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Kultur im Norden Rassismus, Kolonialismus – neue Opernprojekte am Theater Lübeck
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17:18 14.02.2020
Carsten Jenß, Lars Frühsorge, Lionel Poutiaire Somé, Richard van Schoor und Katharina Kost-Tolmein (v. l.). Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Alles ist grundverschieden: Sprache, Klima und Gepflogenheiten sind in Europa gänzlich anders als in Afrika. Verstehen kann die jeweils andere Kultur nur, wer bereit ist, sich auf Neues einzulassen. Missverstehen und Ignoranz hingegen führen oft zu verdecktem oder auch ganz offenem Rassismus. Zwei Opernprojekte widmen sich dem hochbrisanten Thema. Gefördert werden sie im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes. Es besteht zudem eine Kooperation mit dem Opernhaus Halle.

Am 6. März wird um 19.30 Uhr die Film-Oper „L‘Européenne“ des südafrikanischen Komponisten Richard van Schoor im Großen Haus des Lübecker Theaters uraufgeführt. Inspiriert wurde der Komponist von dem Kurzfilm „Die falsche Seite“. Darin erzählt Regisseur Lionel Poutiaire Somé von der tragischen Beziehung eines afrikanischen Migranten zu einer Europäerin. Somé ist wichtig, „dass etwas Neues entsteht, das relevant ist für die Zeit, in der wir leben“. Operndirektorin Katharina Kost-Tolmein betont ebenfalls, dass Kunst auf keinen Fall stagnieren dürfe.

Noch eine gescheiterte Liebe

Vier Wochen später, am 3. April, feiert eine weitere Opernproduktion aus der Feder von Richard van Schoor Premiere: In seinem Werk „L’Africaine“ überschreibt der Komponist Giacomo Meyerbeers gleichnamige Grand Opéra. Hier ist es eine Afrikanerin, die einen Europäer liebt und auch diese Liebe scheitert. Chefdramaturg Carsten Jenß erklärt, dass „musikalisch gesehen Meyerbeers Oper noch durchschimmert“. Für den Komponisten ist seine Oper eine Replik: „Ich erzähle die Geschichte neu, dieses Mal eben nicht aus europäischer, sondern aus afrikanischer Perspektive.“

Noch ein drittes großes Projekt steht an: Unter dem Titel „Kolonialismus begreifen. Kolonialismus überwinden“ veranstaltet das Musiktheater vom 3. bis zum 9. April die Themenwoche „Transition/Tage“ – gedacht als „Tage der gesellschaftlichen Erneuerung“. Gezeigt werden dann neben den beiden beschriebenen Opern auch „Christophe Colomb“ von Darius Milhaud, „Montezuma“ von Carl Heinrich Graun, „Maria de Buenos Aires“ von Astor Piazzolla und „Rusalka“ von Antonin Dvorák. Einführungen, Nachgespräche, Podiumsdiskussionen und eine interaktive Führung sollen die Produktionen noch weiter beleuchten. Neben dem Kunstgenuss geht es der Operndirektorin „um eine Dekolonialisierung des Geistes“.

Ab in die Völkerkundesammlung

Nachdem sich am 4. April letztmalig der Vorhang zur Oper „Christophe Colomb“ geschlossen hat, werden Teile der Dekoration im Lübecker Zeughaus dauerhaft ausgestellt. Das freut besonders den Leiter der Völkerkundesammlung: Lars Frühsorge will ebenfalls einen Diskurs anstoßen und einerseits „Geschichte sichtbar machen“ und andererseits dem Theater „auch mal eine museale Rolle“ zuweisen.

Lesen Sie auch:

Rezension von „Christophe Colomb

Rezension von „Maria de Buenos Aires

Rezension von „Montezuma“

Rezension von „Rusalka“

Von Cornelia Schoof

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