Man“ in den Sinn. Anfangs hielten wir es für unmöglich, ihn für die Rolle zu gewinnen, aber bald wurde uns klar, dass kein Weg an ihm vorbei führt. Wir brauchten ihn einfach! Trotzdem musste ich erst noch einige andere Entscheidungsträger überzeugen. Aber Robert hat sich auf unsere Seite gestellt und sogar Probeaufnahmen gemacht. Ein Schauspieler von seinem Kaliber macht das normalerweise nicht mehr.

Robert Downey Jr. hat also um die Rolle gekämpft.

Unbedingt. Ein anderes Beispiel ist die Einigung mit den Filmrechten von „Spider-Man“. Nachdem wir den Deal abgeschlossen hatte, musste ich den perfekten Peter Parker finden. Und zum Glück hat uns der Himmel Tom Holland beschert – ein echtes Wunder. Er ist ein fantastischer Schauspieler und hatte von Anfang an die Ausdrucksfähigkeit, die wir für die Figur gesucht haben. Sogar einen Großteil der Stunts hat er selbst gedreht. Wahnsinn!

Warum Kevin Feige „Guardians of the Galaxy“ produzierte

Kriegen Sie jeden Schauspieler, den Sie haben wollen?

Nein, so ist das auch wieder nicht. Manchmal passt das Timing einfach nicht, oder die Rolle sitzt doch nicht so richtig.

Hat Mark Ruffalo als „Hulk“ noch eine Chance auf einen eigenen Film?

Ich würde es nicht ausschießen, zumindest hat „Endgame“ seine Geschichte noch nicht beendet. Es gibt bei den Marvel-Comics sogar mehrere Varianten von „Hulk“ – alles ist möglich!

Wie entscheiden Sie, welche Marvel-Figuren eigene Spin-Offs bekommen?

Am Anfang lag uns viel daran, die Avengers einzeln vorzustellen, bevor wir sie in einem gemeinsamen Film in den Kampf schicken. In letzter Zeit entscheiden wir eher danach, was für eine Art von Filmen wir machen wollen. Ich persönlich liebe Filme, die im Weltraum spielen. Deshalb haben wir uns für die „Guardians of the Galaxy“ entschieden. Es gibt so viele, interessante Perspektiven in der Welt von Marvel, dass wir immer wieder in neue Geschichten eintauchen können.

Gerüchteküche um neue Marvel-Filme

Die Gerüchteküche um das neue Marvel-Projekt
„Eternals“
brodelt. Angeblich soll es darin sogar homosexuelle Superhelden geben.

Tja, so ist das nun mal mit Gerüchten: Einige stimmen und andere nicht. Unser Job ist es, interessante, neue Figuren zu etablieren – und es wird sich zeigen, wie gut uns das gelingen wird. Mal schauen, wie das Publikum dann darauf reagieren wird. Und ein paar Serien sind bei der Streamingplattform Disney+ auch in Planung, das wird auch noch mal spannend. Ich denke nicht zu sehr über den Druck nach, der damit einher geht, dass wir Milliarden von Dollar für diese Projekte ausgeben, sondern ich freue mich einfach darüber, was für coole Geschichten wir erzählen können.

Hatten Sie je das Gefühlt, dass Ihnen alles über den Kopf wächst – der Erfolgsdruck, die allgemeinen Rekord-Erwartungen?

Anfangs waren die Erwartungen an „Iron Man“ oder „Thor“ nicht besonders hoch. Erst seit dem Erfolg der „Avengers“ ist die Messlatte für Filme mit diesen Figuren so hoch angesetzt worden. Deshalb haben wir neue Charaktere wie „Doctor Strange“ oder „Black Panther“ eingefügt, und schon waren die Erwartungen wieder etwas niedriger.

Die Erwartungen noch übertroffen

Dann schlafen Sie wieder besser?

Ich muss schon zugeben, dass mich die fast unerfüllbar hohen Erwartungen an die letzen beiden „Avengers“-Filme beunruhigt haben. Jetzt, wo wir es geschafft haben, diese Erwartungen sogar noch zu übertreffen, fühle ich mich wirklich sehr wohl. Wir starten jetzt in eine neue Phase und bringen wieder ein paar neue Figuren auf die Leinwand, von denen hoffentlich viele das Publikum positiv überraschen werden. Marvel-Filme zu produzieren ist unglaublich teuer. Also müssen wir uns anstrengen, das viele Geld auch wieder einzuspielen. So funktioniert nun mal das Filmgeschäft. Trotzdem habe ich immer versucht, mich davon nicht verrückt machen zu lassen. Mein Job ist es, mir tolle Ideen für neue Filme einfallen zu lassen – und genau darum kümmere ich mich.

„Avengers: Endgame“ steht kurz davor, der erfolgreichste Film aller Zeiten zu werden. Was würde Ihnen das bedeuten?

Ich hätte ja niemals gedacht, dass wir auch nur in die Nähe von „Avatar“ kommen! In den vergangen zehn Jahren haben den erfolgreichsten Filmen immer noch gut 700 Millionen Dollar gefehlt, um an „Avatar“ anschließen zu können. Dieser immense Abstand schien immer unerreichbar. Auch „Infinity War“ ist mit insgesamt zwei Milliarden Dollar Einspielergebnis deutlich hinter „Avatar“ zurückgeblieben. Ich habe einfach nur gehofft, dass „Endgame“ finanziell in diesen Zwei-Millarden-Bereich kommt. Jetzt so nah an den Erfolg von „Avatar“ zu kommen, ist einfach atemberaubend!

Mariam Schaghaghi

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