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Kultur im Norden Die Musik von Auschwitz
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13:28 23.09.2019
Das Angesicht des Grauens: das Vernichtungslager Auschwitz. Quelle: o: AP
Lübeck

Am Samstagabend (21. September) ereignete sich im dämmerigen Licht des Kirchenraums der Reformierten Kirche in der Königstraße ein herausragendes Konzert. Mit dem Programm „Leben aus Musik in Auschwitz“ hatten der Schauspieler Volker Hanisch und die jungen Musikerinnen Laura Moinian am Cello und Yoko Kuwahara am Klavier sich zum Ziel gesetzt, Erinnerungen an die Zeit der deutschen Konzentrationslager zu stiften – in einer Zeit, in der kaum noch Überlebende dieses Kapitels deutscher Geschichte das Geschehen bezeugen können.

Hanisch las aus den Erinnerungen Simon Laks‘, eines in Auschwitz internierten Komponisten, der eindrücklich das Leben erst als Geiger und später als Leiter der Lagerkapelle dokumentierte. Wort für Wort wich das weiche Licht des Kirchraums dem Eindruck eines wolkenverhangenen Novemberhimmels, gesehen durch einen Stacheldrahtzaun, und Hanisch inszenierte in diese Kulisse mit rauer Stimme verschiedene Episoden des Lebens im Lager: Der Willkür eines Kommandanten ausgesetzt sein, der die bevorstehende deutsche Niederlage verleugnet, fröhliche Märsche anstimmen, um die Mitinhaftierten zur Arbeit zu ermuntern, ein Flötensolo spielen müssen, während in Sichtweite die eigene Tochter deportiert wird.

Moinian und Kuwahara musizierten zwischen den Abschnitten Werke von verfemten Komponisten wie Felix Mendelssohn Bartholdy und Bohuslav Martinu. Das aufmerksame Publikum gab ihnen die Möglichkeit, in besonders sensiblem Vortrag die Musik in zarte Schattierungen zu tauchen und nuanciert jede kleine Phrase zu gestalten. Zwei Sätze aus Sonaten von Laks selbst stachen aus dem Programm hervor, eine Musik, die keinen einzigen Ton auf die leichte Schulter nimmt. Aber auch einem vermeintlich fröhlichen Walzer von Fritz Kreisler widerfuhr eine ambivalente Rezeption, wurde doch ins Gedächtnis gerufen, das eben solche beschwingte Musik auch in den Lagern ertönte.

Was bleibt. Nach anhaltendem Applaus geht man nach Hause, erst einige Straßen weiter haben die Füße wieder festen Grund. Dieses Konzert hat erschüttert!

Von Jakob Rieke

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