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Kultur im Norden Störtebeker lebt – im Schuppen C in der Piratenoper
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17:01 12.08.2019
Unbedingt abwehrbereit: Etwa 50 Kinder und Jugendliche sind an dem Stück beteiligt. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Legende oder Wirklichkeit? Lebte der Seeräuber Klaus Störtebeker, oder entsprang die Figur dichterischer Fantasie? Über solche Fragen mögen Historiker streiten. Bei Gabriele Pott und ihrem Projekt „Kunst am Kai“ im Schuppen C auf der nördlichen Wallhalbinsel lebt er jedenfalls. „Störtebeker“, die „Piratenoper für junge Menschen“, hatte am Wochenende Premiere. Das Ergebnis kann sich sehen und hören lassen.

Aus Holzbohlen und Paletten hat Alex Mans einen robusten Großsegler gezimmert. Zum Vorspiel des Orchesters werden im Morgennebel Segel gesetzt. Kurze Motive der Instrumente und dumpfe Schläge von der Kesselpauke lassen kommende Kämpfe erahnen. Mit den Segeln lässt sich gut spielen. Sie werden gehisst, wenn das Schiff mit voller Mannschaft in See sticht. Sie bilden, ganz heruntergelassen, den blutrot ausgeleuchteten Hintergrund für den Hofstaat der dänischen Königin Margarethe.

Bunt und trubelig geht es zu bei der Piratenoper.

Die historische Margarethe I. war eine der machthungrigsten Gestalten in Skandinavien. Sie wollte die drei nordischen Kronen auf ihrem Haupt vereinen. In der Jugendoper mit dem Libretto von Micha Rügen und der Musik von Gabriele Pott will sie die Piraten gegen den Erzfeind Schweden einsetzen. Als Störtebeker ablehnt, kommt es zum blutigen letzten Gefecht und zum Tod Störtebekers und seiner Freunde.

Klaus Störtebeker ist auch in dieser Jugendoper im Grunde ein Held, der den Armen hilft, weil er selber Armut und Ungerechtigkeit erfahren hat. Seine Mitstreiter Gödeke Michels und Magister Wigbold muss er erst überzeugen, die geraubten Schätze zu verteilen, als „Likedeeler“, als „Gleichteiler“ zu leben. Das gelingt dem Helden, und so bekennen sie einmütig: „Wir wollen wie Brüder leben. . .“ Das Lied singen sie, quasi auferstanden, auch nach dem letzten Kampf.

Weitere Termine

Die Piratenoper für die ganze Familie ist auch am kommenden Wochenende zu erleben, und zwar am Sonnabend (17. 8.) und Sonntag (18. 8.), Beginn jeweils 17 Uhr. Am Freitag, 16. August, gibt es um 10.30 Uhr eine gesonderte Schulaufführung.

Eva-Maria Schattauer hat das schmissig inszeniert, Katja Grzam mit vielen Einfällen abwechslungsreich choreografiert. Rund 50 Kinder und Jugendliche, die die Handlung tragen, machen ihre Sache hervorragend. Sie treten nicht nur als Chor auf. Bei einem großen Fest singen sie zum Schifferklavier einzelne Solozeilen. Gabriele Pott hat eine stimmige und die Handlung stützende Musik geschrieben. Und natürlich setzt sie sie als Dirigentin entsprechend um.

Die Flöte singt das Totenlied

Da wird das Orchester manchmal düster, Unheil ankündigend. Da schmettern Fanfaren beziehungsweise die Blechbläser, wenn die mächtige Königin zu begrüßen ist. Da singen gegen Ende die Geigen mit der Oboe oder der Flöte das Totenlied. Da kommt schließlich die Botschaft des gutwilligen Störtebeker durch, der sich in einer Zeit größter Unfreiheit und Sklaverei für Freiheit und Brüderlichkeit einsetzt.

Markus Vollberg ist eine herausragende Titelfigur. Mit kraftvollem Bariton singt er sein Credo ins Piratenvolk. Nils Sandberg, gleiches Stimmfach, verkörpert als Gödeke Michels zunächst den Gegenpart, den Haudrauf-Piraten, der sich überzeugen lässt. Auch er ist stimmlich auf der Höhe, ebenso der Magister Wigbold von Caspar Krieger mit kräftigem Tenor.

Viele Vorhänge

Julia Bachmann, eine Königin von Format, setzt ihrem Sopran dramatische Spitzentöne auf. Melina Meschkat, als Hofdame Okka eine Wanderin zwischen den Fronten, überzeugt ebenfalls mit großer Stimme. Zum Schluss der knapp zwei Stunden dauernden Aufführung gab es viele Vorhänge, wie man am Theater sagen würde. Und die Schlager der Jugendoper mussten wiederholt werden. Auch im Publikum sang mancher mit: „Wir wollen wie Brüder leben. . .“ Oder „Gebt die Hand, schlagt ein, wir wollen Likedeeler sein!“

Von Konrad Dittrich

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