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Kultur im Norden Bob Dylan in Hamburg
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13:12 06.07.2019
Und sagte kein einziges Wort: Bob Dylan (M.) mit Tony Garnier (l.) und Donnie Herron beim Konzert am Mittwoch in Roskilde. In Hamburg waren keine Fotos erlaubt. Quelle: Imago
Hamburg

Sie halten sich nicht lange auf, es geht sofort los. Kurz über die Saiten gefahren, dann beginnt die Band mit „Things have changed“. Es ist, als wollten sie die Sache hier schnell hinter sich bringen. Es gibt keinen Satz, kein einziges Wort. Aber im Grunde hat Bob Dylan auch schon genug gesagt, eigentlich.

Vor neun Jahren ist er schon mal in Hamburg gewesen. Da hieß die Halle noch Color Line Arena und war wie heute Abend lange nicht ausverkauft. Jetzt ist er wieder da, der Mann, der sich Anfang der Sechziger aufgemacht hat von den großen Seen an der kanadischen Grenze nach New York, der Sohn eines Haushaltsgerätehändlers, ein unruhiger Geist, der eine Menge interessanter Gedanken im Kopf hatte und werden wollte, was Woody Guthrie schon war.

Spuren verwischen

Und er schien dabei nicht wählerisch. Er umgarnte den Kritiker der „New York Times“ so lange, bis der schließlich zu seinen Konzerten kam. Er ging sehr freihändig mit Liedern und Melodien anderer Leute um und war ohnehin sehr gut darin, Spuren zu verwischen und sich eine Geschichte zu erfinden, die immer wieder auch eine andere war. Aber dann schrieb er in kurzer Zeit Songs, die längst zum Kanon der Folk- und Rockmusik gehören, veröffentlichte jedes Jahr ein Album, manchmal auch zwei, und wurde zu dem, der er heute ist.

Ein Phantom, ein öffentliches Rätsel

Wobei man genau das ja gerne wüsste, denn dieser Mann ist schwer zu fassen. Er ist ein Phantom, ein öffentliches Rätsel. Seit mehr als einem halben Jahrhundert zieht er über die Bühnen und durch die Welt, malt, schreibt, dreht Filme und setzt Zahnräder, Klingen, Sägen, Fleischwölfe und Rollschuhe zu Metallskulpturen zusammen. Er hat Hunderte Songs geschrieben, jahrelang die „Theme Time Radio Hour“ moderiert, ein Weihnachts-Album veröffentlicht und verkauft mit „Heaven’s Door“ seinen eigenen Whiskey. Er äußert sich auf so vielfältige und manchmal sehr erstaunliche Weise, aber wer er ist, das weiß man immer noch nicht. Als die Beatles „Yeah, yeah, yeah“ sangen, schreibt der Dylan-Forscher Heinrich Detering, sang Dylan „No, no, no, it ain’t me, babe“. Bob Dylan, das ist der große alte Mann des Eigensinns. Bob Dylan, das ist ein anderer.

Homer und Sinatra

78 Jahre ist er jetzt, ein Geschichtenerzähler, ein Song- and Danceman. Einer, der Shakespeare und die Bibel zusammenbringt, den antiken Dichter Juvenal, Bert Brecht, Homer und Frank Sinatra. Einer auch, der ein paar der großen Weisheiten der Rockmusik formuliert und vor allem einige der großen Fragen gestellt hat. Wie lange ein Berg besteht, bevor er fortgewaschen ist ins Meer, zum Beispiel. Und wie es ist, kein Zuhause zu haben und keinen Weg zurück. Wie es ist, einer zu sein, den keiner mehr kennt.

Und jetzt ist er wieder hier in der Halle, begleitet von vier Männern, die Bühne ist dezent beleuchtet, als stünden da ein paar Musiker unter ein paar Straßenlaternen, und dann spielen sie eine sehr präzise Rock-, Blues- und Countrymusik, die mal unaufgeregt und behäbig daherkommt und mal kraftvoll und federnd. Dylan sitzt vorne rechts am Piano, manchmal steht er auch, spielt Mundharmonika, wagt sich zwei, drei Mal in die Mitte, wo ein Mikrofonständer Halt zu geben verspricht, und singt. Und das ist immer noch ein Ereignis.

Lieder auseinandernehmen

Die Stimme ist rauer geworden über die Jahre, natürlich. Er ist jetzt manchmal mehr Tom Waits als Bob Dylan. Das bewegt sich zwischen Bellen und Knurren manchmal, ist ein kehliges Röcheln, das sich im Unverständlichen verliert. Aber sie hat immer noch auch eine Schärfe, eine bedrohliche Färbung, in die man viel hineindenken kann, was einem wichtig ist. Und mit dieser Stimme dekonstruiert er seine Lieder, nimmt sie auseinander und baut sie neu wieder zusammen, bis sie kaum mehr etwas zu tun haben mit dem Original.

Bob Dylan on tour

Auf der „Never Ending Tour“ ist Bob Dylan über Spanien und Skandinavien nach Deutschland gekommen. Nach Hamburg Konzert stand gestern ein Konzert in Braunschweig auf dem Programm. Heute folgen noch Mainz, am 9. Juli Erfurt und am 10. Juli Stuttgart, bevor die Band am 12. im Londoner Hyde Park spielt und am 14 im irischen Kilkenny. Im Frühjahr war sie unter anderem schon in Berlin, Magdeburg, Würzburg und Düsseldorf zu sehen.

Von der legendären Rolling Thunder““-Tournee Mitte der Siebzigerjahre ist im Juni eine aufwendiges 14CD-Box-Set erschienen, das neben Raritäten unter anderem fünf komplette Konzerte enthält.

Etwa zwei Dutzend Songs spielt die Band, einen nach dem anderen, ohne Pause. Es ist im Kern das Programm, mit dem sie am Mittwoch auf dem Festival in Roskilde und bei den anderen Konzerten der „Never Ending Tour“ zu hören war. Das ist kein Best of, sondern ein ausgewählter Streifzug durch ein paar Jahrzehnte Dylan-Geschichte. „It ain’t me, babe“ und „Like a rolling stone“ aus den Anfängen sind ebenso dabei wie Stücke von jüngeren Alben. „Girl from the north country“ wird zu einem berührenden Moment, „Blowin’ in the wind“ gibt es als erste von zwei Zugaben, dann packen sie ihre Sachen und sind schon wieder verschwunden.

Peter Intelmann

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